Spiele als Sündenbock: Die Killerspiel-Debatte erreicht die USA

Alexander Gehlsdorf

In Reaktion auf den Amoklauf von Parkland organisierte eine Schule in Florida einen Violent Video Game Toss, bei dem Schüler ihre vermeintlich schädlichen Videospiele entsorgen können. Eine ähnliche Aktion sorgte in Deutschland bereits 2009 für Kontroversen.

Am 14. Februar 2018 kamen bei einem Amoklauf an der Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida 17 Menschen ums Leben. Es war die mittlerweile achte Schießerei an einer US-amerikanischen Schule – allein im Jahr 2018. Während weite Teile der Bevölkerung die Schuld am kaum regulierten Zugang zu Schusswaffen sehen, hat Präsident Donald Trump einen anderen Sündenbock parat: Videospiele.

„Wir müssen auf das Internet achten, weil dort junge Kinder und ihre Gedanken in Berührung mit jeder Menge negativer Inhalte kommen, und wir müssen etwas dagegen tun, was sie dort sehen und wie sie es sehen. Und auch Videospiele. (…) Ich höre die Leute immer mehr sagen, dass das Gewalt-Level in Videospielen sehr stark die Gedanken von Leuten beeinflusst.

Wie das weiße Haus bekannt gab, will sich der Präsident am Donnerstag, dem 8. März 2018, mit Vertretern der Entertainment Software Association (ESA) treffen, um über den Einfluss von Videospielen auf Gewalttaten zu sprechen. Die ESA hingegen beruft sich auf Aussagen unterschiedlicher Behörden, die keinen Zusammenhang zwischen Medieninhalten und realer Gewalt festgestellt haben.

Dennoch scheinen Trumps Anschuldigungen bereits jetzt Früchte zu tragen. So organisierte die Cushman School in Miami, Florida einen Violent Video Game Toss, an dem die Schüler dazu aufgerufen wurden, ihre gewalthaltigen Spiele medienwirksam wegzuwerfen.

Interviews mit den Beteiligten legen nahe, dass es die Schüler selbst waren, die auf die Idee gekommen sind. „Wir wollten nach der Schießerei etwas verändern, deshalb haben wir beschlossen, eine Menge Leute zu versammeln und alle Spiele wegzuschmeißen“, erklärt einer der Schüler. Weiterhin verpflichteten sich die Schüler in selbst verfassten Gelöbnissen, nie wieder gewalthaltige Videospiele zu spielen.

Ob die Kampagne tatsächlich von den Schülern selbst initiiert wurde, sei dahingestellt; auch, wenn es mehr als ungewöhnlich ist, dass Jugendliche geschlossen und freiwillig auf ihre Spiele verzichten. Zu der Verfügbarkeit von Schusswaffen in den USA bezog die Kampagne übrigens keine Stellung.

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Videospielentsorgung nach deutschem Vorbild

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass nach einem Amoklauf an einer Schule dazu aufgerufen wurde, Videospiele wegzuwerfen. So organisierte das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden unter dem Motto „Familien gegen Killerspiele“ im Oktober 2009 eine Aktion vor der Stuttgarter Staatsoper, bei der die Menschen die Möglichkeit hatten, „Spiele, die das Töten von Menschen simulieren“, in einem Müllcontainer zu entsorgen.

Hintergrund war der Amoklauf an der Albertville-Realschule im März 2009, bei dem ein siebzehnjähriger 15 Menschen und schließlich sich selbst tötete. Das Aktionsbündnis wurde von Familienangehörigen der Opfer gegründet, die neben der öffentlichen Aktion zudem ein „Verbot von Killerspielen, die dazu dienen, Menschen zu ermoden“ forderten.

Kritisiert wurde die Aktion von einer gleichzeitig stattfindenden Gegendemonstration, die nicht nur die Kausalität zwischen Videospielen und realen Gewalttaten in Frage stellte, sondern eine Parallele zur Bücherverbrennung im Mai 1933 zog.

Tatsächlich wurden an diesem Tag insgesamt nur drei Spiele in den Container entsorgt: Def Jam: Fight for NY, GTA San Andreas und OpenArena. Letzteres wurde von Mitgliedern der Piratenpartei „entsorgt“, die der Aktion kritisch gegenüberstanden. Die Kopie von GTA San Andreas wurde darüber hinaus unter Anleitung eines ZDF-Kamerateams eingeworfen, wie ein späteres Video belegt.

Neben dem Beißreflex in Richtung der Killerspiele führte die Tragödie von Winnenden genauso wie der Amoklauf in Parkland allerdings auch zu einem Anstoß der öffentlichen Diskussion über Reformen des Waffenrechts. Eine tatsächliche Gesetzesänderung trat in Deutschland erst 2013 mit der EU-weiten Feuerwaffenverordnung in Kraft, die jedoch keine der konkreten Forderungen vier Jahre zurückliegender Diskussionen beinhaltete.

Dennoch teilte das Regierungspräsidium Stuttgart am dritten Jahrestag des Amoklaufs im März 2012 mit, dass die Zahl der registrierten Waffen in Baden-Württemberg um 15 Prozent gesunken sei – über die sogenannten Killerspiele hingegen wurde zu diesem Zeitpunk kaum noch diskutiert.

In den USA sind es derzeit ebenfalls die Hinterbliebenen und Überlebenden des Amoklaufs, die Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Bluttaten fordern. Anders als die Schuld bei Videospiele zu suchen, kritisieren sie diesmal aber direkt das Waffenrecht der USA und fordern Reformen.

Präsident Trump hingegen hält ein schärferes Waffenrecht für keine Lösung. Im Gegenteil: Sein Vorschlag besteht darin, Lehrkräfte an Schulen ebenfalls zu bewaffnen.

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