Türkei: Arzt wegen Erdogan-Gollum-Vergleich vor Gericht

Selim Baykara

Was hat der türkische Präsident Erdogan mit Gollum aus Herr der Ringe gemeinsam? Diese Frage beschäftigt derzeit die Gerichte in der Türkei: Nachdem ein türkischer Arzt Erdogan auf Twitter mit dem Bösewicht Gollum verglich, muss er sich jetzt wegen Präsidentenbeleidigung verantworten. Es drohen bis zu zwei Jahre Gefängnishaft.

Es ist ein bizarrer Rechtsstreit der die Türkei derzeit in Atem hält: Der türkischer Arzt Bilgin Ciftci hat auf Twitter einige Bilder gepostet, in denen er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit dem Fiesling Gollum aus Herr der Ringe vergleicht. Hat er damit einen Nerv getroffen?

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Arzt vergleicht Erdogan mit Gollum aus Herr der Ringe

Der türkische Präsident findet die ganze Angelegenheit jedenfalls gar nicht witzig und hat den Arzt jetzt wegen Präsidentenbeleidigung verklagt. In der Türkei ist das ein schwerer Vorwurf - dem Beschuldigten drohen bis zu zwei Jahre Haft, seinen Job im Krankenhaus hat er bereits verloren.

Erdogan Gollum

Ist der Gollum-Erdogan-Vergleich eine Beleidigung?

Ob der Arzt jetzt ins Gefängnis muss hängt - so absurd es klingen mag - hauptsächlich von einer Frage ab: Ist Gollum ein Bösewicht oder in Wahrheit doch einer von den Guten? Die Verteidigung beruft sich nämlich darauf, dass Gollum in Wirklichkeit gar nicht so böse sei, weil er Mittelerde ja von der Herrschaft Saurons befreit habe, indem er Frodo am Ende den Ring vom Finger abbeißt. Daher könne man auch nicht von Präsidentenbeleidigung sprechen.

Der Richter konnte dem nicht ganz folgen, da er eigenen Angaben zufolge die Filme nur teilweise gesehen habe. Daher wurde jetzt auch eine unabhängige Herr-der-Ringe-Expertenkomission beaufragt, die den Charakter von Gollum einer eingehenden Prüfung unterziehen soll. Von dem Ergebnis der Tolkien-Experten könnte es letztendlich abhängen, ob der Angeklagte am Ende ins Gefängnis wandern muss.

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Erdogan: Kritik nicht erwünscht

Präsidentenbeleidigung ist in der Türkei eine ernste Angelegenheit: Artikel 299 des türkischen Strafgesetzbuches verbietet die Beleidigung des Präsidenten ausdrücklich. Früher kam dieser Paragraf nur selten zur Anwendung, unter der Präsidentschaft von Erdogan hat sich das deutlich geändert: Kritische Stimmen, Journalisten und andern öffentliche Personen müssen immer häufiger um ihre Freiheit bangen, wenn sie es wagen ihre Stimme gegen Erdogan zu erheben. Erst kürzlich wurden Journalisten der linksliberalen Tageszeitung Cumhuriyet verhaftet, weil sie über Waffenlieferungen der Türkei an den Islamischen Staat (IS) berichtet hatten. Der Vorwurf seitens der Regierung: Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Spionage.

 

Das endgültige Urteil in dem Gollum-Erdogan-Prozess wird für Februar 2016 erwartet, allerdings bleibt die Frage ob Erdogan sich mit dieser absurden Geschichte wirklich einen Gefallen tut. Sein Ruf ist - nicht nur Ausland - schon seit einiger Zeit schwer beschädigt. Die Reaktionen auf Twitter sprechen eine eindeutige Sprache: Der Vergleich von Gollum mit Erdogan ist eine Beleidigung - und zwar für Gollum.

Twitter Gollum

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Bildquellen: Twitter

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