Na, auch genervt vom angepasst-artigen Comedy-Quark? Der schöne Schein der Sitcom-Hölle löst nur noch Brechreiz aus? Keinen Bock mehr auf Menschen, denen immer alles gelingt, die viel zu gut aussehen und viel zu wenig arbeiten müssen? Die ständig nur in absurd eingerichteten Apartments miteinander abhängen und sich über den banalsten Scheiß der Welt unterhalten, ANSTATT SICH WIE UNSEREINS ZUR ABWECHSLUNG MAL MIT ECHTEN PROBLEMEN AUSEINANDERZUSETZEN? Sorry. Naja, jedenfalls, wir hätten da was für euch. Hier sind fünf Comedy-Serien, die anders sind. Es sind fünf Serien, die jenseits der Grenzen des guten Geschmacks arbeiten und auf politische Korrektheit pfeifen, damit sie am Ende ein kleines bisschen Authentizität für sich behaupten dürfen. 

Gute Serien für Schlechte Menschen.

You´re the worst: erstmal nur bumsen

Mit Romantik braucht man Gretchen (Aya Cash) und Jimmy (Chris Geere) nicht kommen. Als sich die beiden auf der Hochzeit eines Freundes zum ersten Mal treffen - nachdem Jimmy mit den ausliegenden Wegwerfkameras dutzende Fotos von seinem Penis gemacht hat und Gretchen eine Kaffeemaschine geklaut hat - ist die Gemeinsamkeit schnell gefunden: Romantische Liebesbeziehungen können und wollen sie nicht eingehen. Warum auch. Gretchen und Jimmy sehen die Welt der Liebe eben wie sie ist. Voller Lügen, alberner Rituale und unangenehmer Nähe. Die Nacht verbringen die beiden überzeugten Solisten dann doch miteinander.

Was passiert, wenn sich zwei anti-romantische Schmuddelkinder wider der eigenen Vorsätze plötzlich doch in einander verlieben, davon erzählt „You’re the Worst“ bravurös, pointiert und…man ahnt es bereits…auf sehr romantische Weise. Die zweite Staffel der hippen Comedy-Serie legt noch einmal eine Schippe drauf und wird derzeit in den USA durchgefeiert. „You’re the worst“ macht vor allem wegen der ätzenden Attacken zwischen den Hauptdarstellern und den überwiegend gut geschriebenen Scripts sehr viel Spaß.

  • Gemacht für: Alle „New Girl“-Hasser
  • Zu sehen via: Maxdome/Amazon/Sixx
You´re the worst - Red Band Trailer.

 

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BoJack Horseman ©Netflix.

BoJack Horseman: Man hat schon Pferde kotzen sehen

Abgehalfterte Ex-Stars, die sich mit einem Existenzminimum an menschlicher Würde durch ihren furchtbar bedeutungslosen Ruhestand kämpfen, sind sicher nicht neu. Der Typus des zynischen Arschlochs, dem man seine Unflätigkeiten nur deshalb vergibt, weil er eben gelegentlich mal eine universelle Wahrheit zu fassen hat, wurde von Hollywood schon x-fach kultiviert. Und dennoch macht „BoJack Horseman“ richtig Spaß. Wobei, „Spaß“ ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Immerhin leidet man seltener mit dem tragischen Anti-Helden, als dass man sich für ihn schämt. Dafür ist Raphael Bob-Waksbergs Comic-Abrechnung mit all dem Schall und Rausch des Showbusiness aber das ideale Brechmittel für alle, die ein bisschen Falschheit und Heuchelei auskotzen wollen.

  • Gemacht für: Menschen, die niemals Promi-Nachrichten lesen würden
  • Zu sehen via: Netflix/Amazon
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Shameless: Eine schrecklich unnette Familie

Eine 16-Jährige, die ihrem Vater Sex-Tapes schickt. Ein Baby, das für Spielschulden eingetauscht wird. Permanentes, geradezu episches Fremdgehen. Inzest. Pornos. Mord. Sucht. Die programmatische Verherrlichung von Gewalt und Drogen. Dass „Shameless“ in den USA noch keinen handfesten Skandal ausgelöst hat, liegt schlichtweg daran, dass die Serie einfach zu gut ist, um verklagt zu werden. Unter all den moralischen Verwerfungen schlummert stets eine gute, menschliche Geschichte. Schmutzig, sexy, wild, abtrünnig, punkig, authentisch, geschmacklos, geistreich, geil, rebellisch, jugendgefährdend, aufsässig, liebevoll, wahr und richtig komisch - das alles ist „Shameless“ auch nach nunmehr 6. Staffeln immer noch.

  • Gemacht für: Alle Menschen, die „Eine Himmlische Familie“ nie verarbeitet haben  
  • Zu sehen via: iTunes, Amazon, Maxdome, Xbox Video, Videoload, MyVideo
Shameless -Intro.

 

Louie: Die unerträgliche Scheißigkeit des Daseins

Am Anfang war „Louie“ einfach nur eine erstklassig geschriebene und unprätentiös inszenierte Sitcom über einen latent depressiven, unsicheren und die Liebe suchenden New Yorker Stand-up Comedian, dem das Leben regelmäßig dicke, fette Striche durch die Rechnung macht. Doch im Laufe seiner nunmehr fünf Staffeln entwickelte sich das Projekt von Amerikas derzeit angesagtestem Comedian Louis C.K. zu einer avantgardistischen Super-Show, der die Kritiker seit Jahren zu Füßen liegen (91 auf Metacritc/ 95 auf Rotten Tomatoes) und der etliche Preise hinter her geworfen wurden. Wer sich von dem eher konventionellen Einstieg der Serie bisher abschrecken ließ, der verpasste damit eine der letzten, großen Herzensangelegenheiten im Fernsehen. C.K. gibt alles für diese Show. Alles. Und deshalb ist „Louie“  auch weiterhin alles, was gutes Fernsehen überhaupt sein kann.

  • Gemacht fürAlle Menschen, die den unangenehmen Wahrheiten des Daseins ins Augen blicken wollen
  • Zu sehen via: Niemand. Unglaublich. Staffeln 1-3 aber im Handel erhältlich.
Louie - Die New York-Kampagne für Staffel 5.

 

Catastrophe: Baby leider an Bord

Amazon versucht derzeit, mit eigenen Produktionen in den Serien-Markt einzusteigen. Da versteht es sich fast schon von selbst, dass die ersten Serien-Projekte des Konzerns möglichst hochwertig sein sollen und durch ungewöhnliche Ansätze aus dem aktuellen Überangebot herausstechen. Mit „Transparent“ ging diese Strategie schon mal auf. Die Amazon-Serie zählte dieses Jahr zu den großen Gewinnern der Emmy-Verleihung.

Auch die herrlich pietätlose Sitcom „Catastrophe“ hat sich bereits als Kritikerliebling entpuppt. Und das vollkommen zu Recht. „Catastrophe“ ist nicht nur saukomisch, sondern bisweilen auch so weit unter der Gürtellinie unterwegs, dass man aufstehen und applaudieren möchte. Die Serie teilt sich einen Großteil ihrer Prämissen mit der oben gelisteten Sitcom „You’re the worst“. Auch hier finden sich zwei Menschen, die eigentlich gar keine Beziehung suchen, plötzlich in einer wieder. Doch Rob und Sharon hat es noch deutlich schlimmer erwischt. Ein One-Night Stand führt hier nicht zum On/Off-Gezanke, sondern zum Super-GAU. Ein Baby ist auf dem Weg. Rob und Sharon entschließen sich dazu, das Kind trotzdem zu bekommen - obwohl sie sich kaum kennen und obwohl sie sich nicht lieben. Was „Catastrophe“ daraus macht, dürfte am Ende des Jahres wohl das witzigste und ehrlichste Miststück unter den Sitcoms sein. Applaus!

  • Gemacht für: Pärchen, die keine Kinder wollen. Und Pärchen, die schon welche haben.   
  • Zu sehen via: Amazon.com und hoffentlich bald auch in Deutschland
Catastrophe -Trailer Season One.

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