Jetzt soll wieder ein neuer Mobilfunkstandard etabliert werden und es sind viele neue Funkmasten nötig. Aber wie sieht es mit den Risiken des 5G-Netzes aus? Sind sie gesundheitsschädlich, wie die Kritiker seit Jahren behaupten oder ist das wieder nur ein Kampf der Technikfeinde gegen den harmlosen Fortschritt? Wir beleuchten die Lage...

 

Wlan

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Sieht man sich die Argumente von Mobilfunk-Gegnern und -Befürwortern an, dann fällt eines schnell auf: Sie erinnern in frappantem Maße an die Diskussionen von religiösen Gruppen mit Wissenschaftlern. Da sind auf der einen Seite jene, die laut aufschreien, wie sehr 5G der Gesundheit schadet und dann sind da die anderen, die ihre widersprechenden Untersuchungen vorlegen und ihrerseits nach Beweisen fragen – woraufhin die andere Seite wieder argumentiert, dass diese Untersuchungen allesamt gefälscht, gekauft und überhaupt nicht relevant seien.

Allerdings fällt das nur Menschen auf, die sich sagen: „Alter, ich nutze mein Handy, gehe ohne Sturzhelm über die Straße, trinke Bier, rauche und esse Fleisch. Da werde ich nicht gerade an 5G-Strahlung sterben“. Die Gegenseite sieht sich hingegen bestätigt in ihren allgemeinen Ängsten, dem Unwohlsein in der Nähe von Funkmasten (auch wenn sie gar nicht angeschaltet sind) und der Ablehnung von allen Handys.

Was erwartet euch? Lohnt sich der Kauf eines 5G-Handys überhaupt? Unser Video klärt auf:

5G Fragen & Antworten: Handy JETZT schon kaufen?

Mobilfunk, 5G und Krebs: Wie ist die Faktenlage?

Knapp zusammengefasst lässt sich die Analyse der bisherigen Untersuchungen so zusammenfassen:

  • Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei Intensivnutzern die Handystrahlung eventuell ein erhöhtes Auftreten bestimmter Hirntumore (Gliome) hervorruft. Allerdings gibt es auch keine Erkenntnisse, die das beweisen würden.
  • Alle vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern unwahrscheinlich ist.

Das sagt auch das Bundesamt für Strahlenschutz: „Zurzeit gibt es bei Einhaltung der international festgelegten Höchstwerte keine wissenschaftlichen Beweise für gesundheitliche Beeinträchtigungen.“

Die Publikationen des Vereins „diagnose:funk e.V.“ sehen hingegen das Bundesamt für Strahlenschutz als „Teil des Problems“. Sie behaupten, dass das Amt die Organisation „Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung“ (ICNIRP) unterstützt, die in den Augen des Vereins nur gegründet wurde, um allem zu widersprechen, das dem Mobilfunk-Geschäft schaden könnte.

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Diese 15 Gefahren lauern in öffentlichen WLAN-Netzen

Das Problem mit dem 5G-Netz und den Gehirntumoren

Das größte Problem bei der realistischen Bewertung der Gesundheitsrisiken des Mobilfunks allgemein und des bald folgenden massiven Ausbaus des 5G-Netzes ist das „Vielleicht“. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie das Bundesamt für Strahlenschutz sichern sich für die Zukunft ab, indem sie Aussagen tätigen, die ungefähr bedeuten:

„Wir haben keine eindeutigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Erkrankungen, aber es könnte vielleicht sein, dass doch was dran ist. Wenn ihr die Geräte verantwortungsvoll nutzt und die Grenzwerte eingehalten werden, dann sollte eigentlich nichts passieren... hoffen wir.“

Die „Elektrosmog-Gegner übersetzen das mit:

„Wir haben es gewusst. Das WHO und BfS warnen vor Handys und Handystrahlung, weil sie Krebs und Hirntumore erzeugt. Schaltet sofort alle Handys aus und reißt die Funkmasten ab! Verbietet die 5G-Auktion.“

Einer ernstzunehmenden Auseinandersetzung dient das nicht. Die einen sichern sich ab, die anderen machen Panik und verbreiten derzeit noch unbeweisbare beziehungsweise unbewiesene Ängste als Fakten und Beweise. Das Ergebnis ist klar: Die Panikmacher werden nur von Paranoikern ernst genommen und die Behörden können im schlimmsten Fall sagen: „Wir haben euch doch gesagt, ihr sollt damit vorsichtig umgehen.“

Immerhin gibt es beim BfS eine durchsuchbare Datenbank der SAR-Werte von derzeit fast 3.500 Handys, die ständig erweitert wird. SAR, die sogenannte „Spezifische Absorptionsrate“, misst dabei die Absorption von elektromagnetischen Feldern. Der empfohlene oberste Grenzwert der WHO liegt bei 2,0 W/kg. Der „Am-Ohr-Messwert“ der meisten Handys liegt unter 1,0 W/kg.

Die Grenzwerte werden in der Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes erklärt. Das Problem: Sie beruht auf Empfehlungen der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK) und der „Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung“ (ICNIRP). Letztere ist für die Elektrosmog-Gegner nur eine Marionette der Mobilfunk-Industrie.

Die Empfehlungen, also die Grenzwerte, beruhen auf wissenschaftlich nachgewiesenen gesundheitlich relevanten biologischen Wirkungen durch elektrische und magnetische Felder. Dabei werden als Grundlage zum einen die natürlichen elektrischen Feldstärken im Körper herangezogen, zum anderen Schwellenwerten für nachgewiesene gesundheitliche Wirkungen.

Trotzdem es also Untersuchungen und beweisbare Messwerte gibt, hört der Widerstand nicht auf. Die Gegner argumentieren dabei oft so, dass der Laie es fachlich nicht mehr nachvollziehen kann, aber aufgrund der Beispiele Angst bekommt. Dabei wird dann zum Beispiel gewarnt, dass mit steigender Frequenz die Gefahr steigt:

  • TV-Übertragungen finden im Bereich von 54-700 Megahertz statt.
  • Gefährliche Handystrahlung bewegt sich sogar zwischen 800 Megahertz und 2,6 Gigahertz.
  • Das gesundheitsschädliche WLAN arbeitet zwischen 2,4 und 5 Gigahertz.
  • Das 5G-Netz soll im 3,5 Gigahertz-Bereich funken.

Aber was das bedeutet und warum ausgerechnet ein bestimmter Teil der Wellenlängen gefährlich sein soll und andere Bereiche nicht, diese Information bleibt man dem Laien schuldig. Genauso wenig wie man ihn darauf hinweist, dass sichtbares Licht im Bereich zwischen 425 und 750 Terahertz strahlt und die Frequenz damit deutlich über der von Handystrahlung oder Radarstrahlen liegt.

Das dürfte den Wortführern des Vereins diagnose:funk e.V. auch schwerfallen, da sich unter ihnen keine Fachleute befinden. Dafür werden sie gerne von Firmen zitiert, die Schutzkleidung und Messgeräte gegen Funkwellen und Handystrahlungs-sichere Unterwäsche verkaufen will.

Stattdessen werden esoterische Beweisführungen wie diese verbreitet:

0,98 Hz entspricht etwa der menschlichen Herzschlagrate, die 17,6 Hz der Endgeräte liegen im Bereich der Beta-Wellen des Gehirns und die 70,6 Hz der Sender bewegen sich im Bereich der elektrischen Muskelaktivität.

Die Zahlen sollen Laien beeindrucken – beweisen tun sie nichts. Ebenso wenig wie die immer wiederholten Behauptungen, dass durch Funkantennen irgendein Ereignis eingetreten sei („Die Singvögel sind verschwunden.“) oder noch eintreten wird.

Das Hauptproblem dieser Argumente liegt darin, dass sie zwar mit Elan, aber ohne wirkliches Fachwissen vorgetragen werden. Dementsprechend machen sich Leute darüber lustig, die tatsächlich Ahnung von der Materie haben. Allerdings dürften der Verein und seine Unterstützer diese Argumente weder glauben noch verstehen.

Fazit zum Thema 5G-Netz und Gesundheitsrisiken

Man will beim WHO oder BfS nicht ausschließen, dass diese Form der Strahlung in zu hohem Maße den Körper schaden kann, aber es deutet nichts darauf hin. Deshalb gibt es Grenzwerte, die sich auf empirische Untersuchungsergebnisse beziehen.

Es ist ein Tatsache, dass zu viel von irgendwas den Körper schädigen kann. Licht zum Beispiel hat eine höhere Wellenlänge als das 5G-Netz, aber wir brauchen es zum Leben. Wird es allerdings extrem hell, können wir sogar erblinden. Die Wellenlänge bleibt dabei gleich, die Stärke der Strahlung steigt.

Insofern sollte man sich vermutlich überlegen, wie nahe am Lebensraum man die Masten aufstellt und wie stark die Sendeenergie sein darf. Aber genau das hat man bereits getan und zwar aufgrund von Untersuchungen.

Irgendwann gibt es vielleicht tragfähige Langzeituntersuchungen zu diesem Thema, aber derzeit kann man keine empirisch beweisbaren Aussagen treffen, die eine Gefahr in der Strahlung von Mobilfunk-Netzen feststellen.

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Marco Kratzenberg
Marco Kratzenberg, GIGA-Experte für Windows, Software, Internetrecht & Computersicherheit.

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