Facebook, Google und Co. machen sich stark für zockende Frauen

Lisa Fleischer

Fast die Hälfte aller Gamer sind weiblich. Trotzdem arbeiten nur 23 Prozent Frauen in der Games-Branche. Damit sich das in Zukunft ändert, machen sich Unternehmen wie Facebook und Google gerade stark für weibliche Gamer. 

Googles Kampagne Change the Game läuft schon seit Ende letzten Jahres. Ihre Botschaft: Egal, wie du bist, du kannst Teil des Spiels sein.

Google Play – Change the Game.
„Mädchen können nicht spielen!“, „Shooter sind nur was für Jungs!“ oder „Bügeleisen-Level: Mädchen gehören eher in die Küche!“ – Das sind nur einige Wenige Klischees, die über weibliche Spieler kursieren. Und genau mit diesen Klischees – und allen anderen Themen – setzt sich unsere Artikel-Serie Vorsicht, Klische…! in schöner Regelmäßigkeit auseinander.

Zum Internationalen Frauentag lassen sich Unternehmen in der Regel lustige Engagements einfallen, getreu dem Motto „genau wie du bist, bist du – als Frau – richtig“. So positiv diese Selbstbewusstsein steigernde Sprüche auch sind, so wenig zielführend sind sie. Natürlich sollte Mann wie Frau im besten Fall akzeptiert haben, dass Frau-sein nicht schlechter als Mann-sein ist. Mindestens genauso wichtig ist es aber, zu lernen, dass genau das zumindest in Bildung und Beruf erst gar keine Rolle spielen sollte.

Genau dafür machen sich Silicon Valley und die Gaming-Branche aktuell stark. Sie setzen damit ein wichtiges Zeichen für Frauen, die sich für Technik und Unterhaltungselektronik interessieren, bislang jedoch noch nicht den Schritt in die Branche gewagt haben.

Facebook startet Kampagne „Women in Gaming“

„Spiele sind eines der besten Beispiele dafür, wie sich Menschen durch ihre Interessen miteinander verbinden und Frauen spielen in dieser Industrie eine enorm wichtige Rolle“, sagt Sharyl Sandberg, COO von Facebook, in ihrem Video zur Kampagne Women in Gaming. Nicht nur sind fast die Hälfte aller Gamer Frauen, bei einigen Spiele bilden weibliche Gamer sogar die überwiegende Mehrheit.

Kein Wunder, dass weibliche Charaktere auf dem Vormarsch sind, Sharyl nennt mit Aloy aus Horizon Zero Dawn, Tracer aus Overwatch sowie Chloe und Nadine aus Uncharted: The Lost Legacy nur einige neue Beispiele – Spiele sind schon jetzt mehr und mehr divers. Hinter solchen Spielen stecken oftmals nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen.

2018: Ist die Zeit der starken Frauen in Spielen schon wieder vorbei?

Und doch sind sie bislang unterrepräsentiert in der noch jungen Branche: Nur 23 Prozent der Belegschaft im Games-Bereich ist weiblich – farbige Frauen gibt es sogar noch weniger. Außerdem gibt es immer noch zahlreiche Vorurteile, die Frauen in der Branche wie in so vielen anderen Bereichen zurückhalten, erzählt Sharyl Sandberg.

Ihr Ziel mit Women in Gaming ist es deshalb, genau diese Frauen zu verbinden, zu stärken und zu fördern. „Wir wollen eine globale Gemeinschaft für euch aufbauen, in der ihr eure Geschichten, eure Herausforderungen, eure Hoffnungen und eure Träume teilen könnt.“ Zudem arbeiten sie mit Partnerinnen aus der Branche zusammen, die von ihrem Einstieg und ihrer Arbeit in derselben erzählen – und damit neuen Interessentinnen Mut machen sollen.

Google macht Frauen mit „Change the Game“ Mut

Auch, wenn Facebook mit der Kampagne zum Internationalen Frauentag 2018 Wellen in den Medien schlägt: Neu ist die Idee, Frauen Mut zu machen, zu zocken und in die Games-Branche einzusteigen, nicht. Schon Ende 2017 startete Google eine ähnliche Kampagne, die auf einer eigenen Studie basiert. So weiß Google, dass 49 Prozent der Menschen, die Mobile Games spielen, weiblich sind.

Allerdings haben 44 Prozent mehr Spiele ein Icon mit männlichem Charakter (Stand: November 2017), außerdem glaubt die Mehrheit der weiblichen Gamer, dass nur 30 Prozent oder weniger Spiele auf eine weibliche Zielgruppe zugeschnitten sind. Erschreckend ist auch, dass sich Frauen wohl weniger trauen, mit anderen über Spiele zu sprechen, obwohl sie sie genauso gerne spielen wie Männer. Nur 27 Prozent der Frauen sprechen mit anderen über ihr Hobby, bei Männern beläuft sich der Anteil auf 44 Prozent.

Als Frau musst du dich nicht dafür schämen, Videospiele zu mögen

Google Play hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, das Image von Spielen bei Frauen zu ändern.

„Google Play glaubt, dass Mobile Gaming das Potential hat, die Kreativität anzuregen, Verbindungen zwischen Menschen herzustellen und als Tor zu neuen Welten und Leidenschaften zu dienen. Es bietet sich die Chance, Mobile Games diverser, inklusiver und engagierender zu gestalten, damit alle Spieler und Spielerinnen voll und ganz diese Vorteile erfahren können.“

Aber nicht nur Spielerinnen wollen sie ermutigen: Vor allem Frauen, die gerne in die Branche einsteigen würden, will Google mit der Kampagne unter die Arme greifen. So unterstützt das Unternehmen die Aktion Girls Make Games, außerdem wollen sie mit der eigenen Initiative Made with Code Mädchen zum Programmieren anregen.

Warum Aktionen wir Girls Make Games so wichtig sind:

Girls Make Games – Warum die Aktion so wichtig ist.

Um ihrer Kampagne am Internationalen Frauentag besonderes Augenmerk zukommen zu lassen, bietet dir der Google Play Store heute eine gesonderte Sektion mit Spielen und Apps von Frauen. In speziellen Videos teilen weibliche YouTube-Influencer ihre Geschichten. Auch Spiele, Bücher, Filme und Serien mit weiblichen Protagonisten sollen hervorgehoben werden.

Twitch und 1.000 Dreams unterstützen weibliche Streamer

Auch unter den Streamern sind Frauen immer noch in der Unterzahl. Gerade einmal 35 Prozent aller Streamer sind einer 2016 veröffentlichten Studie zufolge weiblich, momentan befindet sich keine einzige Frau unter den Top 10-Streamern der Video-Plattform, berichtet Polygon (Stand: 07. März 2018).

Um das zu ändern, hat Twitch gemeinsam mit der Charity-Organisation 1.000 Dreams das Stipendium BroadcastHER ins Leben gerufen. Mit ihr will die Plattform vielversprechende weibliche Streamer durch finanzielle Unterstützung dazu ermuntern, ihr Hobby weiter auszubauen.

Skylla: Auch im E-Sport werden Frauen oft Steine in den Weg gelegt

Das Geld soll von den Geförderten vor allem „für Reisen zu Gaming Conventions, weiterbildenden Konferenzen, besserer Hardware und Lehrgängen im kreativen oder künstlerischen Bereich“ eingesetzt werden. Bewerben auf die Förderung kann sich prinzipiell jede weibliche Twitch-Streamerin, die Teil des Twitch Affiliate-Programms oder Twitch Partner ist.

Bewerben kannst du dich noch bis zum 1. April, anschließend werden zwei oder mehr Bewerberinnen ausgewählt. Sie erhalten pro Semester einen Betrag zwischen 500 und 2.000 Dollar, den sie fürs Streamen einsetzen dürfen.

Indie-Entwickler startet #GirlsBehindTheGames

Aktuell machen aber nicht nur große Unternehmen darauf aufmerksam, dass Mädchen und Frauen genauso in die Technik- und Gaming-Branche gehören wie Jungs und Männer. Der Indie-Mobile-Entwickler Runaway setzt sich wohl schon seit einiger Zeit für Diversität im eigenen Unternehmen ein. Von ihren 26 Mitarbeitern sind zehn weiblich, zwei davon in den beiden einzigen Senior-Lead-Stellen – als Managing Director und Creative Director.

Weil sie ihre positiven Erfahrungen mit der Diversität mit anderen Unternehmen teilen und Frauen zum Einstieg in die Branche ermutigen wollen, haben sie die Kampagne #girlsbehindthegames ins Leben gerufen. Über den Hashtag teilen seit einiger Zeit Frauen aus der Branche auf Twitter ihre Erfahrungen – unter anderem Bairbre Fiona Bent von Capcom Vancouver und Caitlin Nortje, Software Engineer bei Criterion Games.

Ja, sogar diese weiblichen Stars sind leidenschaftliche Gamer. Hättest du das gedacht?

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Diese 15 weiblichen Stars sind leidenschaftliche Gamer.

Erreichen wollen sie damit, dass talentierte Frauen nicht nur in die Branche einsteigen, sondern durch weniger Anfeindungen und mehr Unterstützung den Unternehmen länger erhalten bleiben.

Wichtig ist das allemal. Denn genauso, wie männliche Kindergärtner und Friseure für ihre Berufswahl nicht diskriminiert und angegriffen werden sollten, sollte auch das Verständnis und der Respekt für Frauen in der Games-Branche da sein. Letzten Endes ist es schließlich immer noch das persönliche Interesse und die eigene Neigung und nicht das Geschlecht entscheidend für unsere Berufswahl. Und wenn sich Frauen genauso gerne mit Videospielen auseinandersetzen wie Männer – warum sollten sie es dann nicht einfach zu ihrem Beruf machen?

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