Der Weltraum wird in einem Keller in Hollywood hergestellt. Von dieser entlarvenden Wahrheit, die einst die Red Hot Chili Peppers in ihrem Song „Californication“ verkündeten, geht die wohl größte Gefahr für Jon Favreaus „Das Dschungelbuch“ aus. Ein Film, der sich tief in den am wenigsten zu bändigenden Bereich der Natur begibt  und dennoch fast ausschließlich am Computer entstanden ist. Kann das überhaupt funktionieren? Kann man das menschliche Findelkind Mogli (Neel Sethi) mutterseelenallein in den Greenroom stellen und dazu ein romantisches Lobeshymne auf die Pracht der Natur singen?

 

Das Dschungelbuch 2016: Trailer, Cast, Kinostart & alle Infos

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Kann man. Das Digitale kann mittlerweile das wildwüchsige Dickicht und die animalischen Kräfte des Dschungels bezwingen. Das stellt man in dieser Neuverfilmung der Erzählungen von Rudyard Kipling schon recht früh fest.

The Jungle Book erster offizieller Trailer

 

Die Animationen von Panther Bagheera sind geschmeidig, das Blätterwerk raschelt chaotisch lebensecht und der nasskalte Matsch, der von einer wilden Horde Gnus aufgewirbelt wird, könnte nicht echter spritzen. Technisch ist „Das Dschungelbuch“ ein neuer Meilenstein, der selbst den industriellen Spitzenreiter „Avatar“ erblassen lässt.

Doch dass man mit technischer Brillanz allein noch gar nichts erreicht hat, das wissen wir schon seit das erschlagend leblose „Final Fantasy: Die Mächte in dir“ in der frühen Phase des digitalen Animationsfilms mit Pauken und Trompeten unterging. Und so kann auch all die technische Magie, die das „Das Dschungelbuch“ im Verlauf seiner 105 Minuten auf die Leinwand zaubert, nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit einer letztlich ziemlich uninspirierten Adaption des Disney Klassikers aus dem Jahr 1967 zu tun haben.

Das Dschungelbuch in der Filmkritik: Technisch ein Meilenstein

Dessen Handlungsgerüst wurde beinahe 1 zu 1 übernommen und lediglich in Bezug auf den Ton der neuen Verfilmung etwas angepasst. So bekommt Moglis Geschichte nun ein paar dicke Schatten und zwei aufregende Fluchtsequenzen verpasst, um den Ansprüchen des modernen Blockbuster-Publikums zu genügen. Die Härte des Naturgesetzes rückt dabei neben dem Heranwachsen des kleinen Mogli deutlich mehr in den Mittelpunkt des Films und auch die Rolle der Menschen wird nun etwas ambivalenter beleuchtet.

Den sympathischen Merkmalen des Kinderklassikers kann die neue Ernsthaftigkeit aber zum Glück wenig anhaben. Das pädagogisch immer noch sehr wertvolle Zweigespann aus dem hedonistischen Anarcho-Bären Baloo (Armin Rohde/Bill Murray) und dem vorsichtig-pedantischen, aber gut meinenden Panther Bagheera (Joachim Kröll/ Ben Kingsley) sorgt auch in Realverfilmung für kinderleichte Unterhaltung auf einem durchgehend solidem Niveau. An die Lebensfreunde und das Charisma, das uns im Original aus jedem Pinselstrich entgegenflog, kommt Jon Favreaus„Dschungelbuch“ aber zu keinem Zeitpunkt heran. Doch das dürfte wohl auch niemand ernsthaft erwartet haben.

Dass es diese lediglich genügende Version des „Dschungelbuchs“ auch noch deutlich schlimmer hätte treffen können, das wird leider in den beiden ziemlich misslungenen Gesangssequenzen des Films deutlich. Die wollen nämlich so gar nicht zum „modernen“ Rest des Films passen.

So konnte das Team um Favreau offenbar wider besseres Wissen einfach nicht die Finger von den so verführerisch berühmten Songs „Probier´s mal mit Gemütlichkeit“ und „Ich wär so gern wie du“ lassen. Statt auf die groovige Leichtigkeit dieser weltbekannten Melodien zu verzichten, werden sie nun halbherzig und im Falle von King Louie (Christian Berkel/Christopher Walken) sogar befremdlich deplatziert angestimmt. Eine ärgerliche Unentschiedenheit, die dem Film in diesen Momenten teuer zu stehen kommt.

Fazit

Disneys neustes „Dschungelbuch“ will eine grimmig-gereifte Event-Version des geliebten Kinderklassikers sein. Ob wir das überhaupt brauchen, das ist die entscheidende Frage, die sich jeder Interessierte vor dem Kinobesuch stellen sollte. Nimmt man diesen letztlich ziemlich uninspirierten Abenteuerfilm als das was er sein will, wird man dank seiner digital-technischen Kunststückchen und seiner durchaus packenden Aufbereitung bestens unterhalten. Wer sich aber aufgrund des charmanten Zaubers des Zeichentrickklassikers im Kino einfindet, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit eher enttäuscht sein.

rating7

 

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