Horrorfilme auf Netflix Deutschland: Liebe Netflix-Menschen, euer Horror-Angebot ist eine Katastrophe (Kolumne)

Tobias Heidemann 3

Netflix ist super. Der Streaming-Dienst hat sich binnen weniger Monate zu einer festen Institution meines Medienkonsums gemausert. Vor allem mit der zeitnahen Ausstrahlung von erstklassigen US-Serien und Eigenproduktionen wie „Daredevil“, „House of Cards“ oder „Master of None“ vermag mich Netflix aktuell zu überzeugen. Doch das eingangs so schön unbeschwerte Verhältnis zu dem VoD-Dienst meiner Wahl wurde zuletzt immer angespannter. Grund dafür ist die miserable Auswahl an Horrorfilmen, die mir Netflix in Deutschland zur Zeit anbietet. Für einen Fan des Genres ist die gelinde gesagt eine Katastrophe. Keine Klassiker, wenig Neues, kaum Hits und extrem viel Schund – das muss sich dringend ändern!

Ganze 99 Filme & Serien führt der Netfix-Katalog in Deutschland unter der Rubrik „Alle Horrorfilme“. Leidlich komische Horror-Komödien, sowie alle bei Netflix geführten Horror-Serien aber auch Actionfilme mit angeglichen Horror-Elementen sind bereits Teil dieser erstaunlich niedrigen Zählung. Nur 99? Zum Vergleich: Das Science-Fiction-Genre ist in Deutschland mit 251 Filmen vertreten, die Komödie verzeichnet dagegen insgesamt 568 Filme. Das Horror-Genre kommt vergleichsweise viel zu kurz.

Warum das so ist, darüber lässt sich natürlich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist, dass die beschränkte Kollektion auf der traditionell eher geringeren Reichweite von Horrorfilmen im deutschen Markt und den von Netflix bereits statistisch erhobenen User-Daten beruht. Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach Horror-Filmen ist schlichtweg gering. Und das gilt nicht nur für Deutschland. In den USA bietet Netflix seinen Nutzern mit immerhin 336 Horrorfilmen zwar viel mehr Grauenvolles an, doch auch hier ist das Science-Fiction-Genre mit deutlich mehr (658) Einträgen vertreten.

Der Horror auf Netflix

Halten wir also fest: Der Horror ist im Vergleich mit anderen Genres unterrepräsentiert, wobei dieses Gefälle international gilt, in Deutschland aber besonders stark ausgeprägt ist. Immerhin müssen wir Horror-Liebhaber uns jedes Jahr die Daumen blutig drücken, damit selbst gefeierte Genre-Perlen wie „It Follows“ oder aktuell „The Witch“ überhaupt in die deutschen Kinos kommen.

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Doch der Eklat besteht nicht in der strukturellen Benachteiligung von Horror-Fans, sondern im Angebot selbst. Das treibt den Kennern des Horror-Genres nämlich die Tränen in den Augen.

Da wäre zum einen die sträfliche Abwesenheit der Klassiker. Kein „Psycho“, keine „Nacht der lebenden Toten“, kein „Halloween“, kein „Rosemary’s Baby“, kein „Der Exorzist“, kein „The Texas Chain Saw Massacre“, kein „Shining“. Einzige Ausnahme ist „Carrie“. Ansonsten fehlt das Essentielle des Genres komplett. Warum? Wenn doch mal ein verdientes Franchise auftaucht, dann nur mit einer Zahl im Titel. So warten zum Beispiel „Cabin Fever 2“, „Piranha DD“ oder „American Werwolf 2“ darauf, von dem geneigten Horror-Liebhaber auch weiterhin fröhlich ignoriert zu werden.

Keine Klassiker und ganz viel Horror vom Grabbeltisch

Was an Klassikern fehlt, wird mit minderwertiger Grabbelware aus den untersten Reihen der Videotheken überkompensiert. Billo-Horrorfilme, die auf ebenso schillernde wie vielsprechende Titel wie „Sin Reaper“, „Devil Seed“, „Creature“ oder „Uninhabited“ hören. Selbst ein Horror-Connaisseur mit Anspruch auf Vollständigkeit meidet die meisten dieser Filme wie der Teufel das Weihwasser.

Wer sich als Horror-Fan durch dieses Angebot wühlt, dem wird aus genau den falschen Gründen angst und bange. Es scheint fast so, als halte Netflix sein Angebot an Horrorfilmen in Deutschland vorsätzlich flach und mies. Ansonsten macht der Streaming-Dienst seine Arbeit als Kurator der Film- und Serien-Landschaft nämlich ziemlich gut.

Doch eben dieses gute Netflix-Händchen für kleine, feine Filme, für prämierte Festivalsieger, für kultige Publikumslieblinge, für interessante Direct-to-DVD Streifen, für die richtigen Klassiker oder einfach die derzeit relevanten Vertreter eines Genres, genau das geht der Horror-Auswahl auf dem deutschen Netfix komplett ab. Dass es auch anders geht, das zeigt die Auswahl des Angebots an Horrorfilmen in den USA. Hier lassen sich nicht nur die Klassiker finden, sondern auch ein erstaunlich erlesener Querschnitt durch den aktuellen Horrorfilm.

In Deutschland wird vorerst weiter in die Röhre geguckt. Aktuell bleibt uns Horror-Liebhabern wohl nur, die Horror-Frage etwas lauter in Richtung Netflix zu stellen: Was ist da los bei euch, liebe Netflix-Menschen? Was ist der Plan? Warum können die wenigen Horrorfilme, die Netflix in Deutschland verfügbar macht, nicht einfach eine Spur besser ausgewählt werden?

Ich würde das wirklich gerne verstehen. Immerhin ist Netflix seinerzeit auch angetreten, um das klassischen Fernsehen zu revolutionieren und dazu gehört eben auch, dass man aus den Fehlern von Gestern lernt. Ich bin vielleicht kein Experte auf dem Gebiet, aber gleich ein ganzes Genre mit einem uninformierten, lauwarmen Aufguss aus Beliebigkeit und Meh zu vernachlässigen, das klingt doch eher nach dem alten, doofen Fernsehprogramm, oder etwa nicht?

Welches Horror-Franchise mögt ihr am liebsten?

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