Black Mass - Kritik: Johnny Depp glänzt in Gangsterfilm nach Schema F

Marek Bang

Das Gangster-Biopic „Black Mass“ wird aktuell als Comeback von Johnny Depp als Charakterdarsteller gefeiert. Ob der Film über den brutalen Bostoner Unterwelt-Boss James Bulger die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik zu „Black Mass“.

Kein Video verpassen? Abonniere uns auf YouTube:

James Bulger (Johnny Depp), von Außenstehenden „Whitey“ genannt, ist ein Arschloch. In den 1970er Jahren hat er es zum Anführer der sogenannten Winter Hill Gang gebracht und terrorisiert seitdem Freund und Feind gleichermaßen. Mit äußerster Brutalität geht der Egomane gegen jeden vor, der in seinen Augen ein potenzieller Verräter sein könnte und greift auch selbst zur Waffe, wenn es die Situation seiner Meinung nach erfordert. Anfangs versucht er sich noch an einem parallelen Leben als Familienvater, doch nach einem tragischen Schicksalsschlag versinkt er endgültig im blutigen Straßenkampf um „Southie“, dem ärmlichen Bostoner Süden. Dabei schmiedet er heimlich eine unheilvolle Allianz mit dem F.B.I., das ihm in Form des so korrupten wie devoten Agenten John Connolly (Joel Edgerton) freie Hand bei der Beseitigung der mafiösen Konkurrenz zusagt.

„Black Mass“  erzählt die klassische Aufsteiger-Geschichte aus dem Gangster-Milieu nach den üblichen Versatzstücken des Genres. In Rückblenden kommen frühere Wegbegleiter zu Wort, die sich entschlossen haben, gegen ihren einst so unantastbaren wie unberechenbaren Paten auszusagen. Ob Türsteher seines Clubs oder engster Vertrauter, alle schildern James Bulger als zwielichtigen Charakter, der zwar immer absolute Loyalität einforderte, letztlich aber eiskalt ausschließlich seine eigenen Ziele verfolgte. Mit einem Bruder (Benedict Cumberbatch) als Senator und seinem Freund beim F.B.I. baute er sich Schritt für Schritt ein Imperium in Boston auf und expandierte schließlich nach Florida, wo er der einheimischen Mafia schnell beibrachte, lieber einmal zu viel zu schießen als einem vermeintlichen Freund eine Sekunde zu lang zu vertrauen.

Johnny Depp mag mit Halbglatze und Goldrandbrille in „Black Mass“ an den zugedröhnten Hunter S. Thompson aus Terry Gilliams Kultfilm „Fear and Loathing in Las Vegas“ erinnern, doch der Star aus „Fluch der Karibik“ verzichtet auf sämtliche Albernheiten und schräge mimische Einlagen und unterwirft sein Spiel ganz seinem Charakter. Diese Rückbesinnung auf seine Stärken als Charakterdarsteller bringen Johnny Depp aktuell viel Kritiker-Lob ein und manche Kollegen bezeichnen „Black Mass“ gar als sein großes Comeback. Das kann man durchaus so sehen, denn die Reduktion auf kleinere Gesten passt perfekt in das atmosphärisch düstere und um Authentizität bemühte Biopic von „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper. Eine vollends überzeugende Offenbarung ist „Black Mass“ als Ganzes dennoch nicht.

Bilderstrecke starten
10 Bilder
Frauenpower: Das sind die 10 coolsten Frauen 2015.

Black Mass: Johnny Depp überzeugt in Gangsterfilm nach bekannten Mustern

Schon der Beginn von „Black Mass“ ist ein Intro wie aus dem Lehrbuch für konventionelle Gangsterfilme. Ein Handlanger der Hauptfigur packt bei der Staatsmacht aus und hofft auf eine großzügige Kronzeugenregelung. Als Rückblende werden dann artig alle Stationen des Auf- und Abstiegs des bösen Buben nachgezeichnet, inklusive Zeitsprüngen und finaler Einblendung der Haft-und Geldstrafen aller Beteiligter. Das führt an der einen oder anderen Stelle dazu, dass „Black Mass“ etwas vorhersehbar geraten ist und auch so seine Längen hat. Dank überzeugender Schauspieler wie Johnny Depp oder auch Kevin Bacon als leitender F.B.I.-Agent und einer schön gediegenen Atmosphäre sowie gut sitzender 1970er-Jahre-Ausstattung hat der Film dennoch einiges zu bieten. Besonders die Verstrickung von Mafia und F.B.I. bekommt genügend Raum, was dem Gangsterfilm zu seinem nötigen Alleinstellungsmerkmal verhilft.

Fazit:

„Black Mass“ ist ein überzeugender Gangsterfilm nach Schema F. Gern hätten wir mehr erfahren über die späten Jahre von James Bulger, als er auf der Flucht von einem Unterschlupf zum anderen schlich. Doch Regisseur Scott Cooper setzt ganz auf sein starkes Ensemble und die detailverliebte, authentische Ausstattung und liefert ein klassisches Biopic über Aufstieg und Fall eines brutalen Unterwelt-Bosses, wie es schon viele vor ihm getan haben. Johnny Depp hingegen befreit sich erfolgreich aus den Fängen von Jack Sparrow und entstaubt den Charakterdarsteller in sich. Seine Leistung ist neben der packenden Schilderung schmutziger Deals zwischen Mafia und F.B.I. das Gelungenste an „Black Mass“ und macht den Film schließlich doch noch einzigartig und damit sehenswert.

rating7

 

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA FILM

  • Niederlande – Deutschland: Highlights des Spiels in der Zusammenfassung (Video)

    Niederlande – Deutschland: Highlights des Spiels in der Zusammenfassung (Video)

    Am gestrigen Sonntag, den 24. März 2019, stand das nächste Länderspiel für die deutsche Fußballnationalmannschaft an. Nachdem man wenige Tage zuvor ein Testspiel gegen Serbien absolviert hatte, ging es nun um die EM-Qualifikation. Hier erfahrt ihr, wo ihr die „Niederlande – Deutschland“-Highlights in der Zusammenfassung abrufen könnt.
    Robert Kägler
  • Death in Paradise: Staffel 8 in Deutschland im TV & Stream

    Death in Paradise: Staffel 8 in Deutschland im TV & Stream

    Die achte Staffel von „Death in Paradise“ ist in Großbritannien bereits gelaufen. Wir müssen uns für die deutsche Ausstrahlung im TV noch bis Mitte des Jahres gedulden. Wann und wo ihr „Death in Paradise“ Staffel 8 im TV und Stream sehen könnt, erfahrt ihr hier.
    Thomas Kolkmann
* gesponsorter Link