Mobile-Spiele sind keine echten Games? Von wegen! [Kolumne]

Alexander Gehlsdorf 2

Mobile-Spiele sind keine richtigen Games? Zeit mit ein paar veralteten Vorurteilen aufzuräumen. Besonders in den letzten Jahren haben die Smartphones nämlich immer wieder bewiesen, wie viel Originalität und Potential für tolles Design in ihnen steckt.

Fortnite Mobile Trailer.
Vorurteilen wird ja gern nachgesagt, dass stets ein Stück Wahrheit in ihnen steckt. Ob das tatsächlich stimmt, sei dahingestellt, im Falle der Vorurteile gegenüber Mobile-Spielen kommt diese Behauptung aber nicht von ungefähr. Denn was dem Segment heutzutage zum Teil noch immer vorgeworfen wird, war in der Vergangenheit durchaus berechtigte Kritik.

Mobile-Spiele sind immer simpel. Aber auch anspruchslos?

Erinnert sich noch jemand an Snake? Der gute, alte Nokia-Klassiker? Mit Grafik aus dem dem Spätmittelalter und der fummeligen Steuerung per Ziffernblock? Ich erinnere mich noch gut und weißt du was? Das hat echt Spaß gemacht! Obwohl es Ende der neunziger Jahre mit Tomb Raider oder Half-Life bereits immersive, dreidimensionale Welten gab, konnte das kleine Knobelspiel überzeugen, denn es war perfekt auf die damaligen Handys abgestimmt. Mehr als vier Richtungstasten und eine Pixel-Schlange waren auf den kleinen Geräten nicht möglich — aber eben auch nicht nötig.

Worauf ich hinaus will, ist dass gutes Gaming stets die zugrunde liegende Hardware optimal nutzt. Ob aus rein technischer Sicht bereits beeindruckende Grafik oder umfangreicheres Gameplay auf anderen Plattformen möglich ist, spielt in diesem Fall keine Rolle. Die Xbox 360 und die PlayStation 3 waren der Wii technisch weit überlegen, trotzdem verkaufte sich Nintendos Konsole um ein Vielfaches besser, da das Novum Bewegungssteuerung optimal und originell genutzt wurde.

Bilderstrecke starten
6 Bilder
Diese Plattformen haben den Konsolenkrieg gewonnen.

Natürlich war Snake bei weitem nicht das das einzige Spiel für frühe Mobiltelefone, ein buchstäblicher Game-Changer war 2007 jedoch das iPhone und die nachfolgenden Smartphones.

Touchscreen, Internetanbindung und ab 2010 ein Gyroskop eröffneten Mobile-Games völlig neue Möglichkeiten. Bis diese jedoch erkannt und effektiv genutzt wurden, verging einige Zeit. Doodle Jump, Candy Crush, Angry Birds — es gibt durchaus Apps, die das perfekte Rezept für eine massen-kompatible App gefunden haben und Millionen-Umsätze damit machen. Unter „echten Gamern“ sind diese Casual-Titel jedoch mitunter verrufen. Unter anderem deshalb, da erfolgreiche Apps die Tendenz haben, von Nachahmern tausendfach kopiert zu werden. Allein von Flappy Bird waren zeitweise mehr als 400 Klone verfügbar.

Bilderstrecke starten
12 Bilder
Trend-Setter-Spiele: Diese Games wurden von zahllosen Nachahmern geklont.

Ein dominanterer Kritikpunkt ist jedoch die vermeintliche Anspruchslosigkeit der Spiele. Ja, Angry Birds und und Candy Crush lassen sich problemlos mit einem einzigen Finger bedienen, besonders spätere Level stecken aber dennoch voller echter Kopfnüsse und setzen eine ganze Menge Können voraus, trotz der zugegeben einfachen Bedienung. Das die Spiele von vornherein so designt sind, dass sie möglichst einfach zu bedienen sind, hat aber auch ganz logische Gründe. Schließlich stehen Smartphones keine 12-14 Buttons wie auf einem Dualshock-Controller zur Verfügung, sondern in der Regel lediglich zwei Finger auf dem Touchscreen.

Anders betrachtet? Würdest du Tetris die gleichen Vorwürfe machen, wie den Mobile-Spielen? Auch Tetris ist einfach zu bedienen, das Spiel-Prinzip schnell erkannt und dennoch fasziniert das Klötzchen-Stapeln noch nach Jahrzehnten.

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Diese Gadgets machen mobiles Gaming zu einem riesigen Spaß.

Worauf ich hinaus will ist, dass die genannten Spiele ohne Frage nicht mit der Immersion oder dem Detailgrad eines The Witcher 3 mithalten können, aber das auch gar nicht wollen. Viel mehr sind sie maßgeschneidert auf den täglichen Gebrauch mit dem Smartphone. Denn wann zückst du denn dein Smartphone für ein kurzes Spiel zwischendurch? In der U-Bahn auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit? Oder Abends auf der Couch, wenn Fernseher und Konsole nur einen Knopfdruck entfernt sind?

Interessanterweise ist es technisch mittlerweile tatsächlich möglich, auch AAA-Spiele auf dem Smartphone zu spielen. Dazu gehört nicht nur Fortnite, auch GTA Vice City und San Andreas passen mittlerweile in die Hosentasche. Wenn du aber tatsächlich morgen früh an der Haltestelle stehst und die nächsten vier Minuten überbrücken musst, bis die U-Bahn kommt, was wirst du eher spielen? Eine 20 minütige Mission in GTA oder eine schnelle Runde Candy Crush?

Errätst du diese Spiele anhand unserer MS Paint-Zeichnungen?

In Videospielen gibt es immer wieder Momente, an die du dich selbst Jahre später gerne zurückerinnerst. Wir haben in der Redaktion einige unserer Lieblingsmomente festgehalten — in Microsoft Paint. Welche davon kannst du erraten?

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung