So erschreckend sind die Arbeitsbedingungen für Anime-Künstler in Japan

Alexander Gehlsdorf 3

Traumindustrie Anime. Viele wünschen sich nichts sehnlicher als selbst am nächsten Studio-Ghibli-Meisterwerk mitzuarbeiten. Doch die Realität ist ernüchternd.

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Thomas Romain ist ein französicher Anime-Künstler, der seit 2003 in Tokyo lebt und arbeitet. Auf seinem Twitter-Kanal gibt er regelmäßig Einblicke in seine Arbeit, im Interview mit Kotaku offenbarte er allerdings die Kehrseite seines Berufs.

So gilt die Produktion von Anime in Japan als regulärer Job; die exotische Faszination, die Europäer mit dem Genre assoziieren, existiert in Japan nicht. Zudem verdienen die Mitarbeiter nur verschwindend geringe Löhne: In den ersten Jahren in der Branche ist es praktisch nicht möglich, ein ausreichendes Einkommen für den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Dazu kommen die extremem Arbeitszeiten. Unbezahlte Überstunden, Nachtschichten und Arbeit an Feiertagen ist die Regel, nicht die Ausnahme. Romain arbeitete sogar an seinem Hochzeitstag. Viele Arbeiter leben im Studio, übernachten in Schlafsäcken und kehren nur einmal die Woche in ihre Wohnungen zurück. Wenn sie denn Wohnungen haben — Romain berichtete unter anderem von Kollegen, die in Manga-Cafés übernachten und öffentliche Badehäuser nutzten.

Auf der anderen Seite lobt Romain die Arbeitsmoral und den Respekt unter den Kollegen. Da alle gleichermaßen unter den schwierigen Bedingen arbeiten, gehen alle Mitarbeiter sehr freundlich miteinander um. Zudem merke er immer wieder, wie viel den Angestellten ihre Leistung und ihre Arbeitsergebnisse bedeuten.

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Weiterhin lobt er, dass die harte Arbeit auch belohnt und wertgeschätzt wird. Wer solide Ergebnisse liefert, braucht sich in der Branche nie um Arbeitslosigkeit Gedanken machen, da in der Anime-Produktion konstant Mitarbeiter gesucht werden. Stimmen zudem die Sprachkenntnisse, eröffnen sich nach einigen Jahren auch bessere Positionen — etwa Regie — und ab diesem Punkt reicht auch das Gehalt für den Lebensunterhalt.

Hast du dir die Arbeitsbedingungen in der Anime-Produktion auch so belastend vorgestellt oder kommt ein Beruf in dieser Branche für dich noch immer in Frage?

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