Gar nicht mal so gut: Diese Schwächen haben wir bei Deadpool übersehen

Marek Bang 12

Die Anarcho-Knalltüte „Deadpool“ hat den bislang fetzigsten Auftritt des Kinojahres 2016 hingelegt und macht einfach Laune. In all der Euphorie haben wir den Film ohne Abzüge gefeiert. Im Großen und Ganzen funktioniert er auch immer noch, sodass wir keine komplette Rolle rückwärts vornehmen müssen - ein paar Abzüge in der B-Note gibt es aber trotzdem. Hier sind vier Schwächen, die wir bei „Deadpool“ im Eifer des Gefechts übersehen haben. 

Gar nicht mal so gut: Diese Schwächen haben wir bei Deadpool übersehen

Es ist ist nicht alles Gold, was schwarz-rot glänzt. Keine Angst, jetzt kommt kein hochtrabendes Essay zur aktuellen politischen Lage in Deutschland, sondern eine kleine Analyse zur allseits beliebten Superhelden-Komödie „Deadpool“, die Zuschauer und Kritiker fast ausnahmslos begeistert hat. Klar, vieles der Lobhudelei ist auch Wochen nach Kinostart noch nachvollziehbar und der Film erfüllt absolut seinen Zweck, den so etablierten wie langweiligen großen Superheldenfilmen mal so richtig genüsslich in den Allerwertesten zu treten und einfach nur Laune zu machen.

Deadpool Filmkritik: Was für ein geschmackloser, infantiler Scheiß!*

Da mittlerweile selbst das Hollywood-Establishment darüber nachdenkt, auf den Anarcho-Zug von „Deadpool“ aufzuspringen, wird es Zeit, den Film nochmal ohne Euphorie-Brille zu beleuchten und einige Probleme aufzudecken, von denen auch „Deadpool“ nicht gänzlich befreit ist. Los geht`s nach dem Trailer.

Deadpool - Trailer Deutsch.

Ajax ist ein lausiger Schurke

Fangen wir mit der wohl größten Schwäche an. Auch „Deadpool“ leidet an einer bedauerlichen Krankheit, welche das Mainstream-Kino schon seit mehreren Jahren befallen hat: Die Abwesenheit eines vernünftigen Schurken. Ganz im Ernst, kann es Ed Skrein alias Ajax eurer Meinung nach mit Deadpool auch nur ansatzweise aufnehmen? Eben. Auch wenn der Film als nicht enden wollende One-Man-Show eines durchgeknallten Exzentrikers gedacht ist, hätte ein halbwegs akzeptabler Gegenspieler nicht schaden können, oder?

Die ernsten Untertöne der Geschichte fallen ein wenig dünn aus

Natürlich ist die Geschichte von Deadpool auch eine tragische. Wade Wilsons Diagnose, die fehlgeschlagene Therapie und sein entstelltes Gesicht sind neben der Beziehung zu Vanessa Carlysle Schlüsselmomente seiner Geschichte und werden auch im Film behandelt. Dennoch gelingt die - zugegeben schwierige - Symbiose dieser leiseren Momente mit dem restlichen Krawall nicht wirklich überzeugend. Der verunstaltete Wade Wilson erreicht niemals die Kraft und Präsenz des dreisten Deadpool. Hätte man diese Ebene also gänzlich streichen sollen? Eher nicht, die Stärken des Films liegen aber dennoch woanders.

Deadpools Origin-Story ist nichts besonderes

Deadpool macht sich über alle anderen Superhelden lustig. Das soll er auch, das ist eine absolute Kernkompetenz. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass seine eigene Origins-Geschichte, um die es im Film letztlich geht, nicht wirklich etwas innovativ anderes ist als die seiner Konkurrenten. Die Transformation von Wade Wilson in Deadpool ist auch filmisch relativer Standard, was das Gesamtvergnügen jetzt nicht unbedingt drastisch schmälert, aber von einem Wow-Effekt etwa so weit entfernt ist wie Hannover 96 derzeit von einer Teilnahme am Europacup. Diese popkulturelle Anspielung wird  wahrscheinlich nicht lang überleben, was uns zum nächsten Punkt der Mängel-Liste bringt.

Nicht alle popkulturellen Anspielungen werden in Zukunft funktionieren

Der letzte Punkt ist die obligatorische Beschwerde auf höchstem Niveau. Natürlich funktionieren Deadpools Anspielungen auf aktuelle popkulturelle Phänomene bestens und wir hätten uns den Film auch nicht ohne sie gewünscht. Dennoch wird an dem einen oder anderen Spruch unweigerlich der Zahn der Zeit nagen und kommende Generationen werden nicht mehr jedem Diss folgen können, was dem Film schon einen Teil seines Witzes nehmen könnte. Oder werden Kids in 20 Jahren noch wissen, wer Sinead O’Connor ist?

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