Better Call Saul Kritik: So war Staffel 1 des Breaking Bad-Spin-offs

Marek Bang

Die erste Staffel des lang erwarteten „Breaking Bad“-Prequels „Better Call Saul“ ist abgeschlossen und wir ziehen ein Resümee. Ob uns die Geschichte des erfolglosen Anwalts Jimmy McGill alias Bob Odenkirk und seine (langsame) Wandlung zu Saul Goodman bislang überzeugen konnte, erfahrt ihr in der gemeinsamen Kritik zu Staffel 1 von „Better Call Saul“  von Philipp und Marek.

Better Call Saul Kritik: So war Staffel 1 des Breaking Bad-Spin-offs
Bildquelle: © AMC.

Achtung: Da es sich um eine Serien-Kritik handelt, können Spoiler folgen!

„Better Call Saul“ ist gefühlt gerade erst angelaufen und schon sind die ersten zehn Episoden des  „Breaking Bad“-Spin-offs gesendet und Staffel 1 Geschichte. Nachdem „Breaking Bad“ mit Preisen überhäuft wurde und nahezu jeder Serien-Fan über die Geschichte der Wandlung des biederen Chemie-Lehrers Walter White (Bryan Cranston) zum eiskalten Drogen-Baron Heisenberg in den höchsten Tönen schwärmt, war die Erwartungshaltung an den Nachklapp „Better Call Saul“ natürlich groß. Wir haben die Serie geschaut und ziehen nun ein erstes Fazit. (Unsere „Better Call Saul“-Recaps zu jeder bisher ausgestrahlten Folge sind natürlich weiterhin verfügbar!)

Philipp: „Better Call Saul“ ist kein Fan-Dienst, sondern eine gute und ernstzunehmende Serie

Mit Saul Goodman schufen Vince Gilligan als kreativer Kopf und Bob Odenkirk als ausführender Darsteller eine Figur, die im Serien-Universum für immer im Gedächtnis bleiben wird. Das war allerdings schon zu „Breaking Bad“-Zeiten der Fall, als der windige Advokat zum ersten Mal auftrat und fortan Walter White und Co. das Leben etwas erleichterte. Saul Goodman war und ist einzigartig. Eine Serie, die seine Vergangenheit beleuchtet schien nur auf den ersten Blick etwas unnötig.

Hier geht es zum Interview mit Mike Ehrmantraut-Darsteller Jonathan Banks

Denn besonders die letzten Sequenzen mit Saul Goodman in „Breaking Bad“ offenbarten, dass der Charakter mehr ist als ein schneidiger, gewitzter, aber auch ängstlicher Anwalt. Wir sahen Saul Goodman menschlich. Es ist dieser Aspekt, der nun in der ersten Staffel von „Better Call Saul“ in seiner Vollständigkeit zum Tragen kommt. Wir lernen Jimmy McGill, nicht Saul Goodman, kennen. Auch wenn Slippin‘ Jimmy einige kriminelle Tätigkeiten auf der Liste hat, ist er in „Better Call Saul“ ein Anwalt, der Erfolg haben möchte, um von seinen Mitmenschen – allen voran seinem Bruder Chuck (Michael McKean) – respektiert zu werden. Doch Jimmy ist zeitgleich auch ein Mensch, dem das Schicksal nicht immer freundlich mitspielt – gut für die Serie! Zwar kann „Better Call Saul“ auch durch humoristische Elemente und „Breaking Bad“-Anleihen punkten, doch es ist die Großaufnahme von Jimmy, die beeindruckt.

Zum Tragen kommt dies insbesondere zum Ende der Staffel, als Jimmy seinen Bruder über dessen Denkweise gegenüber dem kleinen Bruder befragt (Szene oben). Jimmy ist in dieser ersten Staffel kein Winkeladvokat. Er ist ein Mensch aus der Masse, der versucht, sich zu beweisen. Das große Lob geht an dieser Stelle an Bob Odenkirk, der sich für mich – auch durch „Nebraska“ und andere Filme – zu einem tragenden Hochleistungsschauspieler entwickelt hat. Zwar enttäuscht das Finale der ersten Staffel von „Better Call Saul“ mich doch etwas, das kann aber den oben genannten Eindruck nicht schmälern!

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Marek: Dank guter Charaktere und starker Momente kann „Better Call Saul“ ein gewisser Leerlauf verziehen werden

Serienschöpfer Vince Gilligan hat es nicht leicht. Mit „Breaking Bad“ gelang ihm ein Meilenstein der neueren Fernsehgeschichte, den er wohl nicht mehr übertrumpfen kann. Dennoch verfügt die Serie über genügend schillernde Figuren abseits von Familie White, sodass ein Spin-off nicht von vorn herein zum Scheitern verurteilt war. Leichter sollte es in „Better Call Saul“ zugehen, war im Vorfeld der neuen Serie immer wieder zu lesen, ebenso wie allerhand Gerüchte, ob wir nochmals in den Genuss von Bryan Cranston kommen würden oder welche weitere Figur aus „Breaking Bad“ ein Comeback feiern könnte. Und dann lief Anfang Februar die erste Episode „Uno“ auf Netflix und wischte mit einem grandiosen Intro alle Zweifel an „Better Call Saul“ imposant vom Tisch. Sauls Leben nach „Breaking Bad“ wurde plötzlich angerissen und die ganze Tragik des Winkeladvokaten war auf einen Schlag wieder präsent.

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Nach dem furiosen Auftakt war plötzlich alles aus „Breaking Bad“ Bekannte und Lieb-gewonnene wieder da und zumindest die erste Episode von „Better Call Saul“ verfügte nicht nur über eine ähnliche Atmosphäre, sondern auch deutlichere Bezüge zum Original als erwartet. Das mag sicher auch daran liegen, dass Vince Gilligan höchstpersönlich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Das tat er aber lediglich in Episode eins und schnell wurde klar, dass es deutlich länger dauern würde, bis aus dem erfolglosen und im Niemandsland von Verachtung und Desinteresse strampelnden Jimmy der windige und charismatische Saul Goodman emporsteigen würde. Etwas unerklärlich folgte rasch ein Tritt auf die erzählerische Bremse und die Umleitung über den gemütlichen „Matlock“-Express sorgte leider für recht viel Stillstand, der nur punktuell mit starken, einzeln verstreuten Momenten durchbrochen wurde. Immer dann, wenn Jimmy seine diabolische Seite andeutete, etwa bei dem fies getürkten Auftritt als Lebensretter in der vierten Episode „Hero“, drosselte eine Rolle rückwärts das Tempo und Jimmy spielte wieder Bingo.

Für viele nostalgische und überzeugende Momente sorgte neben der Hauptfigur natürlich vor allem Mike Ehrmantraut, dessen Vorgeschichte ebenfalls genau beleuchtet wurde und der mit der Episode „Five-O“ das vielleicht (bislang) größte Highlight von „Better Call Saul“ spendiert bekam. Im Gegensatz zu diesem schillernden Charakter drehte sich die erste Staffel der Serie aber auch immer wieder um Jimmys älteren Bruder Chuck, einem eingebildeten Kranken mit Strom-Phobie und ruhmreicher Vergangenheit als Star-Anwalt. Etwas zu ausführlich geriet Jimmys letztlich simpler Kampf um Chucks Anerkennung, der dafür sorgte, dass er immer wieder zögerte, sich voll und ganz in den Graubereich zwischen legalem Engagement und Gangster-Methoden zu begeben. In diesem Handlungsstrang liegt exemplarisch wohl die größte Schwäche von „Better Call Saul“ verborgen, denn oft schleicht sich der Eindruck ein, dass die Hälfte der Zeit ausgereicht hätte, um die Handlung der ersten Staffel mit etwas mehr Dampf zu erzählen. Dass die Serie dennoch einen gelungenen Auftakt hingelegt hat, liegt vor allem an den überragenden schauspielerischen Leistungen von Bob Odenkirk und Jonathan Banks, vielen gelungenen Momenten und nicht zuletzt dem Vorwissen aus „Breaking Bad“, welches uns immer wieder versichert, dass der große Knall noch bevorsteht.

Better Call Saul-Quiz: Teste dein Wissen über Saul Goodman und Co.

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