Dark Shadows - Kinokritik - kooky Disco-Shit mit Johnny und Tim

Martin Beck 6

Aber natürlich ist „Dark Shadows“ ein Tim Burton- & Johnny Depp-Film. Auf der einen Seite wuchern epische Gothik-Riffs, auf der anderen Seite drapiert sich ein exzentrischer Vampir. Wunderschön ornamentierte Kookiness als typisches Erkennungsmerkmal. Nach acht gemeinsamen Filmen kann nichts mehr schocken – außer vielleicht porentiefe Normalität.

Was bei „Dark Shadows“ aber natürlich nicht der Fall ist, zum Glück. Denn dann würden einem ja die großartigen Sets des Films durch die Lappen gehen, die wundersamen Charaktere, der vollbrüstige Danny-Elfman-Score und der campige „fish out of water“-Humor. Der einfach nicht ausbleiben kann, wenn ein viktorianischer Aristokrat, seines Zeichens 200jähriger Vampir, auf einmal mit der Disco-Ära konfrontiert wird.

Der Name des Vampirs: Barnabas Collins. Sein Schicksal: Ein Stahlsarg, eine unglückliche Liebschaft mit einer Hexe und dann schließlich die Rückkehr in das einstige Familienanwesen Collinwood Manor – sehr zur Verwunderung der aktuellen Bewohner…die allerdings auch nicht mehr alle Nadeln an der Tanne haben. Und somit natürlich einen wunderbaren Spielplatz für allerlei gothische Weirdness ermöglichen.

„Dark Shadows“ ist so sehr Tim Burton wie man das in dieser Umgebung definitiv erwarten darf. Was einerseits natürlich das Fan-Herz jubilieren lässt, aber andererseits auch eine gewisse Routine ermöglicht, die das Außergewöhnliche auf Normal-Niveau setzt und dabei eine dezent hohle Gasse bildet, die bleibende Bewunderung eher den imposanten Sets als den patentiert schrägen Charakteren schenkt.

Wirklich gut sind lediglich Eva Green, die als heißblütige Hexe sichtbar viel Spaß hat, und natürlich Johnny Depp, der hier eher zurückhaltend spielt und bereits durch seine wundersame Statur wie der verlorene Bruder von „“ erscheint. Der „Rest“ allerdings wirkt seltsam blutleer (pardon the pun) und muss sich mit schräger Staffage begnügen. Was bei Chloe Grace Moretz Erleichterung hervorruft, doch spätestens bei Michelle Pfeiffer, die hier das erste Mal seit „“ einen Tim-Burton-Film beglückt, nach nicht fertig gedachter Skizze riecht.

„Dark Shadows“ vermittelt relativ häufig dieses Gefühl: Man hat tolle Ideen in der Hand, die dann leichtfertig fallen gelassen werden. Oder irgendwo in der knirschenden Verbindung aus Gothic Horror und schrägem Humor verloren gehen. Oder irgendwo einen roten Faden erfordern würden, der sich aber zugunsten einzelner „set pieces“ nie so richtig einzwirbeln will…und somit auch das erstaunlich ungelenk inszenierte Finale, bei dem alles von „“ bis „“ zitiert wird, zu einer relativ verschenkten Angelegenheit macht. Was schon enttäuscht. Aber halt nur auf hohem Niveau. Denn Tim Burton macht keine schlechten Filme. Er macht lediglich Filme unter seinen Möglichkeiten.

Fazit
„Dark Shadows“ war eine muffige Fernsehserie, die von 1966-1971 lief, und ist ein unterhaltsamer Tim-Burton-Film, der leider nicht zu den besten Arbeiten des Meisters gezählt werden kann. Man fühlt sich beinahe etwas verloren in dem ganzen mäandrierenden Etwas zwischen campy Humor, herrlichen siebziger-Jahre-Reminiszenzen und theatralischem Gothic Horror, und sucht vergeblich nach dem berühmten überspringenden Funken.

„Dark Shadows“ ist typisch Tim Burton, inklusive einem fantastischen Produktionsdesign, Johnny Depp und Danny Elfman, nur fehlt halt einfach das Quentchen Seele, das aus dem besten „Addams Family“-Film aller Zeiten sowas grandioses wie „Batmans Rückkehr“ machen würde. Der erhoffte Knaller entpuppt sich als lediglich sehenswerte Retro-Geisterbahn. Die mit etwas gebremsten Erwartungen aber auf jeden Fall große Freude bereitet. Allerallermindestens wegen dem herrlichen Alice Cooper-Cameo zu den Klängen von „No more Mr. nice guy“. WORD!

Wertung: 7/10

Regie: Tim Burton
Darsteller: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Eva Green
USA/2012
Start: 10.5.2012

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