Samurai Drive (Fujiko Kosumi)

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In der Welt von Samurai Drive ist es im Japan von heute den ehrwürdigen Nachfahren der Samurai immer noch gestattet, auf offener Straße ein Schwert zu tragen. Viele Dojos und sogar eine besondere Schule widmen sich nur den Schwertträgern, sodass sie ihre Kunst verbessern und ausüben können. Zunächst wurden diese Personen von anderen, die dieses Privileg nicht besaßen, mit Respekt und Ehrfurcht behandelt – doch nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem der berühmteste und angesehenste Schwertträger namens Seishiro Shindou in den Verdacht geriet, einen unschuldigen Bürger kaltblütig ermordet zu haben. Ein Urteil fällt jedoch nicht – denn er wird kurz danach selber getötet, weshalb die Wahrheit nie ans Licht gelangen konnte. Seit dieser Zeit werden etliche Stimmen lauter, die gegen diese Tradition sind und alle Schwertkämpfer als eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen.
Dies geht so weit, dass sich selbst einflussreiche Familien, die selber dieses Privileg besitzen, auf die Seite der Bürger stellen und eine Abschaffung erwirken wollen – viele davon, die sogenannten Radikalen, jedoch mit perfiden Hintergedanken. So soll es nur eine Teil-Aufhebung geben, weshalb nur ausgewählte Träger weiterhin ein Schwert führen dürfen, um die Allgemeinheit zu beschützen. Dies dient nur dem Zweck, dass sie am Ende alle Fäden in der Hand hätten und die Politik und die Gesellschaft so lenken könnten, wie sie es gerne wollen. Deswegen verurteilen sie den verstorbenen Seishiro auch und nehmen ihn als Paradebeispiel dafür, warum ein neues Gesetz von Nöten und die Gefahr allgegenwärtig ist.
Die wenigen Träger, die ihr Privileg nicht zum Bösen missbrauchen wollen, versuchen deshalb alles, um ihre Schwertschule namens Shiseikan und ihren Ruf aufrecht zu erhalten. Die Protagonisten dieser Bewegung sind vor allem Haruma Kokonoe, dessen einziges Ziel es ist, Seishiros Namen reinzuwaschen – denn er ist ein ehemaliger Schüler des Meisters, hat sogar sein Schwert geerbt und verehrte ihn wie einen Vater oder einen besseren, großen Bruder, als den, den er bereits besitzt und welcher sich auf die Seite der Radikalen stellt. Er ist der stärkste aus seinem Jahrgang auf der Shiseikan, doch er ist launisch und aggressiv, weshalb er wenig Freunde und Verbündete hat – bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein neuer Schüler namens Ibuki Takahara die Schule betritt. Dieser schließt sich Haruma – obwohl sie zwei völlig unterschiedliche Charaktere sind – sofort an, nachdem er erfährt, welche Passion Haruma antreibt. Ibuki weiß ebenfalls, dass die Geschichten, die über Seishiro verbreitet werden, nicht wahr sind und möchte Haruma bei seiner Mission folgen.
Doch die Situation in Japan spitzt sich zu und die Stimmung ist geladen. Der Gegenwind, den die Shiseikan erleben muss, wird immer stärker und ihr Anführer, Jin Saito, stoßen immer mehr auf Widerstand. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass Jin als Seishiros Nachfolger angesehen wird. Dies führt ebenfalls dazu, dass Haruma nicht besonders gut auf Jin zu sprechen ist, obwohl jener stets versucht, seinen Mitschüler zu unterstützen – mit einer Ausnahme. Jin trägt den Schlüssel zur Wahrheit in seinem Herzen, welcher die gesamte Geschichte maßgeblich beeinflusst und durch die Offenbarung jener die ganze Komplexität und extreme Tiefe von Samurai Drive dem Leser erst bewusst wird, die anfangs gar nicht vermutet werden kann.
Die Übermacht, der sich die Shiseikan stellen muss, scheint immer größer zu werden, doch die Schüler geben nicht auf. Sie würden niemals an eine Niederlage denken und setzen alles daran, ihre Schule und sich selbst zu bewahren.

Ich muss zugeben, dass mir Samurai Drive am Anfang wie ein seichter Action-Manga mit ein paar Shonen Ai-Anekdoten vorkam, der rein gar nichts neues zu erzählen hatte. Doch mit jedem Kapitel wurde klar, dass es sich um eine schwere Tragödie handelt und Samurai Drive bitterernst und so gesellschaftskritisch ist, wie ich es noch nicht in einem Manga erlebt habe. Die Atmosphäre wird von Seite zu Seite schwerer und Fujiko Kosumi schafft es, dass der Leser rasch begreift, welche Tragweite einzelne Taten haben können. Die Charakterentwicklung ist großartig, denn jeder von ihnen geht anders mit den Situationen um – weshalb einige deutlich nicht damit klarkommen und sich ihren eigenen Dämonen stellen müssen. Dies geschieht sehr realistisch und der Leser dadurch eine Verbindung zu vielen Charakteren aufbauen kann.
Fujiko Kosumi arbeitet außerdem gerne mit Symbolik. Der Konflikt der beiden Brüder Haruma und Yukinari wird zum Beispiel so verdeutlicht, dass Yukinari stets dunkel und finster erscheint, während Haruma als Licht und strahlend dargestellt wird. Gut und Böse, Helligkeit und Finsternis. Das gleiche lässt sich auf Haruma und Jin übertragen, wobei Jin nicht zu den bösen gehört, sondern den dunklen, schweren Teil der Seele des Menschen darstellt. Jener ist nicht so weltfremd, rein und naiv wie Haruma. Aus diesem Grund hat Seishiro ihm auch sein schwarzes Schwert – mit dem er bestimmte Missionen vollzogen hat, auf die ich hier nicht eingehen kann, ohne einen wichtigen Part der Geschichte zu verraten - vermacht, während Haruma das helle erhalten hat.
Der Kurs, den Samurai Drive ab einer bestimmten Stelle in der Geschichte einnimmt, ist sehr tiefgründig und philosophisch. In den ersten zwei Bänden mag das nicht klar werden, doch jeder sollte der Geschichte eine große Chance geben. Die Serie ist, wie gesagt, so tief und kritisch, wie es kaum ein anderer Manga bisher geschafft hat und trumpft mit beeindruckend vielen, starken Charakteren auf, die allesamt nachvollziehbar und absolut nicht austauschbar sind. Dies ging so weit, dass beim Tod eines der Figuren, ich den Manga weglegen und mich erst einmal beruhigen musste, weil es mir so leidgetan hat. Das schaffen nun wirklich nicht viele Geschichten mit mir.
Jedem, der eine Geschichte mit überraschend viel Tiefgang und tollen Figuren sucht, lege ich Samurai Drive vollends ans Herz.

In Deutschland sind mittlerweile alle acht Bände bei Tokyopop erschienen. Hier könnt ihr den ersten Band kaufen.

Aus Lizenzgründen dürfen wir leider keine Artworks zu Samurai Drive präsentieren. Das Cover und die Innenseiten wurden von Tokyopop bereitgestellt. 

SAMURAI DRIVE (c) Fujiko KOSUMI 2010 / KADOKAWA CORPORATION    

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