Blackhat - Kritik

Jan-Thilo Caesar 1

BLACKHAT Trailer German Deutsch & Kritik Review | Chris Hemsworth 2015 HD.
Sechs Jahre sind ins Land gegangen, seitdem Michael Mann seinen letzten Film, das Gangster-Drama „Public Enemies“ mit Johnny Depp, in die Kinos gebracht hat. Nun meldet sich der Regisseur mit dem Cyber-Crime-Thriller „Blackhat“ zurück.

BLACKHAT Trailer German Deutsch & Kritik Review | Chris Hemsworth 2015 HD.
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Eigentlich müsste Michael Manns John-Dillinger-Biopic „Public Enemies“ zu meinen Lieblingsfilmen zählen: Ich mag so ziemlich alle anderen Werke des Regisseurs, mir gefällt Johnny Depp in Gangster-Rollen und die 30er-Jahre, mit ihren schicken Hüten und lärmenden Tommy Guns, waren für mich schon immer ein großartiges Setting. Trotzdem wollte die Geschichte nicht wirklich in Fahrt kommen, die Charaktere blieben trotz toller Besetzung eher blass und auf technischer Ebene war der Film so ein Reinfall, dass die Blu-ray zurückgegangen ist, weil ich dachte, eine Fehlpressung erwischt zu haben.

Später hab ich dann erfahren, dass die an eine kaputte Videokassetten erinnernde Optik mancher Szenen auf die verwendeten Handkameras zurückzuführen sind, auf die bei „Blackhat“ aber zum Glück verzichtet wurde. Trotzdem wiederholt der Regisseur, der uns einst Filme wie „Heat“ und „Collateral“ beschert hat, einige Fehler der Vergangenheit, die „Blackhat“ zu einem zwiespältigen Vergnügen machen.

Schlimmer als der Sony-Hack

Die Handlung von Blackhat beginnt mit einem Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk in China. Mithilfe von Malware, die von unbekannten Hackern eigespeist wurde, wird eine Fehlfunktion ausgelöst und es kommt zu einer verheerenden Explosion, einem sogenannten Super-GAU. Die chinesischen Behörden stehen vor einem Rätsel. Einige Zeit später manipuliert dieselbe Hacker-Gruppe die Aktienkurse an der Wallstreet, weswegen sich nun auch das FBI einschaltet.

Währenddessen sitzt der talentierte Tastenhengst Nick Hathaway (Chris Hemsworth) eine 15-jährige Haftstrafe für seine Online-Verbrechen ab. Da die Terroristen aber Teile eines Codes verwendet haben, den der Computerexperte vor vielen Jahren entwickelt hat, soll er sich im Auftrag der chinesischen und amerikanischen Ermittler auf Spurensuche machen. Sollte Hathaway die verantwortlichen Verbrecher überführen, erwartet ihn im Gegenzug seine Begnadigung. Bei seiner Mission unterstützten ihn sein alter Studien-Kumpan Chen (Leehom Wang) und dessen Schwester Lien Chen (Wei Tang), die mit Hathaway schließlich trotz aller äußeren Widrigkeiten eine Beziehung beginnt.

„Blackhat“ hat zwar einen etwas gemächlichen Start, nimmt aber später deutlich an Fahrt auf, wenn die Cyber-Schnitzeljagd um den ganzen Globus in Städte wie Hong Kong oder Jakarta führt.

Hetzjagd um die ganze Welt

Während die Suche nach Code-Resten und anderen Hinterlassenschaften der Hacker relativ zäh vonstattengeht und vor allem in langweiligen Büroräumen stattfindet, in denen unsere Helden irgendwelche Zahlenkolonnen auf Computermonitoren anstarren, sind die wohldosierten Actioneinlagen voller Dynamik und erinnern in ihren besten Momenten an Michael Manns Meisterstück „Heat“. Dafür sind vor allem die hervorragenden Soundeffekte verantwortlich, die kraftvoll, brachial und mit großartiger Räumlichkeit aus den Boxen schallen. Die Kameraarbeit kann hier leider nicht mithalten, denn obwohl uns der Regisseur den Einsatz seiner Heimvideo-Kameras diesmal erspart hat, mischen sich immer wieder nervige Wackelattacken in die ansonsten gelungene Kinematographie. Dabei kommen zu allem Überfluss auch noch zwei verschiedene Kameramodelle zum Einsatz, die einfach nicht so wirklich miteinander harmonieren wollen und so für einen sehr inkonsistenten Look sorgen.

Wirklich schade, denn so kann man von den eigentlich gelungenen Actionszenen teilweise kaum was erkennen, wird aber gleichzeitig immer wieder daran erinnert, dass der Film ohne diesen modernen Shaky-Cam-Einsatz richtig toll aussehen könnte. Eine Szene, in der sich der unbewaffnete Chris Hemsworth gegen eine Gruppe Schläger zur Wehr setzt, ist dafür besonders exemplarisch, denn hier weiß man irgendwann wirklich nicht mehr, was da gerade auf der Kino-Leinwand passiert. Dabei ist der 31-jährige Australier eigentlich kein Bruce Willis oder Liam Neeson, denen man solche Stilmittel aufgrund des hohen Alters vielleicht noch verzeihen würde. Obwohl mich Hemsworth vor allem als Charakterdarsteller überzeugt („Rush“!), hat er sich mit seinen Auftritten als „Thor“ schon seine Sporen im Actiongenre verdient und könnte sicher Überzeugenderes abliefern, wenn der Kameramann ihn zwischendurch mal im Fokus behalten würde.

Hacking The Mainframe

Trotzdem gibt es ein paar nette Überraschungen, auch wenn die lang hinausgezögerte Enthüllung des Drahtziehers der Terrorgruppe eine herbe Enttäuschung ist. Wirklich spannend wird es eigentlich zu keiner Zeit, aber vielleicht reicht mein Semester Informatik auch einfach nicht aus, um dem Hacking-Plot genug abgewinnen zu können. Wei Tang als Love Interest überzeugt zwar schauspielerisch, aber die Beziehung mit Hemworths Hathaway kann den Film leider auch nicht über die mehr als zweistündige Spielzeit tragen. Vor allem gegen Ende weiß Michael Mann mit ihrem Charakter nicht mehr viel anzufangen und hat offenbar keine Ahnung, wie er die zierliche Chinesin in die actionreiche Handlung einbinden soll. Wer Dragon“ mit Donnie Yen gesehen hat, weiß was für eine Verschwendung das ist.

Immerhin läuft nicht alles darauf hinaus, dass am Ende irgendein Mainframe gehackt werden muss, wie in den meisten Filmen mit dieser Thematik. Genug Cyber-Crime-Klischees gibt es aber trotzdem. Außerdem frage ich mich auch, warum Hathaway als einziger Experte für den komplizierten Code ständig an die vorderste Front geschickt wird, wo er in ständiger Lebensgefahr schwebt – der Mann ist Hacker und kein SWAT-Einsatzleiter. Vor einem Computerdisplay wäre er eigentlich viel besser aufgehoben, immerhin hängt die ganze Mission von seinem Wissen und nicht von seinen Fäusten ab. Insgesamt kann man für „Blackhat“ also nicht wirklich eine Empfehlung aussprechen - möglicherweise für die Heimkino-Auswertung, wenn man was für die Filme von Michael Mann übrig hat oder sich für derartige Plots interessiert und einige unglaubwürdige Momente verzeihen kann. Ein Must-See ist „Blackhat“ aber definitiv nicht.

rating5

 

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