Anime Awesome: Kill La Kill - Der Anime-Anime

Robin Schweiger 10

Wenn ich auf der Straße irgendjemanden nach der Definition von „Anime“ fragen würde, käme dabei wohl eine ziemlich exakte Beschreibung von „Kill La Kill“ heraus. Anime, das sind doch diese Serien mit den übertriebenen Kämpfen, halbnackten, unnatürlich proportionierten Frauen in viel zu knappen Kostümen und infantilem Humor? Diese Serien, die die japanische Nerd-Kultur in wenigen Minuten zusammenfassen?

Anime Awesome: Kill La Kill - Der Anime-Anime

Ja, all das ist „Kill La Kill“ - doch jedes dieser Elemente wurde sehr bewusst ausgewählt und bis auf die Spitze getrieben, um die daraus entstandene Kombination zu einer wunderbaren Parodie zu formen. Wenn zwei Schwerter aufeinanderprallen, dann entsteht nicht nur eine Druckwelle, nein, es entsteht eine Explosion, die wiederum explodiert und zu einer neuen Explosion führt. Wenn sich Heldin Ryuko Matoi mit ihrer Kampfuniform breit macht, dann ist diese so knapp geschnitten, dass es sogar ihr selbst peinlich ist.

„Kill La Kill“ klaubt sich die bekanntesten Genre-Elemente aus Magical Girl- und Shonen-Animes, führt sie vorbei an etablierten Grenzen immer weiter ins Extreme und wirft sie in jeder der bisher erschienenen 25 Episoden mit so einem Tempo zurück in das Gesicht des Zuschauers, dass man nach der zweiten aufeinanderfolgenden Episode dringend eine Pause braucht, um nicht an diesem bildlichen Zuckerschock zu Grunde zu gehen.

„Kill La Kill“ ist der pure Wahnsinn. Und das meine ich tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes: Nichts an diesem Anime ist normal oder in einer klassischen Kritik nachvollziehbar beschreibbar. Deswegen versuch ich es anders:

In Kill La Kill wir sehen eine Schule und ein gigantischer Offizier kommt in einen Klassenraum und jagt einen Schüler, der eine Uniform geklaut hat, die ihn stärker macht und OMFG JETZT WIRFT ER IHN MIT IRGENDEINER PEITSCHENWAFFE HUNDERTE METER DURCH DIE LUFT UND GEGEN EINE WAND UND JETZT IST ER NACKT UND AUF DEM DACH DER SCHULE STEHT EINE FRAU UND DIE SAGT SACHEN WIE „FEAR IS FREEDOM!“ UND JEDER CHARAKTER WIRD MIT EINER GIGANTISCHEN SCHRIFTTAFEL EINGEFÜHRT DIE SOFORT WIEDER VERSCHWINDET UND OH MEIN GOTT ÜBERALL SIND BILDER UND GERÄUSCHE UND ALLES IST SO SCHNELL HILF…

Das ist „Kill La Kill“. „Kill La Kill“ wird nicht durch seinen Plot, seinen selbstreferenziellen Fanservice, seine Charaktere oder seine Dialoge zu so etwas Besonderem. Was da auf dem Bildschirm passiert, ist sekundär: Wie es passiert ist das Wichtige. In einem einzigartigen Bilderrausch sind keine zwei Szenen gleich animiert – Charaktere wachsen zu Giganten oder werden klein wie Mäuse, es geht von flüssig animierter CGI-Animation zum ruhigen Standbild über zur verrücktesten Kampfsequenz, die ihr je gesehen habt – alles innerhalb weniger Sekunden.

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„Kill La Kill“ fährt mit 500 Km/h geradeaus und wer nicht mithalten kann, der wird halt ohne zweiten Gedanken zurückgelassen. Wenn es eine Serie heute noch schafft, mich über ihre gesamte Laufzeit mit offenem Mund und sprachlos auf den Bildschirm starren zu lassen, dann werte ich das durchaus als Erfolg.

„Kill La Kill“ könnt ihr euch legal bei Daisuki ansehen oder bis Sommer warten, wenn die Serie hierzulande auf DVD und Blu-ray erscheint.

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