Batman V Superman: Dawn of Justice Filmkritik: Unsere spoilerfreie Kritik zum großen Superhelden-Event

Tobias Heidemann 67

Irgendwann, ganz am Anfang, als sich Autoren und Produzenten zum ersten Mal zusammensetzten, sollte dieser Film einmal eine Fortsetzung zu „Man of Steel“ werden. Ein gottgleicher Superman, so die Idee, lernt die andere, die dunkle Seite seiner Schutzbefohlenen kennen und wird von der Menschheit als falscher Messias vom Himmelsthron gestoßen. Gute Idee! Aber Marvel schläft bekanntlich nicht. Wer kommerziell mithalten will, der muss eben All-In gehen. Und so wuchs das Projekt.

Erst kam Batman hinzu und flankierte den Konflikt zwischen Superman und der Menschheit. Und wer Batman einführt, der bekommt halt auch Gotham und die psychologischen Fledermäuse in Bruce Waynes Keller obendrauf. Dann sollte auch noch „Wonder Woman“ mit von der Partie sein und wo man schon mal dabei war, wurde auch gleich noch das konzeptionelle Fundament der „Justice League“ mit in den Film gelegt.

Für Zack Snyder wurde “Batman V Superman: Dawn of Justice“ durch diesen zusätzlichen Ballast zu einem dramaturgischen Eiertanz. Hat man den Film gesehen, wird leider sehr schnell klar: Die meisten Eier hat der Mann fallen gelassen.

Spüren kann man den dramaturgischen Gleichgewichtsverlust schon sehr früh. Dann nämlich, wenn man Snyder dabei zusehen muss, wie er eine seiner hervorstechenden Qualitäten an die nochmalige Aufbereitung der Origin-Geschichte von Batman verschenkt. Wenn Synder etwas kann, dann gute Expositionen inszenieren. Die spartanische Feuertaufe in „300“ oder das historische Zeitlupen-Panorama in „Watchmen“, kaum ein Blockbuster-Regisseur versteht sich derzeit so gut darauf, symbolträchtig und ästhetisch pointiert in einen Film einzuführen.

Schade also, dass Snyder dieses Können in “Batman V Superman: Dawn of Justice“ an etwas vergeudet, das wir schon dreimal gesehen haben und dem auch Snyder selbst so gar nichts mehr hinzuzufügen hat. Die Einleitung wirkt wie ein vom Studio aufgezwungenes Pflichtprogramm. Schon hier, in den ersten Minuten des Films wird deutlich, wie oft sich das mit Franchisebedenken heillos überfrachtete Script von „Batman V Superman: Dawn of Justice“ im Laufe des Films selbst im Weg stehen wird.

Bilderstrecke starten
10 Bilder
Von Kritikern zerrissen, vom Publikum geliebt: 10 Filme, die trotz schlechter Kritiken zum Kassenschlager wurden.

Batman V Superman: Dawn of Justice Filmkritik: Kaputte Eier

Zwar gibt sich der Film einige Mühen, den Konflikt zwischen den beiden titelgebenden Comichelden als das zentrale Thema des Films zu etablieren, doch die regelmäßigen Exkurse in Bruce Waynes Hintergrundgeschichte, in Clark Kents Privatleben, in Louis Lanes investigativen Journalismus, in die politische Anti-Superman-Kampagne der Senatorin Finch oder in das sinistere Verwirrspiel von Lex Luthor – das alles verhindert die Entfaltung einer packenden Geschichte mehr, als dass es sie unterstützen würde. „Batman V Superman: Dawn of Justice“ fühlt sich unübersichtlich, inkonsistent und bisweilen schlichtweg verwirrend an.

Zum Beispiel dann, wenn die geplanten Franchise-Auskopplungen der „Justice League“ mit Hilfe einer düsteren Zukunftsvision in der Mitte des Films kurz und gänzlich unvermittelt angeteast werden sollen. Hier werden selbst Hardcore-DC Fans auf eine schwere Verständnisprobe gestellt. Die Sequenz selbst wie auch ihre Einlassung in den Kontext der Handlung von „Batman V Superman: Dawn of Justice“ wirkt seltsam stümperhaft und undurchdacht.

Batman v Superman: Dawn of Justice Trailer #2.

Gleiches gilt leider auch für die im Vorfeld von den Fans viel diskutierten Cameos von Flash, Cyborg und Aquaman, wie auch für eine unnötig komplizierte Finte im ersten Drittel des Films, mit welcher Lex Luthor Superman das juristische Handwerk legen möchte. Alles letztlich redundante Story-Verästelungen, die in ihrer Gesamtheit dazu führen, dass sich “Batman V Superman: Dawn of Justice“ über weite Teile wie ein unsortiertes Puzzle und nicht wie packender Abenteuerfilm anfühlt. Es fehlt an Übersicht und Sog.

Dass man Regisseur Zack Synder beim Zusammensetzen seines überfrachteten Plots im Kopf oft selbst unter die Arme greifen muss, tut der unmittelbaren Kinoerfahrung natürlich gar nicht gut. Immer wieder stößt man auf kleine und große Logiklöcher oder wird von erzählerischen Unsauberkeiten aus der Bahn geworfen.

Kaum Gefühle

Oder aber man fragt sich, warum man einem das großspurig inszenierte Geschehen auf der Leinwand so kalt lässt. Gefühle werden, wenn überhaupt, nur am Ende geweckt. Weder gelingt es Synder dem Zuschauer bis zum großen Aufeinandertreffen von Batman und Superman eine emotionale Parteilichkeit abzutrotzen, noch nimmt man den Figuren die permanent behauptete, innere Zerrissenheit ab.

Supermans heftiges Ringen um die Gunst der Menschen, die er beschützen will, wird von dem gelungenen Soundtrack zwar fortwährend als große Gefühlslast inszeniert, im Gesicht von Schauspieler Henry Cavill findet davon aber kaum etwas statt. Selbst Clark Kent, Supermanns menschliche Seite, darf sich in diesem Film kaum noch emotional regen.

Bruce Wayne ist dagegen viel zu oft damit beschäftigt, verbraucht und menschlich ausgerbrannt zu wirken. Auch wenn Ben Affleck seine Sache sehr gut macht (!), über den erzürnten Blick in Richtung Superman, den wir alle ja schon aus dem Trailer kennen, kommt er im Rest des Films leider nicht mehr hinaus.

Bleibt somit nur Lex Luthor als menschlicher Reibungspunkt. Dass sich das Publikum an Jesse Eisenbergs Performance reiben dürfte, steht dabei schon Mal außer Frage. Eisenberg spiel Luthor nämlich wie einen Borderline-Facebook-CEO, was bisweilen etwas dick aufgetragen wird und mit der Comic-Vorlage kaum noch etwas zu tun hat.

batman_v_superman-10

Dem Film tut Eisenberg aber tatsächlich ganz gut. Dass diese Luthor-Variante aufgeht, hat viel mit der stimmigen Psychologie dahinter zu tun. Eisenberg begibt sich mit seiner Figur auf eine irre Mission, die – wenn auch vom lediglich behaupteten Wahnsinn geleitet – in ihrer Gehässigkeit irgendwie nachvollziehbar ist. Zudem befreit Luthor die Handlung von “Batman V Superman: Dawn of Justice“ zum richtigen Zeitpunkt aus einem großen Erklärungsnotstand. An dieser Stelle möchte man Aufatmen und sich persönlich bei Luthor dafür bedanken, dass er den beiden Helden einen Grund zum Kämpfen gibt.

Fazit

Zum Glück wird ein Großteil der dramaturgischen Probleme unter denen dieser arg unterkühlte Superheldenfilm leidet auf der pompösen Zielgeraden irrelevant. Mit der Entfesselung von Doomsday findet Zack Snyder erstmals den Fokus in seiner Regie und kann der Action das Ruder überlassen. Und hier macht “Batman V Superman: Dawn of Justice“ dann auch zum ersten Mal richtig Spaß. So ist vor allem der Auftritt von Wonder Woman der klare Höhepunkt des Films. Im Krater ihrer wuchtigen Erscheinung fragt man sich dann allerdings auch, warum man fast zwei Stunden warten musste, um sich gut unterhalten zu fühlen.

Was der Film in der Zeit davor leistet, das leidet leider viel zu sehr unter dem schwammigen Themenfokus und der gefühlsarmen Inszenierung seines Regisseurs. Am Ende ist “Batman V Superman: Dawn of Justice“ somit ein Film geworden, der trotz guter Ansätze, trotz guter Darsteller und trotz guter Absichten einfach nie wirklich unter die Haut zugehen vermag. Und das ist, gerade im Anbetracht seiner visuellen Reize und seiner stimmigen Stilentscheidungen, eine kleine Tragödie.

rating6

 

08d16d4567f303c46f16a66041eca2f620352f4b

Welche Superhelden-Fähigkeit hättest du?

Sagen wir, es passiert auf dem Heimweg. Ein tragischer Unfall. Vielleicht etwas mit Chemikalien. Oder eine Mutation. Vielleicht bist du aber auch einfach auserwählt worden. Jedenfalls, als du wieder zu dir kommst, ist es passiert. Du hast dich verändert. Du hast eine besondere Fähigkeit. Eine Superkraft! Welche das wäre, das kannst du jetzt mit unseren Quiz herausfinden. Welche Superhelden-Fähigkeit hättest du?

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA FILM

  • ProSieben Fun empfangen: Pay-TV-Sender im Stream & TV sehen

    ProSieben Fun empfangen: Pay-TV-Sender im Stream & TV sehen

    Der Name ist bei dem Pay-TV-Sender „ProSieben Fun“ Programm: Mit jeder Menge Sitcoms und Comedy-Shows gibt es hier vor allem etwas für die Lachmuskeln. Im Abendprogramm darf es dann aber auch etwas actionlastiger werden. Wie ihr Pro7 Fun empfangen und im TV oder per Live-Stream sehen könnt, erfahrt ihr hier.
    Thomas Kolkmann
  • Sat.1 Emotions empfangen: Pay-TV-Sender im Stream & TV sehen

    Sat.1 Emotions empfangen: Pay-TV-Sender im Stream & TV sehen

    Wie der Name schon sagt, bietet der Pay-TV-Sender „Sat.1 Emotions“ vor allem große Gefühle mit einer Extraportion Herzschmerz, aber auch die eine oder andere Serien-Premiere findet hier statt. Wie ihr Sat.1 Emotions empfangen und so im TV oder per Live-Stream sehen könnt, erklären wir euch in folgendem Ratgeber.
    Thomas Kolkmann
  • Neu auf Netflix – Juli 2019: Alle Film- und Serien-Neuheiten

    Neu auf Netflix – Juli 2019: Alle Film- und Serien-Neuheiten

    Auch wenn rein quantitativ im Juli ein paar Serien weniger auf Netflix landen, kann qualitativ keine Rede von einem Sommerloch sein. Wenn draußen wieder die Hitzewelle tobt, könnt ihr euch mit den neuen Serien und Filmen auf Netflix im Juli 2019 im (hoffentlich) wohltemperierten Wohnzimmer abkühlen.
    Thomas Kolkmann 25
* Werbung