Shadow: Ein High-End-Gaming-PC für 1 Euro am Tag

Alexander Gehlsdorf

Daten in der Cloud zu speichern klang vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction, ist heute aber Alltag geworden. Über die Cloud auf einem High-End-Rechner zu spielen klingt auch heute noch nach Science-Fiction, könnte dank Shadow aber bereits morgen Standard sein.

Was für Filme dank Netflix, Amazon Prime und Hulu längst Standard ist, wird unter Gamern noch immer mit großer Skepsis beäugt: Streaming. Natürlich nicht das bereits gängige Streaming via Twitch oder YouTube, bei dem es darum geht, anderen Gamern beim Spielen zuzuschauen. Die Vorstellung aber, ganz ohne Verzögerung und Qualitätsverlust die eigenen Spiele auf unterschiedliche Geräte zu streamen, wirkt heutzutage nach wie vor absurd.

Zwar haben es einige Unternehmen wie Sony mit dem Service PlayStation Now bereits ausprobiert, die Skepsis über eine zu hohe Verzögerung nagt allerdings an der Massenkompatibilität. Dass die Technologie tatsächlich ohne merkliche Verzögerung und ohne Qualitätsverlust funktioniert, glauben nur die wenigsten. Auch ich hatte starke Zweifel – bis ich von dem Pariser Startup Blade eingeladen wurde, um mir ihr Projekt Shadow anzusehen.

Discover Shadow - UK Trailer.

Das Prinzip von Shadow ist simpel: Auf einer Server-Farm steht ein High-End-Rechner, in dem die neuste PC-Hardware steckt: Eine Geforce GTX 1080, ein Achtern-Prozessor von Xeon sowie 12 Gigabyte Arbeitsspeicher und Windows 10 als Betriebssystem. Auf deinem eigenen Rechner startest du die Shadow-App und verbindest den Rechner auf der Server-Farm mit einem Gerät deiner Wahl. Egal ob alter Laptop, Tablet oder sogar Smartphone: Alles was du brauchst ist ein Gerät mit einem Bildschirm und eine Internetverbindung von mindestens 15 Megabyte pro Sekunde – schon hast du Zugriff auf einen Gaming-Rechner mit genug Leistung für flüssiges 4K-Gaming!

In der Theorie klingt das alles wunderbar. Trotzdem dürften die meisten noch immer daran zweifeln, dass eine solche Technologie tatsächlich ohne merkliche Verzögerung funktioniert und auch ich hatte meine Bedenken. Um mich zu überzeugen, wurde im Pariser Büro deshalb einen Vergleichstest aufgebaut.

Zwei Rechner, auf jedem davon läuft Fortnite. Der Unterschied: Auf dem einen ist das Spiel lokal installiert, auf dem anderen läuft es über Shadow. Ich durfte auf beiden Geräten ausgiebig spielen und sollte abschließend meinen Tipp abgegeben, bei welchem der beiden es sich um Shadow gehandelt hat.

Ich musste zugeben: Einen Unterschied in der Performance oder eine Eingabe-Verzögerung konnte ich nicht feststellen. Auf beiden Rechnern lief das Spiel so problemlos, als sei es auf meinem Gaming-Rechner zuhause installiert. Der einzige Unterschied: Auf einem der beiden Rechner sah das Spiel etwas besser aus. Schärfte Texturen, bessere Kantenglättung. Die unvermeidbare Auflösung: Die Fortnite-Version, die besser aussah, lief über Shadow!

Anschließend hatte ich die Möglichkeit, mit CEO Emmanuel Freund zu sprechen, der mir stolz Rise of the Tomb Raider präsentierte. Dank Shadow konnte ich das Spiel nicht nur über den großen Büro-Fernseher, sondern auch über sein MacBook Pro und sogar sein Tablet spielen. Wechseln konnte er zwischen den Bildschirmen innerhalb weniger Sekunden. Und von Eingabe-Verzögerung keine Spur!

Wie mir die Entwickler hinter Shadow erklärten, entwickelten sie ein Kompressionsverfahren, das die Bildinformationen innerhalb von acht Millisekunden komprimieren und auf deinem System wieder entpacken kann. Zum Vergleich: Die gängige Verzögerung zwischen Tastenanschlag und Bildschirmanzeige auf einem lokalen PC beträgt etwa 40 Millisekunden. Für das menschliche Auge ist der zusätzliche Zeitaufwand also praktisch nicht wahrnehmbar. Eine revolutionäre Technik; nicht umsonst wurde Shadow im April 2018 in Paris zum französischen Startup des Jahres gewählt.

Der einzige, bisherige Nachteil von Shadow: Die Technik ist aktuell nur in Frankreich sowie Teilen von England und Kalifornien verfügbar. Das soll sich in den kommenden Monaten jedoch ändern. Ab Ende April können sich deutsche Interessenten für den Early-Bird-Launch anmelden und damit zu den Pionieren gehören, die die Technologie auch hierzulande auf Herz und Nieren testen dürfen.

Alle Informationen zu Shadow findest du auf der offiziellen Webseite. Nach der Early-Bird-Phase soll der Service schließlich noch in diesem Jahr offiziell starten. Wie in Frankreich wird der Service pro Monat 29,95 Euro kosten – also weniger als einen Euro pro Tag.

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