Warum der 3,5 mm-Klinkenstecker unverzichtbar ist [Kommentar]

Kaan Gürayer 17

Seit mehr als 50 Jahren gibt es bereits den 3,5 mm-Klinkenstecker, um Musik über Kopfhörer zu genießen. Zeit also, den geliebten Anschluss auf den Technik-Friedhof zu verbannen, um Platz für etwas Neues zu schaffen? Von wegen! Auch anno 2016 ist der Klinkenstecker noch immer unverzichtbar – auch in Smartphones. 

Warum der 3,5 mm-Klinkenstecker unverzichtbar ist [Kommentar]

Vergangene Woche hat mein Kollege Tuan dargelegt, weshalb der 3,5 mm-Klinkenstecker seiner Meinung begraben werden müsse. Da wir in der GIGA ANDROID-Redaktion aber nicht nur in Sachen Fußball zum Teil anderer Meinung sind, sondern uns manchmal auch fachspezifisch in die Haare (im übertragenen Sinne, bei mir ist ja leider nix mehr übrig) kriegen, folgt nun meine Gegenrede. Mehr noch: Meine Liebeserklärung an die alte Klinke!

Am Ende bezahlt der Kunde mehr

Das vielleicht wichtigste Argument zuerst: Der 3,5 mm-Klinkenstecker ist ein allgemein akzeptierter und durchgesetzter Standard. In einer Zeit, in der quasi jedes große Technik-Unternehmen sein eigenes Süppchen kocht, sind Standards gar nicht hoch genug einzuschätzen. Natürlich ist auch USB Typ C ein Standard, der in Tuans Kommentar die Klinke ablösen soll, aber sein wir doch mal realistisch: Einige „Big Player“ der Branche, etwa Apple, würden darauf nicht setzen.

Sollte ein zukünftiges iPhone auf den 3,5 mm-Stecker verzichten, würde Apple mit Sicherheit nicht USB Typ C verbauen – sondern eine proprietäre Lösung wie etwa Lightning. Dass sich Hersteller derartige „Insellösungen“ auch fürstlich bezahlen lassen, der Kunde am Ende also tiefer in die Tasche greifen muss, ist bekannt.

Lightning-vs-USB

Massiver Eingriff in die Wahlfreiheit

Womit wir direkt zum nächsten Einwand gegen den plötzlichen Tod des 3,5 mm-Anschlusses gekommen sind: Auswahl. Im Gegensatz zu modernen Smartphones, die im Grunde erst mit der Vorstellung des iPhones 2007 zu Leben begonnen haben, existiert die bekannte Klinke seit mehr als 50 Jahren. Bereits der Sony EFM-117J aus dem Jahre 1965 besaß einen Port für den Stecker. Daraus folgt eine schier unglaubliche Zahl an Kopfhörern, Lautsprechern, Mikrofonen und anderen Geräten, die auf den 3,5 mm-Klinkenanschluss angewiesen sind. Ein Wegfall des Anschlusses würde den Smartphone-Nutzer massiv in seiner Wahlmöglichkeit einschränken.

Größere Akkus? Von wegen!

Smartphones mit Akkuleistung für Wochen sind noch ein Traum.

Und was bitte ist das für ein fadenscheiniges Argument, dass die 3,5 mm-Klinke angeblich kostbaren Platz im Smartphone wegnimmt? Wir reden hier von einem verschwindend kleinen Stecker, der im Umkehrschluss auch nur einen verschwindend kleinen Port braucht. Ein USB Typ C-Anschluss ist nur minimal kleiner. Wer im Übrigen die Hoffnung hat, dass der „Platzgewinn“ – so gering er auch ist – am Ende in größeren Akkus mündet, der hat wohl die letzten Jahre geschlafen. Wenn überhaupt würde der zusätzliche Platz nur dazu verwendet werden, um Smartphones noch dünner zu gestalten. Allein deshalb, um von magersüchtigen Smartphone-Designern noch eine gewisse Ergonomie erzwingen zu können, sollten wir am 3,5 mm-Klinkenanschluss festhalten.

Natürlich: Irgendwann wird der 3,5 mm-Stecker auch ausgemustert werden – hier schreibt keiner, der aus Sentimentalität an alter Technik festhält. Noch ist die Zeit aber nicht reif, um diesen Zopf abzuschneiden.

Samsung Galaxy S7 bei Amazon kaufen * Samsung Galaxy S7 mit Vertrag bei DeinHandy.de *

Wählt das beste Android-Smartphone des Jahres 2016

Hoch her ging es dieses Jahr in der Android-Welt. Einige Hersteller konnten die Sektkorken knallen lassen, andere mussten die Scherben einer verfehlten Produktpolitik aufsammeln. Was hat euch 2016 besonders gefallen? Nehmt an unserer Abstimmung teil und wählt das beste Android-Smartphone des Jahres.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA ANDROID

* gesponsorter Link