Neuer Redakteur bei GIGA FILM oder auch: Tobi ist wieder da!

Tobias Heidemann 33

So. Ich wäre dann wieder da. War was? Hab ich was verpasst? Hat mich hier überhaupt jemand vermisst? Ja? Nein? Geh „kacken du homosexueler GIGA-Beutel?“ Naja, jedenfalls bin ich zurück aus der Elternzeit und fortan wieder als Redakteur für GIGA tätig. Für GIGA FILM um genau zu sein. Richtig gehört: Ich wechsle das Ressort! Was mich mit dem Thema Film verbindet, was man von mir in diesem Bereich erwarten darf, warum ich Angst vor Spinnen habe und ob „Gamergate“ mir für immer den Spaß an Videogames verdorben hat – all das erfahrt ihr hier und jetzt. Aber zuerst, eine kleine Geschichte. 

Ich muss ungefähr sechs gewesen sein, als es passierte. Es war Sommer. Viel zu heiß. Ich konnte nicht schlafen. Mein Blick bohrte sich in die Zimmerdecke, während ich gebannt den entfernten Klängen unseres Fernsehers lauschte. Mit seinem unverständlichen Gemurmel schien er mich ins Wohnzimmer locken zu wollen. Hatte da gerade eine Frau geschrien?

Ich stand auf, folgte den verzerrten Stimmen, schlich mich vorsichtig an die Sofalandschaft meiner Eltern heran und rieb mir, geblendet vom grellen Licht unseres alten Röhrenfernsehers, die schläfrigen Augen. “Ich kann nicht schlafen, Mama. Darf ich mitgucken?“

Mama, darf ich mitgucken?

An jedem anderen Tag hätten meine Eltern mich mit dem üblichen pädagogischen Exkurs zum nicht jugendgerechten Abendprogramm umgehend wieder ins Bett geschickt. Doch dieser Tag war anders. Mit den zauberhaften Worten “Ok, aber nur ganz kurz“ hievte mich meine Mutter zu ihr auf das Sofa und damit in eine mir zuvor verbotene Welt.

Schockiert ob meines unverhofften Glückes starrte ich gebannt auf den Fernseher. Auf dem NDR lief ein alter Schwarz-Weiß-Streifen von Jack Arnold aus den 50er Jahren. Die Szene: Wahrscheinlich Texas. Nachts. Irgendjemand oder Irgendetwas macht eine große Herde von Pferden sehr unruhig.

Und dann geschah es. TARANTULA!!! Durch das Super-Serum eines verrückten Wissenschaftlers auf die grauenvolle Größe eines ganzen Wohnblocks herangewachsen, zeigt sich das vieläugiges Monstrum in all seiner Nackenhaare sträubenden Schrecklichkeit plötzlich am Horizont.

Tarantula (the movie - 1957).

Kino kann das!

Wenn ich zu meinem Verhältnis zum Kino gefragt werde, dann erzähle ich gerne und oft von dieser Nacht vor 33 Jahren. Die Nacht, in der ich Tarantula sah. Sie ist mein ganz persönlicher Beleg für die ungeheure Macht des Kinos.

Zwei Dinge geschahen nämlich nach dieser besonderen Nacht. Zum Einen war ich nach dieser Nacht mit etwas ausgestattet, das man gemeinhin wohl als eine gemäßigte Form der Arachnophobie - die Angst vor Spinnen - bezeichnet. Bis ins späte Teenager-Alter sollte mich dieser ärgerliche Zustand begleiten und zum willkommenen Opfer zahlloser Hänseleien meiner Mitschüler machen.

Zum Anderen legte das Tarantula-Trauma aber auch den Grundstein meiner enormen Faszination für das Kino im Allgemeinen und den Horror im Speziellen. Ich wollte die Angst, die mir dieser billige Horrorstreifen in dieser Nacht eingeflößt hatte, verstehen lernen, ich wollte die Scharade der Filmemacher begreifen, die Mechanismen des Mediums kapieren, kurz – ich wollte die Magie des Kinos entzaubern. Man könnte also sagen, der Tarantula-Moment hat mein Leben verändert. Kino kann das!

Kleine große Momente wie diese sind der Grund für meine Liebe zum Kino. Nach Tarantula kamen Cap und Capper, E.T., Star Wars, Ferris macht blau, Die sieben Samurai, Ben Hur, Psycho, Der weiße Hai, Planet der Affen, A Clockwork Orange, Taxi Driver, Einer flog über das Kuckucksnest, Alien, Idioten, Matrix - und immer so weiter. Kino hat mich, meine Sicht auf die Welt, mein ästhetisches Empfinden, das was cool ist, was uncool und wie ich mich fühle, immer wieder verändert.

 

Nach diesen Kräften des Kinos bin ich nun schon 33 Jahre süchtig. Jeder Kinobesuch, jeder Abend vor dem Fernseher beginnt für mich deshalb auch mit dem verheißungsvollen Versprechen, vielleicht wieder einen jener seltenen magischen Momente erleben zu dürfen, in denen das Kino seine ganze Kraft entfesselt.

Hohe Ansprüche und Spaß am Trivialen

Ganz schön hohe Ansprüche wird manch einer vielleicht jetzt denken. Wer so an Filme oder auch TV-Serien herangeht, wer also quasi jedes Mal eine lebensverändernde Erfahrung erwartet, der wird doch sicher häufiger enttäuscht als er zufrieden gestellt wird.

Und tatsächlich wurde mir unter der einen oder anderen GIGA-Filmkritik bereits nachgesagt, eher dem kritischen Lager denn der Kuschelkurstruppe anzugehören. Das mag so sein. Kino wie Fast Food unter den Gesichtspunkten eines fairen Preis-Leistungsverhältnisses als hauptsächlich sättigende Mindestanforderung nebenbei weg zu konsumieren, das liegt mir einfach nicht. Wie gesagt: Kino kann mehr und es ist in meinen Augen vollkommen ok, viel vom Kino zu erwarten.

Ich bin aber - mit Verlaub - auch kein kompletter Vollidiot. Niemand hat etwas davon, wenn ich LEGO - The Movie mit Ingmar Bergman komme oder Snowpiercer mit Stanley Kubrick eins überziehe (zwei gelungene Filme, wie ich im Übrigen finde).

Ebenso wenig mag ich auf die Schwanengesänge der Kultur-Pessimisten einstimmen, die Hollywood und das Mainstream-Kino längst am Abgrund der Franchise-Hölle stehen sehen und am liebsten selbst noch herabstoßen würden. Zwar finde ich extreme Urteile, wie sie zum Beispiel von Steven Soderbergh oder Mark Harris unlängst gesprochen wurden, in Teilen durchaus schlüssig - den Spaß am Trivialen lasse ich mir dadurch aber auf gar keinen Fall verderben.

Tobi bei GIGA FILM

Augenmaß scheint in diesem Zusammenhang wohl das richtige Stichwort. Ich behaupte über diese Ressource verfügen zu können. Ob dem tatsächlich so ist, dies herauszufinden, dazu möchte ich euch alle ganz herzlich einladen, wenn ich in Zukunft auf GIGA FILM über Kino und TV-Serien schreiben, reden und videodingsen werde.

Wer mich bereits aus meiner Zeit bei GIGA GAMES kennt, der wird sich vielleicht auch noch daran erinnern, dass ich mich dort bereits regelmäßig mit Film- und Serien-Inhalten beschäftigt habe. Nun also ganz und gar.

Komplett werde ich mit diesem Wechsel aber auch nicht von der GIGA GAMES-Bildfläche verschwinden. Dafür liegen mir Spiele und Spielekultur einfach viel zu sehr am Herzen. Wenn es meine Zeit zulässt, darf man somit ruhig mit dem einen oder anderen Auftritt in Radio GIGA oder auch mal mit einer Kolumne rechnen.

Das war`s erst einmal von meiner Seite. Fragen beantworte ich gerne in den Kommentaren. Wer es noch nicht getan hat und nicht verpassen möchte, was ich auf GIGA FILM so alles verbrechen werde, der folgt GIGA FILM und meiner Wenigkeit auf Twitter oder setzt einen Like auf unsere Facebook-Seite. Und auf gar keinen Fall vergessen:

 

Nehmt niemals schlechtes Olivenöl für euer Pesto!

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