#MeToo unter Gamern: "Ich war selbst sexistisch" - Kolumne von Maxi Gräff

Maxi Gräff 2

Nach wie vor gibt es mehr Männer als Frauen in der Gaming-Branche. Dass sich das ändern wird und muss, ist für Gastautorin Maxi Gräff ziemlich klar. Ein Plädoyer.

Dieser Artikel ist Teil einer ganzen Reihe von Artikeln, die sich mit dem Thema Frauen in Games befasst. Gemeint ist damit nicht nur die Darstellung von Frauen in Games, sondern auch die Leistungen, die Frauen für eine gesamte Branche bislang erbracht haben – und wie und ob diese Branche es den Frauen dankt.

„Ist dein Facebook-Profil echt oder täuschst du deine Persönlichkeit nur vor?“
„Seit wann gibt es denn Konsolen in der Küche?“
„Frauen können keine Computerspiele spielen!“
„Die würde ich gerne mal B&%msen!“
„Gott, ist die hässlich und dick!“ 

Kommentare dieser Art habe ich online aber auch persönlich in der Vergangenheit oft erlebt und es war immer ein Karussell der Gefühle. Ich habe mir immer wieder die Fragen gestellt: Ertrag ich das ewig? Muss ich es ertragen, um akzeptiert zu werden? Bin ich selbst schuld? Kann ich keine Shooter spielen? Um es klar zu machen: AUF JEDEN FALL kann ich Shooter spielen! ;)

Ich habe mich eigentlich die Hauptzeit meiner Games-Karriere in einer Akzeptanzphase befunden und versucht, es mit dem langsamen Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung zu erklären: „Es ist nicht mal 100 Jahre her, dass Frauen nicht wählen durften und vor 50 Jahren gab es für Frauen kaum Jobs, die über eine Assistentin-Rolle hinaus gingen.“

Und wie sahen die Zeiten in den 70er und 80er Jahren aus, in denen Spiele ihre ersten kommerzielle Erfolge feierten? Erst hier wurden durch eine neue Bildungsreform bessere Karriere-Grundsteine für Frauen gelegt. Es ist also kein Wunder, dass viele ungläubig und kritisch sind, wenn eine Frau eine Branche betritt, die überwiegend von Männern bevölkert wird. Ich sagte mir dann immer: „Das braucht noch ein wenig!“ Und ich bin als optimistischer Mensch überzeugt, dass wir dem Ziel immer näher kommen.

Zur Person:
Maxi Gräff hat an der Macromedia „Medienmanagement: Fachrichtung PR“ studiert und während des Studiums für die Website GamerGirls.de geschrieben. Nach dem Studium ging es direkt zu IDG (GameStar, GamePro), dort durchlief sie unterschiedliche Stationen (GamePro-Redaktion, Leitung des Sims-Magazins, High5). Nach 7 Jahren bei IDG (jetzt Webedia) wechselte sie 2015 zu Microsoft ins Xbox Team und leitet mittlerweile die Xbox PR für Deutschland, Österreich und inhaltlich auch den Social Media Auftritt.
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Ich war selbst sexistisch

Diese Akzeptanz hat dann dazu geführt, dass ich mich unter den männlichen Kollegen auch nie groß aufgeregt habe. Im Gegenteil. Ich habe oft auch mitgelacht und selbst Sprüche in die Runde geschmissen. Dies war sicherlich ein Teil Angst, denn ich wollte nicht ausgeschlossen werden und generell bin ich auch ein harmoniebedürftiger Mensch. Andererseits wurde ich auch immer belohnt mit: „Du bist nicht wie andere Mädchen, du verstehst wenigstens auch Spaß.“ Ich gebe zu, das habe ich genossen und bin sogar noch weiter gegangen.

In meiner YouTube-Zeit bei „High5“ habe ich selbst Figuren auf Thumbnails gewählt, die freizügig waren – mit dem Ziel mehr Klicks zu bekommen. Eines meiner erfolgreichsten Videos mit über einer Million Aufrufen, ziert ein weibliches GTA-Artwork mit zwei Rockstar-Logos über den Nippeln (BITTE schau es dir nicht an. Ok, jetzt wirst du es definitiv anschauen).

Doch warum erzähle ich das? Ich möchte damit zeigen, dass es bei Sexismus nicht nur um respektloses Verhalten, ungleiche Gehälter oder ungleiche Chancen auf hohen Positionen geht. Es geht viel mehr um das, was es mit uns macht. Wir quetschen uns freiwillig (bewusst und unbewusst) in ein Rollen-Korsett, das andere von uns erschaffen haben. Wir verstecken unsere wahren Wünsche, Ideen, Potential und uns selbst.

Gesellschaftlich gesehen ist das für mich durchaus gefährlich, denn es hindert den Fortschritt in jeder Branche. Und ich meine nicht nur Frauen, sondern alle, für die solche Zwangsjacken schon erschaffen worden sind. Wer weiß, wo wir heute wären, hätten wir diese Zwangsjacken vor langer Zeit abgelegt. Wahrscheinlich wären wir längst in einem Virtual Reality-Spiel in der hochentwickelten Dimension von OASIS aus Ready Player One (nur das Spiel, nicht die gesellschaftlichen Missstände).

Hier kannst du noch mal unser Interview mit Maxi Gräff zum Thema lesen

Als mir das Lachen verging

Sobald der Spaß allerdings persönlich wurde, war mir nicht mehr zum Lachen. Wenn mir jemand direkt einen Spruch ins Gesicht sagte, habe ich doppelt so hart zurück gefeuert. Ich nehme kein Blatt vor den Mund und habe mir immer den psychologischen Schwachpunkt meines Duellierpartners ausgesucht, mit Humor verpackt (manchmal auch nicht) und das hat dann immer schnell für Ruhe gesorgt.

Nach 10 Jahren habe ich begriffen, dass „Feuer mit Feuer bekämpfen“ keine nachwirkende Taktik ist. Manchmal nutze ich diese Taktik immer noch, aber eigentlich habe ich mich mittlerweile dahin entwickelt, dass ich diese Art der Reaktion nicht mehr einsetzen möchte. Man wird älter, lernt sich und sein Verhalten immer besser kennen und erkennt Fehlentscheidungen.

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