Schluss mit dem Vorbesteller-Wahnsinn!

Victor Redman

Jedes große Game wirbt heute mit Vorbesteller-Boni. Limierte Sondereditionen und Goodies sollen die Fans dazu bringen, sich schon Monate, bevor das Spiel fertig ist, festzulegen. Viele tun es. Was das Problem daran ist, liest du hier.

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich zum ersten Mal den Story-Trailer für Far Cry 5 gesehen habe. Schon Spider-Man und Read Dead Redemption 2 hatten mich heiß gemacht, aber die Vorschau auf das neue Far Cry gab mir den Rest: Ich, der lebenslange Nintendo-Fanboy, war endlich soweit, mir meine erste Playstation zulegen.

Hat dich der Trailer auch so beeindruckt?

Far Cry 5 - Ankündigungstrailer.

Es gibt Spiele, die scheinen, als wären sie nur für dich programmiert worden. Spiele, auf die du dich so freust, dass du es kaum abwarten kannst, sie endlich in die Konsole zu werfen. Vorfreude gehört für mich zu den schönsten Aspekten eines Gamer-Lebens. Weniger schön ist, welche Blüten diese Vorfreude inzwischen treibt – und wie die Industrie sie ausnutzt. Ich hab‘ genug vom Vorbesteller-Wahnsinn

Der Vorbestell-Kult nervt!

Am liebsten wäre es Händlern und Publishern doch, wir würden jedes einzelne Game schon Monate vor Veröffentlichung vorbestellen. Gerade so, als würden sich die großen Titel nicht eh palettenweise in jedem Elektronikmarkt stapeln. Als ließe sich nicht so ziemlich jedes Game mit wenige Klicks online ordern. Ich habe das Spielchen nie mitgespielt. Trotzdem nervt es kolossal.

Es nervt, am Release Day fast nieder getrampelt zu werden von ungeduldigen Hardcore-Fans, die ernsthaft Angst haben, keine Kopie des neuesten Triple-A-Hits mehr zu ergattern. Es nervt, wenn schlecht informierte Verkäufer minutenlang versuchen, mir in Drücker-Manier irgendwelche Vorbestellungen aufzuschwatzen. Es nervt, vor jedem größeren Release erstmal ein Flussdiagramm zu studieren, um rauszufinden, welche der hundert Versionen nun eigentlich was beinhaltet.

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Die Verbraucherzentrale warnt vor übereilten Bestellungen

Eigentlich birgt eine Vorbestellung viel mehr Nachteile als Vorzüge. Tatsächlich warnt sogar die Verbraucherzentrale davor. Die Begründung: „Bei neuen Videospielen entsprechen die später erhältlichen Versionen nicht immer den vorherigen Ankündigungen der Spielemacher.“

Dass das fertige Spiel am Ende manchmal nicht hält, was die Werbung versprochen hatte, dürfte für halbwegs erfahrene Gamer nichts Neues sein. Wer gehypte Enttäuschungen wie No Man’s Sky, Fallout 76 oder zuletzt Anthem vorbestellt hat, wird solche Warnungen spätestens jetzt nachvollziehen können.

Welches Spiel zu dir passt, erfährst du hier.

Trotzdem floriert das Geschäft mit den Vorbestellungen – auch wegen der endlosen Lockangebote und Sonderedition, die die Publisher auf den Markt werfen. Wir werden schier begraben unter Day One, Early Access, Limited, Deluxe, Ultimate, Collector Editions. Kaum ein Triple A-Titel kommt noch mit weniger als drei Versionen daher. Und die nehmen immer seltsamere Formen an. So veröffentlichte Rockstar beispielsweise zum Launch von Red Dead Redemption 2 sogar eine Collector’s Edition ohne Spiel.

„Was schwerer erreichbar ist, erscheint uns schon allein deshalb wertvoller.“

Verlockend klingen fast alle dieser Angebote irgendwie. Die Psychologin Dr. Maike Herbort sagt: Das ist Taktik.

Wenn der Spieler – zum Beispiel wegen entsprechender Werbung – fürchtet, er habe ohne Vorbestellung keine Chance, das Spiel zu gewünschtem Zeitpunkt zu bekommen, nennen wir das verkaufspsychologisch ‚Verknappung‘„, erklärt Dr. Herbort. „Die Idee dahinter ist simpel, aber effektiv: Was schwerer erreichbar ist, erscheint uns schon allein deshalb wertvoller. Kleinkinder etwa können monatelang ein Spielzeug unbeachtet in der Ecke liegen lassen; sobald aber ein Geschwisterkind es in die Hand nimmt, muss umgehend damit gespielt werden. Ein ähnliches Prinzip greift auch, wenn wir über Videospiele und Vorbestellungen reden. Dem Spieler wird suggeriert, er müsse sich schnell entscheiden, am besten direkt zuschlagen. Was, wenn es das gewünschte Spiel morgen schon nicht mehr gibt?

Das Zauberwort hier lautet FOMO – fear of missing out. Mehr und mehr Publisher bauen auf die Angst der Gamer, etwas zu verpassen, leer auszugehen, nicht mitreden zu können. Und das funktioniert leider viel zu oft viel zu gut.

Darum ist Red Dead Redemption 2 das neue Super Mario Bros.

Ich spreche da durchaus aus teurer Erfahrung. Als ich zum Beispiel kurz vor Release die Limited Edition von Octopath Traveller online sah, da musste ich sie einfach haben. Das aufwendig gestaltete Pop-Up-Buch aus der Sonderedition hat auch direkt einen Ehrenplatz in meinem Regal bekommen. Da steht es bis heute – und zieht Staub an. Angesehen habe ich es mir nach dem Auspacken nicht mehr.

Ich will doch nur spielen!

Ich jammere hier auf hohem Niveau — klar. Und ja, es zwingt mich keiner, vorzubestellen oder irgendwelchen seltsamen Sondereditionen zu kaufen. Trotzdem wünsche ich mich manchmal zurück in eine andere Zeit, in der Spiel einfach Spiele waren und der Kauf kein Staatsakt.

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Ich will keine Vorbestellungen aufgeben. Ich brauche keinen early access. Ganz bestimmt brauche ich keine überteuerten Stehrümchen, die mir das Wohnzimmer zustellen. Ich will das alles nicht. Ich will doch nur spielen. Wie siehst du das? Schreib deine Meinung in die Kommentare.

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