Schlechte TV-Synchros: The deutsche Synchronisation of US-Serien ist irgendwie totally fucked

Tobias Heidemann 21

Heftige Kritik an schlechten Synchronisationen von US-Serien gehört zum Tagesgeschäft. Regelmäßig gehen die Zuschauer hierzulande auf die Sender-Barrikaden und echauffieren sich dort über die mangelhafte Übersetzungsarbeit der deutschen Synchronstudios. Wer dem selbstverständlich gewordenen Skandal tatsächlich auf den Grund gehen will, muss sehr bald vor einer traurigen Wahrheit kapitulieren. The deutsche Synchronisation ist voll fucked!

Schlechte TV-Synchros: The deutsche Synchronisation of US-Serien ist irgendwie totally fucked

Zuerst die schlechte Nachricht. Die Deutschen brauchen die Synchronisationen. Zu ihrer Abschaffung wird es so schnell nicht kommen. Auch wenn die Nachfrage nach englischsprachigen Originalversionen in Deutschland stark zugenommen hat, ist ein wesentlicher Anteil des Publikums weiterhin von der Arbeit der Synchronstudios abhängig.

Zwar nimmt auch der Anteil derer, die die US-Serien trotz mangelhafter Englischkenntnisse lieber im Originalton konsumieren als Monate auf die deutsche Fassung zu warten, stetig zu, doch insgesamt sind die Konsumenten englischsprachiger Originalfassungen auch weiterhin in der Unterzahl.

The Walking Dead Deutscher Trailer.

 

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Das Englisch der Deutschen

Das überrascht nicht. Das Englisch der Deutschen ist im europäischen Vergleich traditionell eher bescheiden. In Ländern wie Schweden, Norwegen, den Niederlande, Estland oder Polen wird besser Englisch gesprochen. Entsprechend sind englische Originalversionen in diesen Ländern verbreiteter und laufen mitunter auch mit Originalton im Free-TV.

Unangenehm wird die Angelegenheit nun vor allem dadurch, dass die Deutschen trotz ihrer strukturellen Abhängigkeit von der für sie geleisteten Übersetzungsarbeit die Synchronisationen meist als überaus mangelhaft empfinden. Unser Englisch ist schlecht, aber eure Synchro ist noch schlechter – eine höchst unerfreuliche Gemengelage, bei welcher irgendwie alle den Kürzeren ziehen.

Aktuelles Beispiel ist der vielerorts zu vernehmende Unmut über die von ProSieben ausgestrahlte Staffel 10 der Mystery-Serie „Akte X“. Die vorgetragene Kritik an der Synchronisation verläuft dabei stets entlang der gleichen Punkte: Zum einen geht den Zuschauern bei den deutschen Synchronisationen zu viel verloren. Atmosphäre, Stimmung, Slang, Humor oder die soziale Herkunft der Figuren sind demnach viel zu oft „Lost in Translation“. Zum anderen richtet sich die Kritik meist auch gegen die Sprecher selbst, denen eine schlechtere Ausbildung als etwa den Synchronsprechern der 70er und 80er Jahre unterstellt wird.

Neu ist die Empörung nicht. Das lautstarke Aufregen über schlechte Synchronisation gehört in Deutschland schon seit vielen Jahren zum guten Ton. Es ist zu einem selbstverständlichen Reflex geworden, zu einem allgemein bekannten Skandal, über den man sich eben in tragischer Regelmäßigkeit aufregt.

Und jetzt die schlechte Nachricht

Womit mit wir endlich bei der noch schlechteren Nachricht wären. In der Regel ist die Kritik an den deutschen Synchronarbeiten absolut zutreffend. Wenn etwa ein ebenfalls von ProSieben ausgestrahltes „Vikings“ von den Zuschauern wegen der schlechten deutschen Fassung kritisiert wird und ProSieben die Serie dann für die nächste Staffel tatsächlich komplett neu synchronisieren lässt, dann kann davon ausgegangen werden, dass hier wirklich so einiges im Argen liegt.

Liegt es. Gestatten: Die richtig schlechte Nachricht: Dadurch, dass Top-Serien wie „Game of Thrones“, „The Walking Dead“ oder „House of Cards“ immer schneller auf dem deutschen Markt erscheinen müssen, ist der Druck auf die Synchronstudios enorm gestiegen.

Hatten die Studios früher noch Wochen oder gar Monate Zeit für ihre Synchronisation, muss die Übersetzungsarbeit heute bisweilen binnen weniger Stunden geschehen. Gleichzeitig haben sich die Arbeitsbedingungen der Synchronstudios so dramatisch verschlechtert, dass es fast nicht mehr möglich ist, die angemessenen Qualitätsstandards zu halten.

Absurde Arbeitsbedingungen

Man stelle sich vor: Nicht nur befinden sich die deutschen Schauspieler während der Aufnahmen oft nicht einmal gleichzeitig im Aufnahmeraum – was die Entstehungsmöglichkeiten eines authentischen DIALOGS spürbar einschränken dürfte – immer häufiger synchronisieren sie quasi auch „blind“. So kann es vorkommen, dass die US-Auftraggeber den deutschen Studios nur Bilder liefern, „die großflächig geschwärzt sind. Lediglich die ausgeschnittenen Münder der Protagonisten sind noch zu sehen“.

Mit anderen Worten: Die deutschen Synchronsprecher führen unter enormen Zeitdruck absurde Selbstgespräche, ohne dabei zu wissen, in welcher Umgebung die von ihnen synchronisierte Szene überhaupt spielt. What could possibly go wrong.

Nun, zum Beispiel das: Eine richtig gute US-Serie fällt beim deutschen Publikum durch, weil die Synchronisation mal wieder ziemlich schlecht ist. Die zweite Folge „Akte X“ hatte gestern übrigens einen herben Verlust an Zuschauern zu verzeichnen. Just saying. Und nun die gute Nachricht: Mein Englisch ist ganz gut und ich muss mir diesen bedauerlichen Clusterfuck zum Glück nicht antun. Gott steh euch bei!

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