Wilson's Heart: So wichtig ist Atmosphäre in Virtual Reality

Sandro Kreitlow

Robert Wilson hat sein Herz verloren. Oder hatte er nie eines? Zumindest ist da, wo einst sein Herz war, ein mysteriöses Gerät. Warum das so ist, weiß weder Robert Wilson selbst, noch Du. Das soll nicht so bleiben. Der kommende Oculus-Titel Wilson’s Heart beweist, wie wichtig Atmosphäre in guten Virtual Reality-Spielen ist. 

Wilson's Heart - Trailer.

Donnerndes Gewitter weckt mich auf. Armfesseln ketten mich fest, ehe ich die Schlüssel entferne, um mich zu befreien. Regen plätschert auf den Boden, denn Fenster und Mauern sind schon längst eingerissen. Was hat mich hier hergebracht? Die kurze Helligkeit der Blitze führt mich durch die Nervenheilanstalt, ehe ich meinem Spiegelbild gegenüberstehe und die mysteriösen Saugnäpfe an meinem Kopf entferne. Auf der Suche nach Medizin entdecke ich im Spiegelkasten einen Schlüssel, der mich auf einen neuen Gang mit neuen Räumen bringt. Vorbei an einem Porträt-Gemälde eines Chirurgen entdecke ich ein riesiges Loch in der Decke dieser grauen Anstalt. Plötzlich schreit eine Frau nach Hilfe. Doch ich kann ihr nicht helfen. Jemand packt sie und läuft mit ihr davon.

Ted, bist Du es?

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Die geheimnisvolle Stimmung der virtuellen Welt entwickelt sich schnell zu einem unwohlen Gefühl meines echten Körpers - jedoch im positiven Sinne. Denn Motion Sickness spielt in Wilson’s Heart keine Rolle. Per Stick-Taste auf einem der beiden Oculus Touch-Controller wird in die Richtung gebeamt, in die Du schaust. Dafür sind ausgewählte, vorgegebene Plätze in Form von menschlichen Silhouetten markiert, freie Bewegung findet also nicht statt. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen ist Wilson’s Heart wohl einer der angenehmsten VR-Titel, die bisher erschienen sind. Es gilt, neue Hinweise oder Gegenstände zu entdecken, um die Handlung voranzutreiben. So müssen beispielsweise Schlüssel gefunden werden, um neue Wege zu gehen. Ein Vorteil: Wilson’s Heart umgeht hektische Bewegungen, in denen Dir schlecht werden könnte.

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Nach den okkultistischen Zeichnungen stoße ich auf elektrische Kabel, die Feuer fangen und mir so den Weg versperren, woraufhin ich den Feuerlöscher nehme, um voranzukommen. Ein mysteriöses Gemälde zeigt ein kleines Mädchen, neben ihr einen Teddybären, der sie dank eines Hockers auf gleicher Höhe betrachtet und an Ted, dem frechen Freund von Mark Wahlberg erinnert. Mit dem gerade erst gefundenen Hammer zerschlage ich das Schloss der nächsten Tür, hinter der sich gleich mehrere offene Tresortüren befinden. Ich schließe sie. Es wird dunkel. Als ich das Licht wieder anknipse, hängt ein Mann direkt vor mir aufgespießt an der Wand. Es ist der Chirurg. Hier läuft gewaltig etwas schief! Ich verlasse den Raum, werde dabei nahezu bewusstlos, ehe mich eine Krankenschwester auffängt. Sie glaubt mir kein Wort. Plötzlich steigt jener Teddybär ihren Nacken empor, der zuvor mit dem Mädchen auf dem Gemälde zu sehen war. Was zur Hölle?

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Atmosphäre über alles

In der Virtual Reality gab es bisher selten eine so dichte Atmosphäre. Unterstützt wird diese vom wunderbaren Film-Noir-Stil, der Dich direkt in Deinen Bann zieht. Untermalt wird das Geschehen von den Klängen des Komponisten Christopher Young (Hellraiser, Spider-Man 3, Drag Me To Hell). Darüber hinaus sind im englischen Original die Stimmen von Alfred Molina, Rosario Dawson und Peter Weller (als Robert Wilson) zu hören - Welch ein Aufwand!

Virtual Reality - Fluch oder Segen? *

Keine Chance - Die Krankenschwester ist vor dem skrupellosen, furchteinflößenden Teddybären nicht zu retten - Ihr Schatten hinter einem Tresen verrät mir, dass er sie zerfleischt. Auf der anderen Seite des Ganges versuche ich, den richtigen Schlüssel vom Schlüsselband zu nehmen, um die Tür zu öffnen. Ich treffe auf eine weitere Krankenschwester. Auch sie glaubt mir nicht, ehe sie zum nächsten Opfer des Teddybären wird. Er reißt sie aus dem Fenster, durch einen Pfahl wird sie aufgespießt.

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Angenehmes Rätseln

Bei einer weiteren Mission spielt Wilson’s Heart mit Deiner Wahrnehmung.

In einer Weichzelle sind verschiedene Türen, eine von ihnen bewegt sich frei im Raum, ehe sie sich zur Decke transportiert. Wie soll ich jemals da rankommen? Wo ist oben? Wo ist unten?

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Im Gang zwischen der Weichzelle und einem Kontrollraum entdecke ich ein weiteres Gemälde. Es ist voller Blumen, doch auch hier scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Verdammt! Der Teddybär! Er hat es nun auf mich abgesehen. Im Gemälde öffnet sich ein Portal, in das ich den Teddybären zurückdränge, um ihn mithilfe des Feuers, das als Lampe dient, verbrenne - Endlich erledigt. Ein Arzt sitzt im Kontrollraum der Weichzelle. Tot. Zumindest finde ich hier eine Brechstange, mit der ich die Bretter einer Weichzellen-Tür entferne. Der Raum lässt sich in jede Richtung drehen. Nach mehrmaligem Hin und Her zerschlage ich Sicherheitskästen, um den Stromaggregator der anderen Wand zu trennen - Ein neuer Weg.

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Spaßiges VR-Kampfsystem

Im ambitionierten Oculus-Titel wird allerdings nicht nur gerätselt, sondern auch gekämpft.

Angekommen in einem Kellerraum, stellt sich mir ein Gegner mit Gasmaske in den Weg. Ich weiß mich mit Schlägen zu wehren, aber auch er weiß mit seinen Fäusten umzugehen. Also muss auch ich Boxer-klassisch in die Verteidigungshaltung gehen, ehe ich ihn kontere. Faustschläge scheinen ihm nichts wirklich auszumachen. Er ändert seine Taktik: Mir kommen Granaten entgegen, die ich fange und zurückwerfe. Doch auch sie schaden meinem Gegner nicht wirklich. Es gibt nur eine Möglichkeit, ihn auszulöschen: Ich ziehe jegliche Zünder der Granaten auf seinem Rücken - Das war’s.

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Der Boxkampf in Virtual Reality funktioniert erstaunlich gut. Aber auch das Fangen der Granaten ist sehr genau. Selbst im zweiten Nachgreifen kann die Granate noch gefangen werden. Dieses Kampfsystem ist jedoch nicht alles. In einer späteren Mission gilt es, anlaufende Kreaturen abzuwerfen - hier jedoch nicht mit Granaten, sondern mit dem mysteriösen Gerät, das Wilsons Herz ersetzt. Der Maschinen-Ball wird in Richtung der Gegner geworfen und kann leicht gelenkt werden, sodass gleich mehrere Gegner getroffen werden können.

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In einem anderen Fall bringt diese Fähigkeit nichts, als ein widerliches Monster die Badewanne übernimmt. Mithilfe eines Schraubenziehers befreit sich Wilson von den Fängen des Monsters. Um es zu erledigen, hilft nur eine Batterie, die aufgedreht und vom Monster aufgenommen wird.

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Das Gegnerdesign erinnert in den ersten Schritten von Wilson’s Heart sehr an Silent Hill. Gepaart mit dem Film-Noir-Stil entsteht ein bedrohliches Gefühl, das Dir aber nie - und das ist wichtig in Virtual Reality - das Gefühl gibt, hilflos verloren zu sein. Der Spielablauf ist dadurch zwar geradlinig und öffnet nicht allzu viele Möglichkeiten, mit Gegenständen zu interagieren, doch mithilfe von Comics, Büchern und anderen Dingen werden ganz nach Adventure-Manier immer mehr Hinweise und Hintergründe aufgedeckt, wodurch Du motiviert wirst.

In der Virtual Reality-Steuerung beruht sich Wilson’s Heart auf bereits etablierte Ansätze, gestaltet diese in der mysteriösen Spielwelt jedoch ziemlich kreativ. Es bleibt zu hoffen, dass sich das komplette Spiel nicht nur auf die Spielmechaniken der Demo beschränkt, sondern noch weitere hinzukommen. Die Stärke von Wilson’s Heart ist allerdings definitiv das Gefühl, vor Ort zu sein, was durch die stimmige Atmosphäre erzielt wird. Dabei ist das neue Spiel von Twisted Pixel VR-einsteigerfreundlich, kommt so gut wie ohne schockierende (und für viele abschreckende) Jumpscare aus, sondern setzt vielmehr auf eine Story mit gruseligem Psychothriller-Flair. Wilson’s Heart wird nicht weniger als ein ganz großer Titel für die Oculus Rift sein.

Wilson’s Heart erscheint am 25. April für die Oculus Rift. Oculus Touch wird vorausgesetzt.

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