Virtual Reality: Sorgt die Pornoindustrie erneut für den Durchbruch einer neuen Technik?

Sandro Kreitlow

Die Pornoindustrie sieht sich seit jeher als Wegbereiter technologischer Entwicklungen. Nun wird die erste Porno-exklusive VR-Brille auf den Markt gebracht. Schafft die Pornoindustrie den endgütligen Durchbruch von Virtual Reality

The VRotica Headset.

Was wäre die Welt wohl ohne die Pornoindustrie? Immer wieder hat sie Wege freigelegt, auf denen die Technikbranche dann zum Erfolg gelangt ist. Mit dem VRotica Headset kommt nun eine VR-Brille auf den Markt, die gegenüber HTC Vive, Oculus Rift und PlayStation VR kaum an Technik einbüßen muss. Ausgestattet wird sie nicht mit einem Smartphone, stattdessen schließt du das VRotica Headset relativ einfach an einen Rechner an. Das Porno-exklusive Headset erscheint in den USA für 220 Dollar, ein europäischer Release steht noch nicht fest. Doch es könnte die neue VR-Brille sein, die dafür sorgt, dass die Technik erschwinglicher wird und sich als Erfolg in der Unterhaltungsindustrie herausstellt. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass die Pornoindustrie neue Techniken etabliert:

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11 Probleme, mit denen VR auch heute noch zu kämpfen hat

Danke für Super 8-Kameras

Billige Kameras hatten gewaltige Auswirkungen auf die Pornindustrie. Die Pornobranche benötigte dafür einfach zu handhabende Kameras. Und die Technikindustrie lieferte! 1965 führte Kodak das Schmalfilm-Format Super 8 ein. Menschen ohne Kameraausbildung konnten plötzlich selbst Filme drehen und sie über Projektoren abspielen. Die Auswirkungen auf die Pornoindustrie waren gewaltig. Nun gab es auch Filme für zu Hause. Der Film Deep Throat spielte rasch ein Vielfaches seiner Produktionskosten von 47 500 Dollar ein. Innerhalb von einem halben Jahr konnten drei Millionen Dollar eingenommen werden, den vorsichtigen Schätzungen zufolge bis heute mehr als 100 Millionen Dollar.

Virtual Reality - Fluch oder Segen?*

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Danke für VHS

Sony hatte mit Betamax ein neues Video-Format entwickelt, das dem Konkurrenzprodukt (VHS) von JVC qualitativ überlegen war: bessere Auflösung, besserer Ton, stabileres Bild. Es gab jedoch im Gegensatz zu den deutlich längeren VHS-Bändern zunächst nur Ein-Stunden-Kassetten. Vor allem aber erlaubte Sony nicht, dass pornografische Inhalte auf seinem Betamax-Format aufgezeichnet wurden - was sich als riesiger Fehler herausstellte. Der erste Porno auf einer Kaufkassette erschien schon ein Jahr vor dem ersten Hollywood-Film. Videotheken richteten ihr Angebot schnell auf das Format mit der weitesten Verbreitung aus - im Jahr 1986 hatte VHS einen Marktanteil von 93 Prozent. Sony hatte klar verloren.

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Danke für Blu-Ray

Einen weiteren wichtigen Part nahm die Pornoindustrie in der Etablierung von Blu-Ray ein. Lange war nicht klar, ob die Zukunft von audiovisuellen Inhalten HD-DVD oder Blu-Ray heißt. Die großen Hollywood-Studios waren zunächst geteilt. Universal, Paramount und Warner Bros waren bei HD-DVD. Columbia, Walt Disney und 20th Century Fox hingegen auf Seiten der Blu-Ray. Die Pornoindustrie bevorzugte aufgrund der höheren Speicherkapazität die Blu-Ray-Technologie. Sony stattete die PlayStation 3 gleich mit einem Blu-Ray-Player aus. In der Videotheken-Kette Blockbuster und in den Kaufhaus-Ketten Target und Walmart wurde vermehrt auf Blu-Ray gesetzt. Im Februar 2008 war der Kampf damit entschieden.

Exit VR: Das nächste Level der Virtual Reality*

Übrigens setzte die Pornoindustrie auch sehr früh schon auf das Internet. Bereits 1994 stellte das niederländische Unternehmen Red Light District die ersten Pornos im Motion-Jpeg-Format zur Verfügung. Der Nachrichtensender CNN folgte erst ein Jahr, die Streaming-Plattform YouTube sogar erst elf Jahre später. Heutzutage sucht die Technikbranche nach einer Möglichkeit, Virtual Reality massentauglich zu machen. In Branchen wie der Medizin ist die neue Technik schon ein fester Bestandteil, Sony kann mit mehr als eine Million verkauften Exemplaren Erfolge der PlayStation VR feiern, doch Entwickler scheinen an ihre Grenzen zu stoßen: zu viel Gefahr für Motion Sickness, zu wenig langfristige Spielkonzepte, zu wenig Wahrnehmung der Casual-Spielgemeinde. Bis 2020 sollen mehr als 76 Millionen VR-Headsets verkauft werden. Wenn diese Zahl erreicht werden kann, dann nur dank der Pornoindustrie.

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