Netflix für Games: Wie gut funktioniert das wirklich?

Daniel Nawrat 8

Was vor wenigen Jahren noch reine Zukunftsmusik war, wird mehr und mehr zur Realität – Cloud Gaming. Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter derartiger Dienstleistungen, wie beispielsweise das von Blade entwickelte Shadow oder GeForce Now von Nvidia. Können die beiden Angebote in der Praxis überzeugen? Ich habe den Selbstversuch gewagt.

Du kannst dir unter Cloud Gaming noch nichts vorstellen? Das folgende Video zu Shadow bietet dir eine kurze Übersicht zur Funktionsweise eines solchen Angebots.

Blade – Das ist Shadow.

Die Vergangenheit zeigt, dass wir uns zunehmend davon lösen, Dinge tatsächlich besitzen zu wollen. Beispielsweise streamen wir heutzutage unsere Serien oder Filme lieber, anstatt sie uns zu kaufen. Warum also nicht das gleiche Konzept auf Gaming anwenden? Genauer gesagt auf die Hardware, denn die kann je nach Konfiguration schon mal ordentlich was kosten. Das müssen sich vor einiger Zeit auch die zahlreichen Anbieter heutiger Cloud Gaming-Dienste gedacht haben.

Dabei scheinen zwei Angebote besonders ins Auge zu fallen – Shadow vom französischen Unternehmen Blade sowie GeForce Now aus dem Hause Nvidia. Beide Angebote funktionieren dabei sehr ähnlich und klingen äußerst vielversprechend. Im Falle von Shadow steht dir so beispielsweise für umgerechnet 1 € pro Tag jederzeit ein High End Gaming-Rechner zur Verfügung. Seit Anfang September 2018 ist Shadow außerdem auch endlich in Deutschland verfügbar.

Du suchst stets nach neuen Möglichkeiten, um PC-Spiele auf deinem Smartphone zu zocken? Wir zeigen dir wie es geht.

Bilderstrecke starten
15 Bilder
Steam Link App: PC-Spiele auf dem Smartphone zocken.

Netflix für Games?

So lässt sich das Prinzip von Cloud Gaming im Grunde zusammenfassen. Gut, ganz so simpel ist es dann wahrscheinlich doch nicht. Im Kern geht es darum, dass du deine Spiele nicht mehr auf deinem eigenen Gaming-Rechner zockst, sondern auf einem High End-PC, der irgendwo in einem Rechenzentrum steht. Dabei verfügen diese PCs über derart potente Hardware, dass sie mit jedem Spiel ohne Probleme fertig werden. Du mietest dir also diesen PC und streamst dann sämtliche Games auf dein Gerät. Dabei spielt es auch keine Rolle, um welche Art von Gerät es sich handelt – Smartphone, Tablet oder Laptop, es wird so gut wie alles unterstützt.

Wo ist da jetzt der Haken fragst du dich? Möchtest du anspruchsvolle Spiele auf dein Gerät streamen, so benötigst du eine entsprechende Internetverbindung. Shadow nennt als Mindestanforderung 15 Mbit/s und GeForce Now respektive 25 Mbit/s. Sind diese erfüllt, solltest du theoretisch mit einer Auflösung von 1080p und 60 FPS zocken können. Möchtest du jedoch in 4K oder mit 144 FPS zocken, brauchst du natürlich eine umso schnellere und vor allem stabilere Internetverbindung. 

Die Macher von Shadow im Gespräch: So sah ihre Vision im letzten Jahr noch aus.

Shadow und GeForce Now im Praxistest

Aufgrund der Tatsache, dass ich privat einen durchaus leistungsfähigen PC besitze, hatte ich einen derartigen Streaming-Dienst bisher noch nicht wirklich in Betracht gezogen. Dabei gab es in der Vergangenheit bereits so viele Situationen, in denen sich diese Technologie als äußerst nützlich erwiesen hätte. Wer kennt es nicht? Du fährst übers Wochenende in die Heimat und musst deinen geliebten Rechner zu Hause lassen. Womöglich bist du aber auch in der Universität und würdest zwischendurch gerne mal eine Runde spielen? Dank Shadow und GeForce Now war all das jetzt möglich. Okay, letzteres Beispiel ist wohl eher weniger zu empfehlen aber ich kann bestätigen, dass es tatsächlich funktioniert.

Um beide Dienste wirklich auf Herz und Nieren zu prüfen, musste ich mir also zunächst zwei passende Spiele aussuchen. Meine Wahl fiel dabei auf Prey und Doom, die beide grafisch durchaus anspruchsvoll sind, Präzision erfordern und so wohl kaum auf meinem Laptop laufen würden. Zusätzlich würde ich ausschließlich über WLAN spielen, da dieses bekanntlich deutlich anfälliger für Störungen ist als die kabelgebundene Variante. Ich meldete mich also in den jeweiligen Apps an und loggte mich per Remote-Verbindung in meinen Steam-Account ein. So weit, so gut.

Das folgende Video zeigt dir, was Shadow alles zu bieten hat.

Shadow - Cloud Gaming.

Wenn es eine Sache gibt, die keiner leiden kann, dann sind das wohl ewig lange Downloads. Hier hat mich GeForce Now wirklich beeindruckt, da mehr als 200 Spiele vorab auf ihren Rechnern installiert sind und ich somit direkt loszocken konnte. Man muss jedoch erwähnen, dass die Auswahl an Spielen trotz ihrer immensen Größe dennoch beschränkt ist. Aktuell soll der Dienst aber über 225 kompatible Spiele beinhalten. Bei Shadow sieht die Sache da etwas anders aus. Hier musste ich mir die Spiele von Hand runterladen aber dank der enthaltenen 1 GBit/s Leitung dauerte das ebenfalls nur wenige Minuten. Alle Spiele landen nämlich auf meinem persönlichen virtuellen Rechner und belegen somit nicht den wertvollen Festplattenspeicher meines Laptops. Shadow ist außerdem mit allen Spielen kompatibel.

Wie spielt es sich jetzt also aus der Cloud? Ich war zu Beginn äußerst skeptisch, zumal ich befürchtete, dass mir die erhöhte Latenz einen Strich durch die Rechnung machen würde. Es stellte sich jedoch heraus, dass sowohl Prey als auch Doom in dieser Hinsicht meistens solide performt haben. Mich hat eine andere Sache leider deutlich mehr gestört. So konnte ich in den seltensten Fällen durchgehend mit den versprochenen 1080p und 60 FPS spielen und das trotz einem theoretischen Download von 25 Mbit/s. Viel zu oft musste die Auflösung runterskaliert werden, damit ein Weiterspielen möglich war.

Mir ist natürlich bewusst, dass die Ursache vor allem in der Qualität meiner Internetverbindung liegt, zumal ich bewusst nur eine WLAN-Verbindung für den Test genutzt habe. Dennoch zeigt sich hier die größte Schwäche solcher Streaming-Dienste. Solange du nicht über eine ausreichend starke Internetverbindung verfügst, wird das Spielen aus der Cloud eher für Frust als für Freude sorgen. Dabei waren beide Dienste gleichermaßen von derartigen Problem geplagt. Entweder war die Auflösung stellenweise wirklich unzumutbar oder es kam zu Rucklern und Verzögerungen. Im direkten Vergleich schien Shadow aber dennoch etwas besser optimiert zu sein, wobei sich GeForce Now aktuell auch noch in der Beta-Phase befindet.

Aus diesem Grund wird sich bestimmt noch einiges ändern, da zum aktuellen Zeitpunkt nicht genau feststeht, ab wann der Dienst überhaupt offiziell startet und was er kosten wird. Mein derzeitiges Fazit sieht daher so aus, dass ich meinem PC die nächsten Jahre wohl weiterhin treu bleiben werde. Dennoch könnte ich mir durchaus vorstellen, Cloud Gaming-Dienste hier und da in Anspruch zu nehmen. Gerade dann, wenn ich beispielsweise länger unterwegs bin und nur meinen Laptop bei mir habe. In solchen Momenten kommt Shadow oder GeForce Now natürlich wie gerufen.

Egal ob in der Cloud oder am Heimrechner: Hier sind die besten PC Spiele der letzten Jahre, damit keine Langeweile aufkommt.

Bilderstrecke starten
15 Bilder
Die besten PC Spiele der letzten fünf Jahre.

Ein (wahrgewordener) Traum?

Jederzeit und überall seine Lieblingsspiele zocken zu können, ohne dafür seinen Gaming-Rechner rumschleppen oder gar besitzen zu müssen? Das hört sich tatsächlich nach einer traumhaften Zukunft an. Ein weiterer nicht zu verachtender Vorteil: die plattformübergreifende Kompatibilität zwischen verschiedenen Betriebssystemen. Egal ob Windows, MacOS oder sogar Linux. Je nach Anbieter kannst du jedes deiner Spiele problemlos über die entsprechenden Apps streamen. Der nächste wichtige Faktor sind natürlich die Kosten. Ein leistungsstarker Gaming-PC schlägt gerne schon mal mit 1.000 Euro oder mehr zu Buche. Shadow beispielsweise kostet dich monatlich nur 29,95 Euro, umgerechnet also knapp 360 Euro pro Jahr. Außerdem verbraucht Streaming deutlich weniger Strom, wodurch nochmal Geld eingespart werden könnte.

Dennoch gibt es auch einige Nachteile. Bei Shadow und GeForce Now herrscht nämlich Online-Zwang. Mit deinem eigenen Rechner bist du hingegen deutlich unabhängiger, da für Spiele wie The Witcher 3 keine Internetverbindung vonnöten ist. Außerdem sollte deine Internetverbindung extrem zuverlässig und vor allem schnell genug sein, was sich in Deutschland, je nach Wohnort, als großes Problem herausstellen kann. Vor allem, wenn du bedenkst, dass die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit hierzulande gerade mal bei etwa 15 Mbit/s liegt. Sollte sich die Infrastruktur in absehbarer Zeit verbessern, sage ich derartigen Diensten jedoch eine große Zukunft voraus.

Apropos Zukunft – Was in den nächsten 10 Jahren wohl noch so auf uns zukommen wird?

Bilderstrecke starten
14 Bilder
Headlines der Zukunft: So wird das Gaming-Jahr 2028.

Wie stehst du zu Gaming aus der Cloud? Siehst du in dem Konzept eine Zukunft oder denkst du, dass es am schleppenden Breitbandausbau in Deutschland scheitern wird? Würdest du deinen Rechner irgendwann aufgeben und deine Spiele nur noch streamen? Schreib mir deine Meinung zum Thema doch gerne in die Kommentare.

Game-o-Mat 2019: Wir verraten dir, welches Spiel in diesem Jahr perfekt zu dir passt

Auch für das Jahr 2019 stehen bereits zahlreiche Games in den Startlöchern, die nur darauf warten, von dir gespielt zu werden. Wir verraten dir, welches Spiel in diesem Jahr perfekt zu dir passt.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link