Clint Eastwood: Eine Würdigung zum 85. Geburtstag

Marek Bang 3

Gerade erst hat Clint Eastwood mit „American Sniper“ den kommerziell erfolgreichsten Film seiner langen Karriere abgeliefert und einmal mehr bewiesen, dass er auch in hohem Alter noch einiges auf dem kantigen Kasten hat. Zum 85. Geburtstag von „Dirty Harry“ werfen wir einen Blick zurück auf eine ungewöhnliche Karriere mit wenigen Tiefen und zahlreichen Höhen. 

Über 350 Millionen Dollar hat „American Sniper“  allein in den USA eingespielt (Quelle: Box Office Mojo). Damit spielt das Biopic über den US-Navy Seal Chris Kyle, der mehr als 150 Menschen gezielt getötet hat, kommerziell in einer Liga mit den gegenwärtig alles dominierenden Superhelden-Filmen wie „Avengers 2 : Age of Ultron“. Das mag an der umstrittenen Thematik liegen und der Tatsache geschuldet sein, dass der Kriegsfilm ein Publikum gefunden hat, welches sich sonst eher seltener in ein Kino verirrt. Doch Filmemachen hat auch viel mit Handwerk zu tun und so darf sich auch der Regisseur von „American Sniper“ auf die Schulter klopfen, denn inszenatorisch ist dem bisweilen kontrovers diskutierten Film wenig vorzuwerfen. Viel beachtlicher ist da schon das Alter des Herren, der auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Niemand geringeres als Altmeister Clint Eastwood, der morgen seinen 85. Geburtstag feiert, kann von sich behaupten, dass sein neuster Film zugleich sein erfolgreichster ist. Höchste Zeit also für eine Würdigung.

Vom Serien-Cowboy zum Fremden ohne Namen: Clint Eastwoods frühe Jahre

Eine Filmhochschule hat der zweifache Oscarpreisträger Clint Eastwood nie besucht und auch in Punkto Schauspielunterricht gilt für ihn seit den 1950er Jahren vornehmlich das Motto „Learning by Doing“. Der 1930 in San Francisco geborene Clint Eastwood wächst in einfachen Verhältnissen auf, schlägt sich ab den späten 1940er Jahren hauptsächlich als Schwimmlehrer durch und versucht  nach seiner Zeit bei der Army in den frühen 1950er Jahren sein Glück in Hollywood. Das Studio Universal bekundet sein Interesse an dem athletischen jungen Mann und gibt Clint Eastwood seinen ersten Vertrag als Schauspieler. Es folgen winzige Rollen in B-Filmen wie „Tarantula“ und es dauert einige Jahre, bis schließlich das Fernsehen für einen ersten zählbaren Erfolg sorgt. In der Western-Serie „Rawhide“ spielt Clint Eastwood zwischen 1959 und 1965 die wiederkehrende Rolle des Cowboys Rowdy Yates und freut sich über ein geregeltes Einkommen.

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Künstlerisch kommt der Serien-Cowboy aber nicht so recht vom Fleck, doch zum Glück haben sich in Italien einige Verrückte gefunden, die den klassischen Hollywood-Western mit einer ureigenen, dreckig-harten Variante herausfordern wollen. US-Stars wie Henry Fonda sind Regisseur Sergio Leone zu teuer, doch der international völlig unbekannte Clint Eastwood steht in der Sommerpause der Dreharbeiten von „Rawhide“ für einen Abstecher in die alte Welt zur Verfügung und der Rest ist Filmgeschichte. Die  Low-Budget Produktion „Für eine Handvoll Dollar“ ist nicht nur die Geburtsstunde des Italowestern, sondern zugleich der große Durchbruch für den schweigsamen Revolverhelden ohne Namen und der Beginn einer beispiellosen Karriere. Clint Eastwood spielt den einsamen Söldner, der für sich allein in den Kampf zieht und den bisherigen Moral-Kodex des Hollywood-Westerns hinter sich lässt zwischen 1964 und 1966 insgesamt drei Mal, unter anderem auch in dem gefeierten Meilenstein „Zwei glorreiche Halunken“ . Zur Belohnung  bekommt er 1967 in „Hängt ihn Höher“ seine erste Hauptrolle in Hollywood.

Zwei glorreiche Halunken - Trailer Deutsch.

Vom Dirty Harry zum ambitionierten Regisseur: Clint Eastwood etabliert sich in Hollywood

Mit „Coogans großer Bluff“ beginnt 1968 eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Clint Eastwood und Regisseur Don Siegel, die ihren Höhepunkt drei Jahre später in dem Polizeifilmklassiker „Dirty Harry“ findet. Von der damaligen Kritik als reaktionäres Selbstjustizvehikel zu Unrecht verschmäht, wirft der Actionthriller existentielle Fragen nach den Grenzen von Polizeigewalt auf und bietet keine einfache Lösungen an. Das Publikum feiert den beinharten Inspektor Callahan und Clint Eastwood wird endgültig zum Kassenmagneten. Neben den vier Fortsetzungen folgen zahlreiche weitere Actionfilme wie „Der Mann der niemals aufgibt“ sowie erste Spätwestern der Marke „Der Texaner“. Bei letzteren Filmen hat der Schauspieler Eastwood bereits selbst auf dem Regiestuhl Platz genommen und still und langsam seine zweite große Karriere als Regisseur in Gang gebracht.

1971 debütiert der Schauspieler Clint Eastwood als Regisseur mit dem kleinen, aber feinen Psychothriller „Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten“  und übernimmt die Hauptrolle eines Radiomoderators, der Stalking-Opfer eines geistig verwirrten Fans wird. Bereits zu diesem Zeitpunkt entwickelt der Regisseur Eastwood neben seiner effizienten Arbeitsweise eine Handschrift, die ihm Jahrzehnte später die gebührende Anerkennung Hollywoods bescheren wird. Straffe Dramaturgie trifft auf einen natürlichen Look, es werden so wenig Takes wie möglich gedreht und alles ist auf das Wesentliche reduziert, ähnlich wie beim minimalistischen Schauspiel des Neu-Regisseurs.

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Bis in die frühen 1990er Jahre wechseln sich nun kommerziell ausgelegte Actionfilme mit Clint Eastwood als hartem Hund mit lose sitzender Magnum 44 mit kleineren, ambitionierteren Projekten ab. Im zauberhaften Road-Movie „Honkytonk Man“ spielt Clint Eastwood unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen sterbenden Countrysänger an der Seite seines Sohnes Kyle und finanziert diese Film-Perlen mit launigen Krawall-Krachern wie „Dirty Harry kommt zurück“ oder „Heartbreak Ridge“. Erst nach einer Durststrecke Ende der 1980er Jahre und platten Actionfilmchen wie „Pink Cadillac“ setzt der mittlerweile 60 Jahre alte Superstar alles auf eine Karte und schafft das Kunststück, seine ikonische Figur des knallharten Mannes ohne Namen in ein anspruchsvolles Werk zu integrieren und zeitgleich einen der besten Western aller Zeiten auf die Leinwand zu bringen. Wir schreiben das Jahr 1992 und Clint Eastwood befindet die Zeit für Reif, endlich ein Drehbuch zu verfilmen, dass bereits seit Jahren auf seinem Schreibtisch liegt. Das Ergebnis ist sein bis heute bester Film, der ihm unter anderem den Oscar als bester Regisseur einbringt.

Von Erbarmungslos bis American Sniper: Clint Eastwoods beeindruckendes Spätwerk

In „Erbarmungslos“ ist nicht mehr viel von der Romantik des Wilden Westens übrig geblieben und das Töten ein dreckiges Geschäft. „Erbarmungslos“. Clint Eastwood spielt einen alternden Revolverhelden, der für eine Handvoll Dollar noch einmal das Gewehr in die Hand nimmt, um seinen Kindern nach dem Tod der Mutter eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Herber Realismus beherrscht die Atmosphäre des Films und Eastwoods Figur muss sich seine Rückkehr in den Sattel mühsam und quälend erarbeiten. Gene Hackmann brilliert zudem als fieser Gesetzeshüter, der mit seiner Auffassung von Recht und Ordnung gleich dem ganzen Genre des Western den Rest gibt.

Erbarmungslos - Trailer Englisch.

Mit dem Erfolg von „Erbarmungslos“ ist Clint Eastwood endlich auch als großer Regisseur in Hollywood angekommen und es folgt ein Spätwerk, das wenigen Filmemachern in dieser Quantität und zugleich Qualität vergönnt war und ist. Im immens erfolgreichen Actionthriller „In the Line of Fire“ spielt Eastwood 1993 zum vorerst letzten Mal unter fremder Regie und beginnt, sich auf der Leinwand allmählich rar zu machen. Oft tritt er nur noch als Regisseur in Erscheinung, etwa mit dem Missbrauchs-Drama „Mystic River“, das 2003 sowohl Sean Penn als auch Tim Robbins ihre ersten Oscars einbringt. Mit den parallel entstandenen Kriegsfilmen „Letters From Iwo Jima“ und „Flags of our Fathers“ beleuchtet er 2006 beide Seiten der Schlacht um die Insel Iwojima im zweiten Weltkrieg zwischen den USA und Japan,  drei Jahre später errichtet er in „Invictus“ Nelson Mandela ein filmisches Denkmal.

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Einen seinen seltener gewordenen Leinwandauftritte absolviert Clint Eastwood 2004 neben Hilary Swank im berührenden Sterbehilfe-Drama „Million Dollar Baby“, dass zeitgleich sein zweiter großer Triumph bei den Oscars wird. Clint Eastwood gewinnt nach „Erbarmungslos“ erneut die Trophäen für den besten Film des Jahres und die beste Regie. Vier Jahre später gibt er dann in „Gran Torino“ eine fulminante Abschiedsvorstellung, die besonders beim Publikum auf großes Interesse stößt. Der Schauspieler gibt noch einmal den knurrigen Alten, der mehr drauf hat, als jede Straßengang im heruntergekommenen Stadtrand von Detroit, schafft es aber gleichzeitig, die Geschichte eines verbitterten rassistischen Veteranen zu erzählen, der sich allmählich zum verständnisvollen Beschützer der eingewanderten Hmong wandelt.

Die Autoren Gerald Cole und Peter Williams schrieben als Schlusswort in ihrer Clint Eastwood-Biographie „Seine Filme - sein Leben“ in den späten 1980er Jahren, dass es gut möglich sei, dass das Beste von Clint Eastwood noch kommen könnte. Auf Grund des Spätwerks ist das aus heutiger Sicht natürlich eine maßlose Untertreibung, eignet sich aber auch fast dreißig Jahre später noch als Schlusswort für die heutige News der Woche, denn wer weiß, vielleicht dreht Clint Eastwood in den kommenden Jahren wirklich noch seinen allerbesten Film.

 

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