Es gibt Frauen in Battlefield 5 – und das Internet steht mal wieder Kopf

Lisa Fleischer 9

Eigentlich hätte heute ein wunderschöner Tag werden können. Die Sonne scheint in Berlin, die Vorfreude auf die E3 2018 steigt mit jedem Tag und Battlefield 5 wurde endlich offiziell angekündigt. Doch wie immer kommt mir das Internet in die Quere. Du hast den Ankündigungs-Trailer von Battlefield 5 verpasst? Hier kannst du ihn nachholen.

Battlefield 5 - Reveal Trailer.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

Man könnte sich an so vielem in Battlefield stören: In Vergangenheit war die Shooter-Serie unter anderem immer wieder durch unschöne Glitches aufgefallen und wie so viele Spiele von Electronic Arts brauchtest du zudem stets einen kostenpflichtigen Season Pass, um auf wirklich alle Inhalte zugreifen zu können. Shooter-Fans scheinen sich daran allerdings nicht zu stören, der letzte Teil Battlefield 1 war trotz allem ein voller Erfolg, der erste Trailer ging quasi durch die Decke.

Stattdessen stören sie sich viel lieber an Neuem: Der Trailer von Battlefield 5 erschien vor kurzem und er besitzt doch tatsächlich die Frechheit, Frauen zu zeigen. Und nicht nur das: Auf dem Cover des Spiels ist tatsächlich auch eine Frau. Vergiss abgerissene Gliedmaßen, offene Wunden und kläglich schreiende Soldaten. Der wahre Schrecken des Krieges sind … Frauen?! Scheint so, wie einige Tweets wunderbar beweisen. Es gibt inzwischen sogar schon einen trendenden Hashtag auf Twitter, unter dem Shooter-Fans ihrer Angst Luft machen: #NotMyBattlefield.

 

Was wollen die eigentlich?

Natürlich ist das nicht neu: Seit weibliche Figuren zunehmend Einzug in Videospiele halten, beschweren sich einige männliche Spieler darüber. Inzwischen haben sie schon eine ganze Armada an Argumenten, die vermeintlich gegen weibliche Charaktere sprechen. Unrealistisch sei es, dass Frauen kämpfen, vor allem in Spielen, die sich an historischen Ereignissen orientieren, seien sie fehl am Platz. Fast wirkt es so, als seien die Kritiker der Auffassung, Frauen hätte es bis in die 2000er-Jahre gar nicht gegeben – also so generell.

Jetzt aber wäre die Zeit der politischen Korrektheit und deshalb würden Publisher reihenweise „andere“ Menschen – Frauen, People of Color – in Spiele integrieren, die da gar nicht rein gehören. Sie wollen damit … ja, was wollen sie damit eigentlich? So richtig wissen das die sich beschwerenden Spieler auch nicht, aber irgendwas muss ja dran sein, vielleicht werden sie von der Politik geschmiert. Viele riechen eine riesige Verschwörung – gegen was auch immer ihnen gerade in den Sinn kommt.

Frauen in Spielen: Historisch nicht korrekt und deshalb fehl am Platz?

Frauen in Shootern: Historisch falsch?

Ganz vorne dran bei solchen „Argumenten“: Mit Frauen in einem Spiel über den zweiten Weltkrieg würden sich die Entwickler nicht an die „wahren Geschehnisse“ halten. Lassen wir mal bei Seite, dass schon ein altes Sprichwort besagt, dass die Wahrheit stets im Auge des Betrachters liegt und gehen gleich über zu den harten Fakten. Wie Twitter-Nutzer CrispyCat012 richtig recherchiert hat, arbeiteten zur Zeit des 2. Weltkriegs 350.000 Frauen in der US-Armee, 100.000 Frauen dienten in Groß Britannien und in der UdSSR waren sogar 473.000 Frauen im Militär beschäftigt.

Natürlich stimmt es, dass die meisten dieser Frauen passiven Tätigkeiten im Militär nachgingen, sie kümmerten sich um die medizinische Versorgung, waren Mechanikerinnen und Ingenieurinnen, fuhren aber auch Panzer, entsicherten Granaten und verfolgten Flugzeuge. Nur selten durften Frauen wirklich Seite an Seite mit Männern kämpfen, in der Geschichte gab es dafür aber zahlreiche Frauen, denen es gelang, ihr Geschlecht zu verstecken – und die trotz Widerwillen zahlreiche Männer ganz vorne mit dabei waren.

Ganz besonders tat sich die russische Soldatin Lyudmila Pavlichenko hervor, die auch Lady Death genannt wurde und als beste weibliche Sniper-Schützin gilt. Im zweiten Weltkrieg konnte sie ganze 309 gegnerische Soldaten zur Strecke bringen – eine unglaubliche Leistung.

Insofern ist Battlefield 5 also sogar historisch korrekter als manch anderes Spiel: Auch, wenn sie nicht die Regel, sondern die Ausnahme waren, gab es sehr wohl kämpfende Frauen, die nicht warteten, bis ein Mann sie heroisch aus ihrer bitteren Lage befreite, sondern selbst zur Freiheitskämpferin wurden. Im Battlefield 5-Trailer ist das genau eine einzige Frau – umgeben von zahlreichen Männern. Ist das so schwer zu akzeptieren?

Ein weiteres Argument der Hater ist, dass die Frau an sich ja gar nicht so sehr stört, dafür aber ihr „Roboter-Arm“. Solche Prothesen gibt es ja auch erst seit dem 20. Jahrhundert … vor Christus, wie Wikipedia beweist. Nächstes Mal: Erst informieren, dann haten!

Wer sich bei Battlefield 5 ernsthaft über fehlende historische Korrektheit aufregen möchte, der bekommt an ganz anderen Stellen genügend Futter: Blaue Kriegsbemalung? Umgebungen, die es in dieser Anordnung im 2. Weltkrieg niemals gab? Kämpfer, die den Sprung aus dem obersten Stocks eines Hauses ohne Kratzer überleben? Und im Spiel selbst dann Soldaten namens xX_yourmotherisaslut_Xx, die sich innerhalb von Sekunden von schweren Schusswunden erholen und ohne Übung schwerste Waffen mit einer unglaublichen Präzision abfeuern? Das schreit gerade zu nach Protesten. Aber nein, viel lieber wird sich mal wieder über Frauen in Spielen aufgeregt.

Jedem das perfekte Spielerlebnis – endlich!

Dabei müsste diese ganze Diskussion über historische Korrektheit, die ganzen Hate-Kommentare unter dem Trailer und auf Twitter gar nicht sein. Denn wie wir schon aus zahlreichen Battlefield- und anderen Shooter-Teilen wissen, wollen die Entwickler meist gar nicht komplett historisch akkurat abbilden, wie welcher Krieg genau abgelaufen ist (dafür gibt es schließlich Geschichtsbücher), sondern den bestmöglichen Spielspaß für so viele Spieler wie möglich bieten. Und dabei betrachtet Entwickler Dice offenbar endlich nicht nur die männliche, weiße Spielerschaft, sondern wirklich alle Gamer.

Frauen, die Shooter spielen: Es gibt sie tatsächlich!

So erklärte Dice während des Live-Streams, in dem Battlefield 5 vorgestellt wurde, dass alle dich begleitenden Charaktere im Spiel von dir selbst gestaltet werden können. Unter anderem kannst du ihr Geschlecht, ihre Abstammung, ihre Gesichtsbemalung und Kleidung deinen Vorstellungen anpassen.

Ein großer Schritt nach vorne! Schließlich boten Shooter bislang hauptsächlich männliche Begleitpersonen, Frauen bekamen nur selten und wenn, dann in futuristischen Szenarien Identifikationsfiguren geboten. In Battlefield 5 ist es erstmals möglich, dir mit einer komplett weiblichen Company den Weg durch den zweiten Weltkrieg zu bahnen – ob historisch korrekt oder nicht, Hauptsache es macht Spaß!

Alle, die das aus welchen Gründen auch immer doof finden und beim Alten bleiben wollen, können sich auf der anderen Seite eine komplett männliche Armada erstellen, ganz ohne Kriegsbemalung und Prothesen. Es kann so einfach sein – wie sich zeigt, ist all die Aufregung vollkommen umsonst.

Frauen in Shootern: Kein bisschen neu

Was man Battlefield 5 nun noch vorwerfen könnte, ist, dass ihre Idee, Frauen in einen Shooter zu packen, der im 2. Weltkrieg spielt, gar nicht so neu ist. Wie Twitter-Nutzer Retroed beweist, veröffentlichte Electronic Arts schon 2000 Medal of Honor: Underground – das ebenfalls eine Frau auf dem Cover hatte. Kämpfende Frauen gab es also schon damals – sowohl in der Realität als auch in Spielen. Was es hingegen noch nicht in der heutigen Form gab, waren die ganzen Trolle und Hater, die inzwischen das Internet überfluten.

Du liebst Shooter aller Art? Dann solltest du diese Meilensteine der Shooter-Geschichte nicht verpasst haben:

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Wie findest du es, dass dir in Battlefield 5 Frauen über den Weg laufen können? Hast du dich darüber auch so sehr aufgeregt wie manch anderer im Internet oder findest du den ersten Trailer des Spiels eigentlich gar nicht so schlecht?

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