Wir sind Schuld an Lootboxen und Mikrotransaktionen [Kolumne]

Alexander Gehlsdorf 2

Mikrotransaktionen und Lootboxen ruinieren die Spiele-Industrie und Schuld ist die Gier der Entwickler! Oder ist es vielleicht unsere eigene Gier nach billigen Spielen?

Aktueller Brennpunkt der Loot-Box-Debatte: Star Wars Battlefront 2

Star Wars Battlefront 2 - Launch Trailer.

DLCs, Season Pass, Mikrotransaktionen und schließlich auch Loot-Boxen. Entwickler und Publisher finden jedes Jahr neue Wege, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein Teil des Problems sind wir allerdings selbst.

Zugegeben gibt es ohne Frage diverse Kandidaten, deren Finanzierungsmodelle nichts anderes sind als die pure Gier nach nach maximalem Profit, beziehungsweise dem Profit ihrer Investoren. Bei einem Kaufpreis von 60 Euro pro Exemplar und einer der stärksten und erfolgreichsten Marken aller Zeiten auf dem Cover sollte Electronic Arts mit Star Wars: Battlefront 2 etwa keine Probleme haben, die Entwicklungskosten wieder einzuspielen, ohne dafür auf Mikrotransaktionen angewiesen zu sein.

Tom Clancy's Rainbow Six® Siege

Wie viele Spiele kaufst du aber zum Vollpreis von 60 Euro? Die Allgegenwärtigkeit von Steam-Sales, Rabatten im PlayStation-Store und Humble-Bundles hat uns schon vor Jahren dazu konditioniert, dass Spiele in kürzester Zeit im Preis sinken. So wird aktuell etwa die Starter Edition von Rainbow Six: Siege zum Sparpreis von 7,49 Euro angeboten. Ein Spiel, das zum Release vor weniger als zwei Jahren noch um die 60 Euro verlangte.

Warum aber dieser drastische Preissturz? Rainbow Six: Siege ist noch immer enorm populär und in den Top 10 der Steam-Charts vertreten. Warum einen derart wertigen Titel so einfach verramschen? Weil der ursprüngliche Kaufpreis schon lange nicht mehr die Haupteinnahmequelle darstellt. Wer auf der dazugehörigen Steam-Seite etwas tiefer scrollt, sieht, welche DLCs zu Rainbow Six: Siege angeboten werden.

RainbowSixSiege_DLC

Wer alle DLCs erwerben will, zahlt mehr als 300 Euro. Ubisoft hat zuletzt vermeldet, dass sie mittlerweile mehr Umsätze durch digitale Spielinhalte, als durch reine Verkäufe des Hauptspiels generieren. Insofern ist beinahe ertragreicher, ein Spiel für deutlich weniger Geld zu verkaufen, da auf diesem Weg wesentlich mehr potentielle Käufer für die eigentliche Einnahmequelle gewonnen werden können: Mikrotransaktionen.

DLCs und Mikrotransaktionen können teils absurde Ausmaße annehmen:

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Die teuersten Sachen, die du auf Steam kaufen kannst.

Zweifellos gibt es zahlreiche Spieler, die sich sagen „Kein Problem, die Zusatzinhalte sind mir egal, hauptsache ich bekomme für wenig Geld ein tolles Spiel“, und das mag auch stimmen, allerdings verstärkt diese Sichtweise immer weiter die Annahme, dass AAA-Spiele unter 10 Euro selbstverständlich sind.

Prey
Entwickler: Arkane Studios
Preis: 29,99 €

Allerdings gibt es zahlreiche Spiele, die eben nicht auf DLCs und Mikrotransaktionen, sondern stattdessen auf den „guten, alten“ Verkaufspreis setzen. Prey zum Beispiel kostet mittlerweile regulär nur noch 39,99 Euro, wurde aber im Sale bereits für gerade einmal 23,99 Euro angeboten. Ein Spiel, das im Mai 2017 erschienen und mittlerweile bereits um etwa 60 Prozent im Wert gesunken ist. Und wer von euch — in dem Wissen, dass das Spiel bereits schon einmal für 23,99 Euro angeboten wurde — würde sich jetzt noch das Spiel für 39,99 Euro kaufen, wenn der nächste Sale mit Sicherheit nur noch wenige Wochen entfernt ist? Wurde ein Spiel einmal im Preis gesenkt, verliert auch der „reguläre“ Preis an Beduetung und die Spirale dreht sich immer weiter abwärts.

Hellblade: Senua's Sacrifice
Entwickler: Ninja Theory
Preis: 29,99 €

Wenn gelungene Singleplayer-Abenteuer wie Prey, die auf Mikrotransaktionen und andere Formen der nachträglichen Monetarisierung verzichten, erfolgreich sein sollen, muss auch bei den Spielern wieder das Bewusstsein geweckt werden, welchen Wert Spiele besitzen. Ein positives Beispiel ist Hellblade: Senua’s Sacrifice. Der Geheimtipp trägt von Haus aus nur einen Kaufpreis von 29,99 Euro, hat diesen bisher aber auch vorbildlich verteidigt und nie an einem Sale teilgenommen. Ich hoffe, dass dies auch während der obligatorischen Weihnachts-Sales so bleiben wird.

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