Anonymus

Robin Böhm

Das Wichtigste zuerst: Nein, „Anonymus“ hat nichts mit der gleichnamigen Hacker-Gruppierung zu tun. Die zweite Überraschung folgt unmittelbar danach: Roland Emmerich sitzt auf dem Regiestuhl und trotzdem wird keine einzige Stadt zerlegt – ganz im Gegenteil.

Bei „Anonymus“ handelt es sich um einen politischen Thriller zu Zeiten Queen Elizabeth I. Bis heute sind sich die Gelehrten uneinig darüber, ob William Shakespeare (Rafe Spall) tatsächlich der Autor solcher Werke wie „MacBeth“ war – oder ob sich Edward de Vere, Earl von Oxford (Rhys Ifans, „Notting Hill“) ursprünglich dafür verantwortlich zeigte. Emmerich greift diese Diskussion auf und spinnt daraus eine Geschichte um politische Intrigen, die sich um die Nachfolge von Queen Elizabeth I. (Vanessa Redgrave, „Briefe an Julia“) ranken.

Ungewöhnlicher hätte Roland Emmerichs nächstes Projekt kaum werden können. Nach Filmen wie „Independence Day“, „10.000 B.C.“ oder „2012“, die vorzugsweise für ihre Spezialeffekte, aber in keinster Weise für ihre Geschichte oder Dialoge bekannt sind, wirkt ein Historiendrama im alten England höchst überraschend. Kaum war der Film angekündigt, gab es auch schon die ersten Proteste. Während sich „Anonymus“ nämlich klar auf die Seite der Theorie, laut der Edward de Vere der Autor von Shakespeares Werken war, stellt, widersprechen dem viele Akademiker. Anno 2007 stand David Fincher vor dem selben Problem, als er mit „Zodiac“ die Geschichte einer Mordserie erzählt, die nie aufgeklärt wurde. Während der Film dort eine Antwort auf die Frage „Wer?“ schuldig bleibt, bezieht Emmerich klar Stellung.

„Anonymus“ wurde für schlappe 30 Millionen Dollar in Babelsberg gedreht und startet bei uns am 13.10.2011. In weiteren Rollen spielen Jamie Campbell Bower („Sweeney Todd“), David Thewlis („Naked“) und Joely Richardson („Der Patriot“).

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