Veto der Woche: Die Neuverfilmung von Winnetou

Philipp Schleinig

In dieser Woche bin ich persönlich sehr erbost! Ja, mein Filmherz wurde angegriffen und es wäre beinahe an mir vorbeigerauscht. Daher bekommt das Projekt der Neuverfilmung der „Winnetou“-Reihe das fette Veto der Woche aufgedrückt!

Wir leben seit einigen Jahren im knallharten Remake-Wahn, der uns aus Hollywood entgegenschlägt. Gibt es irgendwo auf der Welt einen sehr erfolgreichen und finanziell-starken Film, kann man sich sicher sein, dass irgendein Produzent eines großen Filmstudios bereits hinter den Rechten für eine Neuauflage her ist. Dass dabei teilweise auch etwas Vernünftiges herauskommt, hat uns David Fincher mit „Verblendung“ einst bewiesen. Doch nun erreicht uns gestern eine Nachricht, die mich als Filmfan persönlich sehr angegriffen hat. Übertrieben? Vielleicht. Aber an der „Winnetou“-Reihe hängen zu viele Kindheitserinnerungen!

Ja, ihr habt richtig gehört: Constantin Film hat sich die Rechte an einigen „Winnetou“-Titeln gesichert und plant, mindestens zwei Neuverfilmungen in die Kinos zu bringen. Da sträuben sich bei mir die Haare. Erst im letzten Jahr feierte die „Winnetou“-Reihe ihren 50. Geburtstag und ist bis heute ein zeitloser Klassiker, den besonders Western-Fans zumindest einmal gesehen haben sollten. Natürlich war es irgendwie nur eine Frage der Zeit, bis solch ein Projekt ans Tageslicht dringt: 50 Jahre ist eine enorme Zeit, die Filme feierten einst große Erfolge, doch die meisten Kinder und Jugendlichen kennen den Indianer-Helden heute nicht mehr.

Warum nicht also „Winnetou“ neuauflegen? Einige Stimmen meinen sicherlich, die Reihe sei doch nicht mehr so ganz zeitgemäß und frischer Wind im deutschen Western-Genre kann ja nicht schaden. Hat doch „Das finstere Tal“ bewiesen, dass regionale Western unter bestimmten Voraussetzungen funktionieren können. Wer dieser Auffassung ist, hat ein gutes Recht, der Neuauflage positiv entgegen zu sehen. Als alter „Winnetou“-Fan kann ich dagegen aber nur protestieren. Ich habe die Filme – und besonders „Der Schatz im Silbersee“ – nicht nur oft gesehen, sondern sie zelebriert.

Das finstere Tal - Trailer Deutsch.

Jeden Sonntag verwandelte ich mit einem Freund dessen elterliches Wohnzimmer in ein Fort… oder eine Berglandschaft… oder ein Indianer-Lager: die Sofas wurden umgekippt, Tische quergestellt und Decken als Schutzwände verwendet. Auf VHS wurde dann schließlich der Film reingelegt und von uns selbst wurden diverse Rollen übernommen. Wochenende für Wochenende wurde dies zum Ritual und die „Winnetou“-Filme zu Legenden. Ihr könnt euch also vorstellen, wie sehr mich dieser Plan von Constantin nervt. Nicht nur erscheint wieder ein Remake, statt neue Ideen umzusetzen, sondern wird auch eine Kult-Reihe möglicherweise verhunzt.

Dann erlaubte sich die BILD-Zeitung auch noch einen Scherz – und bitte lasst es einen Scherz sein – und hat mögliche Schauspieler für die Besetzung vorgeschlagen: Til Schweiger als Old Shatterhand und Elyas M’Barek als Winnetou… Ich muss kurz Luft holen, um mich entweder nicht in prustendes Lachen zu verlieren oder vor Schock zu weinen. Nein, eine Neuverfilmung von „Winnetou“ kann ich mir nicht mit ansehen. Dann miete ich mir lieber ein Kino und werf die alten Filme ein – um der guten, alten Zeit willen.

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