Die Produzenten von UFA Fiction befragen gerade via Facebook ihre Fans, warum die grandiose Serie „Deutschland 83“ aktuell so hart floppt. Vielleicht wären die Herrschaften besser im Vorfeld aktiv geworden und hätten einige Entscheidungen überdacht, denn der Misserfolg war durchaus zu vermeiden. Hier ist unsere Antwort auf die Frage der UFA.

 

Deutschland 83

Facts 

Der Kollege Heidemann hat „Deutschland 83“ in seiner Kritik gefeiert und zugleich vor dem kommerziellen Scheitern der Serie gewarnt. Leider haben sich seine Befürchtungen bewahrheitet und das ambitionierte Projekt findet derzeit unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit statt. Und das, obwohl es bei RTL zur Prime Time ausgestrahlt wird. Oder gerade deswegen? Vieles deutet daraufhin, dass letzteres wohl eher zutrifft.

Deutschland 83 auf RTL: Zur falschen Zeit am falschen Ort

Eigentlich kommt niemand, der sich für eine anspruchsvolle Polit-Thriller-Serie über die Auswüchse des Kalten Krieges im geteilten Deutschland der 1980er Jahre interessiert, auf die Idee, an einem Donnerstag Abend bei RTL vorbeizuschauen und einzuschalten. Dieser Sendeplatz gehört normalerweise den Knallchargen der Autobahnpolizei von „Alarm für Cobra 11“, die seit 20 Jahren jeden Donnerstag immer den gleichen kurzen Autobahnabschnitt hin und her brettern.

Jetzt also stattdessen „Deutschland 83“ schauen? Wieso? Da wird doch wieder eine dieser RTL-oder Sat.1 -Event-Filmfilm-und so weiter-Produktionen gesendet, die man sich getrost sparen kann. Dann doch lieber bei Netflix, Maxdome und Co. eine Folge „Homeland“ ohne Werbeunterbrechung streamen.

Deutschland 83
Keine Chance auf dem Sendeplatz von "Cobra 11": "Deutschland 83" © RTL / UFA

Und da sind wir beim nächsten Problem angelangt. Die Marketing-Kampagne hat nicht gefruchtet. Plakate kleben und nur die RTL-Zuschauer, die sich noch für das reguläre Programm des Senders interessieren, haufenweise mit Trailern im Standard-Look zu bespaßen ist nicht gerade dafür geeignet, Zuschauer zurückzugewinnen oder ein Publikum anzusprechen, das Serien heutzutage völlig anders konsumiert als noch vor 10 oder 20 Jahren.

„Deutschland 83“ als weiteres RTL-Serien-Event anzupreisen ist in etwa so unsexy, als würde der FC St. Pauli damit werben, jetzt genauso zu spielen wie der FC Bayern München. Auf diese Art und Weise wird potentielles Publikum dank des ungeliebten Labels eher abgeschreckt, als neugierig gemacht. Zu diesem Schluss kommt auch Thomas Lückerath vom Medienmagazin DWDL, der in seinem lesenswerten Beitrag die Marketing-Strategie von RTL scharf kritisiert.

Möglicher Weise wäre „Deutschland 83“ bei Netflix und Co. also besser aufgehoben. Wenn es denn unbedingt einer TV-Ausstrahlung bedarf, hätte man es parallel zur Veröffentlichung im Netz ja vielleicht doch bei den öffentlich rechtlichen Sendern probieren können. Man munkelt, Herr Jauch habe gerade den sehr attraktiven Sendeplatz nach dem „Tatort“ geräumt...

Deutschland 83-Trailer

Darum schaut niemand Deutschland 83

Hier ist also unsere Antwort auf die bei Facebook gestellte Frage von UFA Fiction an uns Serien-Fans:

Liebe Verantwortliche von UFA, es liegt nicht an der Qualität von „Deutschland 83“, dass die Serie unter der 2-Millionen-Zuschauer-Marke herumdümpelt. Sie kann es locker mit der beliebten Konkurrenz aus Hollywood aufnehmen und braucht sich nicht hinter Emmy-Gewinnern wie „The Americans“ oder „Homeland“ zu verstecken. Der Erfolg im Ausland spricht ja für sich. Warum will also hier bei uns niemand die Serie schauen? Ganz einfach, weil kein Serien-Fan 2015 einen Donnerstag Abend vor dem Fernseher bei RTL verbringen möchte, um zwischen Werbeblöcken und Programmhinweisen auf „Das Supertalent“ und Co. ein paar kleine Fetzen Qualitäts-Fernsehen serviert zu bekommen.

Und die RTL-Mediathek ist auch nicht gerade ein ruckel-und werbefreies Vergnügen, auf dem der geneigte Zuschauer sich gern häppchenweise eine Serie anschaut.

Deutschland 83
Hätte ein größeres Publikum verdient: "Deutschland 83" © RTL / UFA

Vielleicht hätte man „Deutschland 83“ auch massiver in den sozialen Netzwerken als das anpreisen sollen, was es ist. Nämlich ausdrücklich kein RTL-Event, sondern das genaue Gegenteil. Das ist natürlich wiederum schwer möglich, wenn die Serie bei RTL als genau das vermarktet wird und hier beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Aber den vom US-amerikanischen Kabelsender  Sundance TV genutzten Twitter-Account @Deutschland83 hätte man ruhig auch bespielen können, oder? Dort lief die Serie ja um einiges besser.

Abschließend können wir nicht mehr tun, als „Deutschland 83“ allen Fans guter Serien nachhaltig zu empfehlen, denn die Geschichte um einen DDR-Soldaten im Westdeutschland der 1980er Jahre hat ein größeres Publikum definitiv verdient. Vielleicht wird eine zweite Staffel ja besser vermarktet, die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

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