Zu viel Cannabis gespritzt: Die peinlichsten Kiffer-Klischees der Filmgeschichte

Tobias Heidemann

Ach, immer diese klischeehaften Fake-Kiffer. Wir kennen sie alle. Sie tun so als ob, sie sind ober-peinlich und sie ziehen das Highsein runter. Seit es Hollywood gibt, drücken sie sich schon in dunklen Ecken, in schlechten Komödien und missglückten Milieu-Darstellungen herum. Mit rot geschminkten Augen und einem generischen Grinsen heucheln sie uns scheinbar ohne Scham den schlecht gespielten THC-Rausch vor. Aber warum? Warum hat Hollywood ausgerechnet ein Drogenproblem mit Cannabis-Klischees? Zeit für eine Bestandsaufnahme des Grauens. Hier sind die schlimmsten Kiffer-Klischees. 

Zu viel Cannabis gespritzt: Die peinlichsten Kiffer-Klischees der Filmgeschichte

Jetzt mal unter uns: Ist es wirklich so schwer, jemanden zu spielen, der einen Joint geraucht hat? Nicht wirklich, oder? Authentisch Besoffene begegnen uns im Kino doch auch regelmäßig. Und was ist mit Behinderungen?  Wenn es Hollywood Schauspielern gelingt, selbst komplexe Behinderungen glaubhaft darzustellen, warum scheitern sie dann ausgerechnet an ein bisschen Hanf im Hirn? Was ist da los? Warum gibt es trotz der hohen Verbreitung von Cannabis kaum realistische Darstellung seines Konsums? Warum wirkt das alles immer fake?

 Kiffer-Klischees im Kino: Fremdscham statt Fressflash

Nicht das wir uns hier falsch verstehen - es gibt natürlich auch angenehm dichte Ausnahmen der Fake-Regel. Filme oder auch nur kurze Filmszenen, in welchen die beteiligten Schauspieler sich durch ihr Talent oder ihren privaten Drogenkonsum nah an die Realität heran gekifft haben, gibt es sehr wohl. Doch man muss schon so sehr lange suchen, um diese seltenen Momente zu finden. Wie gemütlich es sich der falsche Stoner im Kino gemacht hat, das belegt die im Rahmen unserer Themenwoche „Film und Drogen“ entstandene Liste der peinlichsten Fake-Kiffer-Klischees. Wir haben uns das kiffende Elend der letzten 100 Jahre Film reingepfiffen, um eine erste Typisierung des Problems möglich zu machen.

Doch bevor es damit losgeht, hier noch eine kurze Video-Erinnerung daran, wie kiffen tatsächlich aussieht. Die bekifften Omas gingen vor einiger Zeit um die Welt und führen die folgenden Schwerverbrecher des gespielten Drogenkonsums gebührend ad absurdum.

Fake-Kiffer-Klischee Nummer 1

Cannabis kommt direkt aus der Hölle

Oh Mary, hättest du doch nur auf Mama, Papa und den netten Onkel von der Regierung gehört. Doch du bist dem Haschzigarettenwahnsinn verfallen. Du hast dich von drei Halunken in den Drogensumpf ziehen lassen. Was passiert, wenn man sich so eine Hash-Zigarette in die Pupillen spritzt, das belegt „Reefer Madness“, das Urgestein der staatlich subventionierten Anti-Drogen-Propaganda, nach wie vor auf grenzwärtig komische Art und Weise. Wer Cannabis raucht, der vergewaltigt, mordet und verfällt schließlich dem Wahnsinn. Noch Fragen? Anspiel-Tipp: Minute 14:06!

 

Fake-Kiffer-Klischee Nummer 2

Vom Kiffen bekommt man „lustige“ Halluzinationen

Unter den Drehbuchautoren Hollywoods hält sich ein bestimmter Irrglaube über das Kiffen besonders hartnäckig: Wer Cannabis konsumiert, der hat sofort schwere, lang anhaltende Halluzinationen. Geeeeeeenau! Die unfassbare Zahl an immer gleich ablaufenden und selten komischen Filmszenen, in denen die Figur urplötzlich „total krasse Dinge“ sieht, ist für diesen abgedroschenen Umgang mit Cannabis ein tragisches Mahnmal. Hallus können natürlich auch saukomisch sein, doch warum sie ausgerechnet immer den Kiffern als lahmes Comedy-Vehikel in die Schuhe geschoben werden, dass weiß wohl niemand. Für unser Negativ-Beispiel müssen der in dieser Hinsicht eigentlich sehr erfahrene Robert Downey Jr. und Zach Galifianaki aus „Stichtag“ herhalten.

 

 Fake-Kiffer-Klischee Nummer 3

Kiffer hängen meist mit irgendwelchen Tieren ab

Ganz ernsthafte Frage, liebe Hollywood-Produzenten: Was geht denn bitte mit den Tieren? Warum taucht in jeder zweiten Szene, in der einer geraucht wird, irgendwelches Viehzeug auf? Warum? Ich würde das wirklich gerne wissen, denn egal wie ich es drehe und wende, ich kann es mir selbst nicht erklären. Warum Tiere? Woher rührt die mysteriöse Verbindung zwischen Kiffern und Tieren? Oder anders gefragt, was lässt euch Filmschaffende glauben, eine Stoner-Szene braucht früher oder später einen Affen, eine Kuh, die umfällt oder einen Waschbären oder was auch immer? Was? Glaubt ihr, dass der gemeine Kiffer das lustig findet? Maaaaaan. Das Beispiel stammt übrigen aus „Grandma´s Boy“. Und ja, der Joint sieht voll unecht aus.

 

  Fake-Kiffer-Klischee Nummer 4

Cannabis wirkt eigentlich genauso wie Koks

Die psychoaktive Wirkung von THC macht es grundsätzlich sehr schwer, ein festes Muster für die Wirkung von Cannabis zu definieren. Fest steht aber, die meisten Menschen, die einen Joint geraucht haben, bekommen irgendwann krassen Kohldampf und neigen zu einer eher entspannten Körper- und Geisteshaltung - aber niemand, der THC konsumiert hat, benimmt sich so, als hätte er gerade eine zwei Meter lange Line Koks geschnüffelt. Mit anderen Worten: In viel zu vielen Filmen wird Cannabis zu einer faulen Ausrede für irgendwie abstruses Drogen-Verhalten. Ob dieses Verhalten dabei noch etwas mit der tatsächlichen Wirkung zu tun hat, scheint nebensächlich zu sein. Und so kommt es dann auch zu Szenen wie dieser. Emilio Estevez tanzt sich nach einer Tüte wie von der Pep-Tarantel gestochen durch den „Breakfast Club“. Riiiight.

 

 Fake-Kiffer-Klischee Nummer 5

Ernsthaft, was geht mit den ganzen Tieren?

 Ich lasse da nicht locker! Was soll die blöde Tier-Nummer? Der Hund ist dicht und kifft, und das gehört in eine Kiffer-Komödie genau weil….na…nichts…ok?

 

 Fake-Kiffer-Klischee Nummer 6

Kiffen macht aus jeder Party Sodom und Gomorrha

Ok, vielleicht leuchtet dieses Beispiel etwas besser ein, wenn wir es kurzerhand in die Realität verlegen. Stellt euch einfach mal vor, ihr würdet eine Party schmeißen und die Nummer ist ein echter Rohrkrepierer. Nervöse Blicke zum Boden, angestrengter Smalltalk, keiner tanzt, die ersten Gäste schauen auf die Uhr. Der Alkohol fließt zwar in rauen Mengen, doch irgendwie in heute Abend der Wurm drin. Doch plötzlich klingelt es an der Tür und so ein Typ steht da. Er macht einen Joint an, jeder zeiht mal dran - und BOOOM! It is on, Baby! Die Leiber zucken über den Dancefloor, alle sind krass notgeil und irgendwo geht die erste Scheibe zu Bruch. Cannabis macht jede Party zu einem hedonistischen Hit. Stimmt. Genauso ist es. Genau SO!

 

 Fake-Kiffer-Klischee Nummer 7

Afro-Amerikaner sind besonders „witzige“ Kiffer

Sie drehen die dicksten Tüten, rauchen absurde Bong-Konstruktionen und lachen meist hysterisch bevor sie nach einem zu krassen Zug mit verdrehten Augen in Ohnmacht fallen. Aus unerfindlichen Gründen hat es die Afro-Amerikaner bei der Darstellung des Klischee-Kiffers besonders hart getroffen. Nach dem traurigen Reglement jeder x-beliebigen Kiffer-Klamotte tauchen sie meist als paranoide Sidekicks, überambitionierte Sport-Kiffer oder fiese Gangster, die dem Zuschauer Slo-Mo-Rauch ins Gesicht blasen, auf. Das ist nichts anderes als dumpfer Kiffer-Rassismus und nur noch bedauerlich. Marlon Wayans Rolle in „Scary Movie“ hat dieses Klischee wohl auf die Spitze getrieben. Aua!

 

 Fake-Kiffer-Klischee Nummer 8 

Jackie Chans Friedenspfeife blubbert

Eh ja. Das musste hier irgendwie auch rein. Stellvertreten für jeden blöden, informierten Kiffer-Witz, der eigentlich nur aus dem Hirn eines Fünfjährigen stammen kann.

 

 Fake-Kiffer-Klischee Nummer 9

Alle Kiffer sind gleich! 

Man sollte meinen, dass sich mit Legalisierung der Droge in Teilen der USA in puncto Kiffer-Klischees noch einmal etwas tun würde. Doch selbst jüngere Filme wie „Pineapple Express“, „This is the End“ oder der bald startende „American Ultra“ zeigen, dass Hollywood letztlich immer noch auf der gleichen Basis operiert. Die meisten Film-Kiffer sind mehr oder weniger Hippies oder zumindest anti-aggressive Schlonze. Sie werden als latent unmotiviert porträtiert, leben in eher prekären Umständen, tragen oft  Jogging-Hosen, haben kaum Pläne für die Zukunft, hören leidenschaftlich gern Musik und können sich für die kleinen Dingen des Lebens begeistern. Mit anderen Worten: Alle Kiffer sind gleich. Hollywoods Kiffer-Klischees stammen im besten Fall aus den den 70er Jahren. Zeit hier mal kräftig durchzulüften.

 

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