Ich bin ein großer Serien-Fan. Irgendeine Sendung verfolge ich immer und normalerweise habe ich große Freude daran. Nicht so bei „Dexter“. Während der letzten vier Staffeln schaffte es das neue Autoren-Team, jede Season konsequent vor die Wand zu fahren. Nun ist die achte und letzte Staffel vorbei und tatsächlich hat man es geschafft, die sensationell furchtbare Staffel 6 noch zu unterbieten. Was zum Teufel ist passiert? 

 

Dexter

Facts 

Das Offensichtliche zuerst: Hier werden Teile der siebten und achten Staffel gespoilert. Das sollte jedoch kein großes Problem sein, denn wenn ihr „Dexter“ bisher noch nicht gesehen, es aber noch vorhabt, habe ich einen sehr ernst gemeinten Rat an euch: Hört nach der vierten Staffel auf. Wirklich.

Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal gehört Staffel 4 zu den besten TV-Staffeln, die ich serienübergreifend jemals gesehen habe. Die Geschichte um den Trinity-Killer und die damit einhergehenden Konsequenzen für die vom großartigen Michael C. Hall gespielten Hauptfigur des Bösewicht-tötenden Serienmörders sind von der ersten bis zur letzten Sekunde packend und mitreißend. Dexters Aktionen haben in Staffel 4 echte Konsequenzen für seine Mitmenschen.

Doch damit war es ab der fünften Staffel vorbei. Sowohl der für die Serie verantwortliche Showrunner als auch das Autoren-Team verließen die Sendung und wurden von einem völlig neuen Team ersetzt. Der Grund dafür scheint offensichtlich zu sein: „Dexter“ war unheimlich erfolgreich und würde deshalb noch viele, viele Jahre lang im TV zu sehen sein müssen. Das bedeutet auch: Die Geschichten, die die Autoren erzählen können, sind sehr begrenzt. Es darf keine großen Konsequenzen für Dexters Aktionen geben, denn schließlich müssen noch vier weitere Staffeln mit dem gleichen Grundkonzept produziert werden. Da scheint man beim Ursprungs-Team keine Lust drauf gehabt zu haben.

Der mitreißende Cliffhanger aus Staffel 4 verliert so im Laufe der Staffel 5 vollständig seine Wirkung. Dexter wird sämtliche Schuldgefühle los, tötet alle Bösewichte und steht nach dem Staffelfinale wieder exakt genauso da wie am Anfang der Serie – nach einer Staffel, die versprach, alles anders zu machen, war man wieder genau dort angelangt, wo man startete.

Und dann kam Staffel 6, deren Existenz für mich bis heute ein Mysterium ist. Die gesamte Geschichte, die Figuren, der Twist... all diese Elemente sind so unglaublich schlecht geschrieben, so lachhaft übertrieben gespielt, so frustrierend vorhersehbar, dass die Season es im Alleingang schaffte, dass ich sämtliches Interesse an „Dexter“ verlor.

Dexter - Travis "Hello, whore."

Eigentlich. Doch dann präsentierte die letzte Folge mir den Cliffhanger, auf den ich schon seit Jahren wartete: Dexters Schwester Debra fand heraus, dass ihr Bruder ein Serienkiller ist. Endlich.

Staffel 7 verpasste erneut die Chance, den Fokus der Serie zu verschieben. Dass Debra nun über Dexter Bescheid wusste war kaum mehr als ein Nebenschauplatz, die eigentliche Geschichte drehte sich erneut um irgendeinen neuen Ober-Bösewicht, den Dexter zu töten hatte. Wieder war ich bereit die Serie links liegen zu lassen, doch wieder schafften es die Autoren, mit einem Cliffhanger sehr viel mehr zu versprechen, als sie im Endeffekt halten konnten: Polizei-Captain Maria LaGuerta kommt Dexter endlich auf die Schliche und wird von Debra getötet. Wow.

Damit war alles bereit für eine aufregende letzte Staffel. Die Polizei war darüber informiert, dass LaGuerta Dexter verdächtigte und nun wurde sie erschossen aufgefunden. Debra verriet all ihre Prinzipien zum Schutz von Dexter und stand kurz vor dem totalen Zusammenbruch. Es konnte nur eine Frage von wenigen Folgen sein, bis Dexters wahre Identität ans Licht kommt und eine spannende Verfolgungsjagd entsteht!

Nope. Ich weiß nicht, ob die Autoren einfach kollektiv keinen Bock mehr hatten, ihre gerade eingeschulten Kinder die Drehbücher haben schreiben lassen oder ob es tatsächlich eine einmalige Zurschaustellung von mangelndem Talent ist: Staffel 8 schafft es nicht nur, den Cliffhanger der siebten Staffel völlig wirkungslos verpuffen zu lassen und die sechste Staffel im Vergleich gut aussehen zu lassen, sondern gehört auch ganz allgemein zu den schlechtesten Stunden, die ich jemals mit einer TV-Sendung verbracht habe. Superlative wollen vorsichtig angewandt werden, doch hier sind sie mehr als angebracht.

Weil die Polizei von Miami offensichtlich ausschließlich von inkompetenten Idioten besetzt ist, kommt niemand auf die Idee, was wirklich hinter dem Tod von LaGuerta steckt. In der gesamten Staffel läuft Dexter zu keinem Zeitpunkt Gefahr, entdeckt zu werden. Stattdessen werden wieder neue Ober-Bösewichte eingeführt, Debra wechselt in gefühlt jeder Folge von „Ich hasse dich Dexter!“ zu „Ich liebe dich Dexter!“, bis dann in der Mitte der Staffel sämtliche Plotlines zu einem jähen Halt kommen. Denn irgendwie haben es die Autoren tatsächlich geschafft, dass Dexter nichts zu befürchten hat: Jeder mag ihn, keiner verdächtigt ihn, niemand stellt eine Bedrohung für ihn da.

The biggest fail in recent TV history (Dexter S08E10 Harrison Treadmill Scene)

Also wird spontan eine Love Interest aus der siebten Staffel aus dem Hut gezaubert (für die sich damals schon kaum jemand erwärmen konnte) und die letzten sechs Folgen der Serien verbringen wir damit, Dexter und seiner Freundin dabei zuzugucken, wie sie in aller Seelenruhe ihren Umzug nach Argentinien planen. Urgh.

Die Serie litt daran, dass die Autoren (ab der fünften Staffel) grundsätzlich missverstanden haben, was für eine Figur Dexter eigentlich ist. Es schien offensichtlich, dass „Dexter“ früher oder später darauf zusteuern würde, dass die Hauptfigur mit den endgültigen Konsequenzen ihrer Taten konfrontiert werden würde. Dass seine Kollegen und Freunde über ihre (oftmals furchtbaren) Taten informiert werden.

Stattdessen halten die Verantwortlichen Dexter für so etwas wie einen Superhelden. Einen moralisch unangreifbaren Protagonisten, dessen gesamte Welt allein auf ihn zugeschnitten ist: Die Figuren können Dexter nicht auf lange Sicht böse sein, weil er aus der Sicht der Autoren nie etwas falsch gemacht hat. Dass im Zuge dessen dutzende gigantische Plotholes aufgerissen werden, weil niemand Dexters wahre Identität erkennt, obwohl es mittlerweile selbst für den dämlichsten Polizisten offensichtlich sein sollte, ist da nur noch Kollateralschaden.

Mein Tipp: Guckt euch Dexter bis zur vierten Staffel an und betrachtet das als euer offizielles Ende.

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