Wie Entwickler Achievements nutzen, um dein Spielverhalten zu überwachen

Alexander Gehlsdorf

Egal ob du sie liebst oder hasst, Achievements sind aus der Videospielkultur nicht mehr wegzudenken. Dabei wird vor allem viel darüber geredet, welchen Nutzen Spieler von den unterschiedlichen Trophäen haben. Genauso spannend ist jedoch die Frage, was Entwickler mit den zahlreichen, gesammelten Daten anfangen können.

GamerScore und Platin-Trophäen haben Videospiele verändert. Einerseits führen sie dazu, dass einige Spiele enorm an Wiederspielwert gewinnen, da es durchaus Spieler gibt, die wirklich jedes Collectible sammeln und jeden Schwierigkeitsgrad bezwingen möchten, um ihr Profil mit der seltenen Trophäe zu schmücken.

Andererseits inspirieren besonders kreative Achievements auch alternative Herangehensweisen, etwa wenn dich ein Shooter dafür belohnt, ein Level nur mit einem Messer oder gar ganz ohne Kills abzuschließen. In Half-Life 2: Episode 2 etwa wartet ein Achievement auf dich, wenn es dir gelingt, einen Gartenzwerg durch das gesamte Spiel zu tragen und am Schluss in eine Rakete zu setzen.

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Die 9 kreativsten Achievements aller Zeiten.

Wie sich Achievements auf das Verhalten von Spielern auswirken und welche psychologischen Mechanismen hinter ihnen stecken, wurde mittlerweile sogar wissenschaftlich untersucht, etwa in einer Dissertation der University of Central Florida.

Demgegenüber kennt aber auch jeder die Achievements, die sich offenbar ganz von alleine freischalten. „Schließe Kapitel Eins ab“, „Besiege 50 Gegner mit der Schrotflinte“ oder „Absolviere 20 Nebenquests.Welchem Spieler sollen diese denn etwas nützen? Ganz einfach: Keinem. Für die Entwickler hingegen sind genau diese Achievements von enormen Wert.

Achievements verraten, was die Spieler am häufigsten machen

Früher hatten es Entwickler schwer, umfassendes Feedback ihrer Spieler zu erhalten. Damals erlaubten vor allem Fragebögen das Sammeln von Interessen, Kritik und Vorlieben – eine Praxis, die unter anderem von Nintendo bis heute noch verfolgt wird. Das Problem daran, so absurd es auch klingt: Spieler wissen nicht immer, was sie wirklich wollen.

Hätte ich die Leute gefragt was sie wollen, hätten sie nach schnelleren Pferden verlangt“, sagte angeblich Henry Ford, der mit dem Automobil die Welt veränderte. Die direkte Befragung einer Zielgruppe führt also nicht zwingend zu sinnvollen Ergebnissen. Im digitalen Zeitalter stehen hingegen völlig neue Möglichkeiten offen, das Verhalten der Spieler zu analysieren – und dazu gehören auch Achievements.

Zu diesem Schluss kam auch der YouTuber SJ Webster, der in seinem Video die unterschiedlichen Arten von Achievements analysierte und dabei ebenfalls den Stellenwert der Datenauswertung betont.

Eines seiner Beispiele: Entwickler könnten feststellen, dass weniger als die Hälfte der Spieler das finale Spielkapitel beendeten. Wäre es für das Team unter Berücksichtigung dieser Information sinnvoll, in ihrem nächsten Projekt einen wesentlich Teil der Ressourcen einem gigantischen Dungeon mitsamt Endgegner zu widmen, wohl wissend, dass weniger als die Hälfte der Spieler diesen je zu Gesicht bekommen werden? Oder wäre es sinnvoller, derartige Highlights bereits in der ersten Spielhälfte einzusetzen und die Spieler somit potentiell länger bei der Stange zu halten?

Achievements verraten aber nicht, was Spieler am liebsten machen

Ein anderes Beispiel: Eine Auswertung der erlangten Achievements könnte ergeben, dass die meisten Spieler in einem Online-Shooter sehr große Entfernungen zu Fuß zurücklegen und die meisten Kills mit der Schrotflinte erzielen. Die Frage ist, was die Entwickler mit diesen Informationen anfangen und welche Schlüsse sie ziehen.

  • Handelt es sich bei den Ergebnissen um den beliebtesten Spielstil, sodass es sinnvoll ist, per DLC mehr Karten anzubieten, die viel Bewegungsfreiraum und Schrotflinten-Gefechte über kurze Distanzen ermöglichen?

oder

  • War das bisherige Level-Design dafür verantwortlich, dass die meisten Spieler zur Schrotflinte griffen, da diese die höchsten Gewinnchancen versprach und es jetzt die Aufgabe der Entwickler ist, neue Karten zu kreieren in denen alternative Spielstile gefördert werden?

Genau das ist die Herausforderung, vor der Entwickler immer wieder stehen. Achievements versorgen Entwickler zwar mit nahezu unendlichen Daten, diese sinnvoll zu analysieren und anschließend die korrekten Schlüsse daraus zu ziehen, kann kein Automatismus ersetzen.

Die cleversten Tricks der Entwickler sind für den Spieler häufig komplett unsichtbar:

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Diese 13 Tricks haben Entwickler in Spielen versteckt.

Das Spannende daran ist jedoch, dass auch du dich an diesem Gedankenspiel problemlos beteiligen kannst: Globale Achievements sind in den meisten Fällen öffentlich einsehbar, so verrät etwa Steam ohne große Umwege, welcher Prozentsatz der Spieler welche Achievements bereits absolviert hat.

Sieh dich dort doch einfach mal bei einem Spiel deiner Wahl um! Wie viele Spieler haben das erste Kapitel absolviert? Wie viele hingegen das letzte? Welche Waffe wird am häufigsten verwendet und welches Feature offenbar komplett ignoriert? Vielleicht fallen dir ja gute Gründe für dieses Verhalten ein und möglicherweise hilft es dir dabei zu verstehen, welche Entscheidungen in die Entwicklung von Nachfolgern und DLCs geflossen sind. Wenn auch dir ein spannender Zusammenhang in diesem Bereich auffällt, dann schreib ihn uns doch in die Kommentare, wir sind auf deine Ergebnisse gespannt!

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