Ist die Kontroverse um Lootboxen gerechtfertigt? [Kommentar]

Sandro Kreitlow 1

Lootboxen sind nichts Neues. Zuletzt polarisierten sie allerdings besonders. Warum regen sich gerade alle darüber auf und ist das überhaupt gerechtfertigt?

Ist die Kontroverse um Lootboxen gerechtfertigt? [Kommentar]

Hach, was war es damals einfach: Auf der Suche nach einem PlayStation 1-Spiel wurde ich mit Final Fantasy 7 fündig. Bettelnd bei meiner Mutter musste ich ihr versprechen, dass es für einige Monate bei diesem einen Spiel bleibt. Schließlich kostet dieses fertiggestellte Exemplar eine ganze Menge D-Mark. Zu Hause angekommen, schnappte ich mir die Verpackung, um die erste der drei CDs in die PlayStation zu schieben. Der Rollenspiel-Klassiker beschäftigte mich mehrere Monate, schließlich steckten Entwickler unzählige Stunden in dieses eine Spiel. Die Geschichte steckte komplett in diesen drei gekauften CDs.

Damals bekam ich für einen einmaligen Preis also ein fertiges Spiel mit einer tiefgründigen, überraschungsvollen Geschichte, ohne weitere Gelder für Zusatzinhalte oder Updates zu kaufen. Heute ist das anders. Die permanente Online-Verbindung ist nicht mehr wegzudenken. Bist du nicht online angemeldet, kannst du das Spiel nicht herunterladen oder bekommst im Handel nur das unfertige Spiel, das du an Tag 1 updaten musst, da die Kopie auf dem erworbenen Speichermedium nicht die fertige Fassung ist. Während diese Updates jedoch immerhin kostenlos sind, gibt es aktuell heftige Kontroversen um Lootboxen. Gerade bei Vollpreistiteln erwarten Spieler, ein fertiges Spiel zu bekommen, ohne weiteres Geld ausgeben zu müssen. Zurecht!

Mit Echtgeld geht alles schneller

Videospiel-Publisher finden immer neue Wege, um den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mikrotransaktionen und Season Passes haben das gleiche Ziel: Sie sollen nach dem Erwerb des Spiels noch mehr Geld auf die Konten der Publisher spülen. Lootboxen sind Objekte im Spiel, die im Tausch mit In-Game- oder echtem Geld eingelöst werden können. Dabei ist vorher nicht klar, was sich in diesen Boxen befindet. Manchmal handelt es sich um rein optische Vorteile, manchmal haben sie aber auch Auswirkungen auf das Gameplay.

Zuletzt ärgerten sich Spieler besonders in Mittelerde: Schatten des Krieges und Forza Motorsport 7 über Features, die dir im Tausch mit echtem Geld Vorteile bringen. So kannst du Mittelerde: Schatten des Krieges zwar auch durchspielen, ohne jemals eine Lootbox geöffnet zu haben. Allerdings hättest du letztens Endes doch Vorteile, wenn du sie nutzt – zumal es ein reines Glücksspiel ist. So machen Philip Kollar und Chris Plante in ihrer Review auf Polygon klar, dass ein neuer Mofus namens Shadow Wars auf dich wartet, wenn du die Kampagne durchgespielt hast. Dort erfordert es immer mehr mächtige Orks, um die Festungen zu verteidigen, die dir gehören:

„Wenn dein In-Game-Geld leer ist, hast du zwei Entscheidungen: Entweder investierst du eine Menge Zeit, um Orks in der Spielwelt niederzustrecken und Kisten per Vendetta-Missionen zu erhalten oder du gibst echtes Geld aus, um mehr Orks zu bekommen, die du nun brauchst. Hat das Spiel dich dazu gezwungen, Geld auszugeben? Nein. Ich bin mir sicher, dass du das Ende von Shadow Wars erreichen kannst, ohne einen Cent auszugeben, solange du geduldig und hartnäckig bist. Aber den Fortschritt durch diesen Modus dahinter zu blockieren (und wieder auf das eigentliche Ende des Spiels zu setzen), entweder mehr Geld auszugeben oder tonnenweise langweilige Geschäfte zu machen, fühlt sich zumindest gierig, wenn nicht räuberisch an.“

Teurere Kisten sind übrigens nur für Echtgeld verfügbar, wie unser Test zeigt. Die vermehrte Präsenz von Mikrotransaktionen und Lootboxen, die zu Vorteilen gegenüber anderen führen, sind schlecht. Die Gewinnmaximierung von Publisher rückt in den Fokus, die Arbeit der Entwickler, die ein bestmögliches Spiel abliefern wollen, in den Hintergrund.

Pokémon GO wurde mit Mikrotransaktionen zu einem weltweiten Erfolg:  

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So viel Geld gibt die Welt für Pokémon GO aus .

„Nutze Echtgeld, um mehr In-Game-Währung für Inhalte zu bekommen!“

Auch Forza Motorsport 7 nutzt Lootboxen. Zwar kannst du immer noch diverse Belohnungen und Upgrades für Auto und Fahrer nach und nach freispielen, allerdings lässt sich dieser Prozess nun auch durch besagte Boxen verkürzen, die gleich ein ganzes Set solcher Verbesserungen bis hin zu Outfits erhalten. Teil der Lootboxen sind auch sogenannte Mods. Dabei handelt es sich um kleine Stolpersteine, die du für Rennen aktivierst, um zusätzliche Ingame-Währung zu verdienen. Mit Mods kannst du in Forza Motorsport 7 die Bedingungen des nächsten Rennens verändern. Heftest du beispielsweise eine Mod mit dem Inhalt Nachtrennen an dein Fahrzeug, wird aus einer Fahrt bei Tag eine bei Nacht, bei der sich mehr Credits verdienen lassen.

Du musst allerdings in Lootboxen mit Echtgeld investieren, um mehr Credits verdienen zu können. Denn du kannst zwar genug Credits haben, um einen hochwertigen Ferrari zu kaufen, aber weil er hinter einer bestimmten Stufe gesperrt ist, kannst du sie nicht einlösen, bevor du nicht die Autos der vorherigen Klassen kaufst. Um Autos zu kaufen, brauchst du mehr Credits. Und der beste Weg, um mehr Credits zu bekommen, sind Lootboxen mit den Mods und anderen Vorteilen. Zudem sind die Mods limitiert und verschwinden wieder, wenn du sie nutzt. Wenn du mehr Mods verwenden willst, musst du regelmäßig Lootboxen öffnen. Wenn das mal nicht nach Ausbeutung klingt… Das führt nun sogar dazu, dass OpenCritic dieses Business-Modell zukünftig in Wertungsübersichten angibt:

Wie wir bereits berichteten, wird in Star Wars Battlefront 2 sogar befürchtet, dass Publisher EA heimlich ein Pay-to-Win-System nutzt. Dabei geht es auch anders, wie Ubisoft zeigt: Zwar haben die französischen Entwickler ebenfalls Lootboxen in Assassin’s Creed Origins eingebaut, allerdings können diese nur per In-Game-Währung genutzt werden. Fakt ist: Mit Lootboxen und anderen Mikrotransaktionen hast du stets Vorteile. Sind diese per In-Game-Währung erhältlich, ist es ein Ansporn für Spieler. Ergeben sich allerdings große Vorteile für Spieler, wenn sie echtes Geld dafür nutzen, ist es eine absolute Frechheit gegenüber den Käufern. Solange die Spieler mitmachen und das System funktioniert, wird sich nichts ändern. Wird die Kritik an Mikrotransaktionen lauter, werden EA, Warner Bros. und weitere Publisher jedoch zukünftig zwei Mal überlegen. Auch in der Berichterstattung darf dieses Thema nicht verschwiegen werden.

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