Die Tribute von Panem 4 Mockingjay Teil 2 Filmkritik: Bye, Bye Katniss - Es war schon ziemlich okay mit dir

Tobias Heidemann 3

Ach, Katniss, du warst mir immer die Liebste. Von all den jungen Helden, die sich im Zuge der Welle von dystopischen Jugendbuchverfilmungen mit Liebe, Lust und Diktatoren herumschlugen, bist du die Einzige gewesen, die mir ein bisschen ans Herz wachsen konnte. Nicht weil du die Erste warst. Auch nicht weil du, ganz im Gegensatz zu deinen Genre-Kollegen, tatsächlich eine interessante Geschichte zu erzählen hattest. Nein Katniss, ich mochte dich immer, weil Jennifer Lawrence einfach eine ziemlich coole Socke ist.

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Sorry. Das kam jetzt sicher sehr unprofessionell rüber. Aber was soll ich machen. Wie so viele andere Menschen auf diesem Planeten halte ich Jennifer Lawrence nunmal für eine sehr talentierte Schauspielerin, die jenes gewisse Etwas auf die Leinwand zu transportieren vermag, das Hollywood zum Leben braucht. „Die Tribute von Panem“ waren von Anfang an auf dieses gewisse Etwas angewiesen.

Für die bieder und konventionell inszenierte Verfilmung der erfolgreichen Romantrilogie von Suzanne Collins war Jennifer Lawrence stets das Salz in der post-apokalyptischen Suppe. Wer weiß, ohne Jennifer Lawrence hätte Präsident Snow die „Hunger Games“ vielleicht schon längst wegen leerer Kassen absagen müssen.

Die Tribute von Panem 4 Filmkritik: Das gewisse Etwas

Wer sich am 19. November nun mit den „Tributen von Panem: Mockingjay Teil 2“ von der Figur verabschieden möchte, dem wird Lawrence schauspielerischer Beitrag zum Erfolg der Reihe gleich in der ersten Szene noch einmal schön vor Augen geführt. Wir sehen eine sprachlos gewordene Katniss Everdeen, die verzweifelt versucht, ihre durch ein körperliches Trauma verlorene Stimme zurück zu finden. Eine beeindruckende Szene, die Lawrence stolz zur Schau stellt und gleichzeitig als wenig subtile Analogie zu Katniss´epischer Suche nach der eigenen Identität angelegt ist.

Die bedrohte Schwester, die Teilnahme an den barbarischen Hunger Games, die Diktatur von Präsident Snow, die Propagandaarbeit für die Rebellen und selbst die putzige Dreiecksbeziehung mit Gale und Peeta – stets waren Katniss Handlungen von Unfreiheit und Fremdbestimmung geprägt. Ihre Stimme erhob sie immer für andere.

Am Ende von „Mockingjay Teil 2“ wird Katniss ihre Stimme natürlich finden und in einem arg symbolischen Akt der ganzen Welt präsentieren. Mit anderen Worten, „Mockingjay Teil 2“ bringt die Geschichte von Kadniss Everdeen einigermaßen schlüssig und - wie es sich für einen guten Jugendroman nun einmal gehört – pädagogisch wertvoll zu Ende. Sogar ein paar interessante Reflektionen zum Thema Bürgerkrieg und politischer Herrschaft haben es irgendwie an den Produzenten vorbei in den Blockbuster geschafft. Motive, die auf Kosten eines konventionellen Action-Showdowns überraschend konsequent bearbeitet werden.

Leider liegen zwischen dem überzeugenden Auftakt und dem erzählerisch gelungenen Finale noch gut anderthalb Stunden Film, die vergleichsweise langatmig, unspektakulär und inkonsistent ausgefallen sind. Ein Großteil dieser Zeit verwendet Regisseur Francis Lawrence nämlich auf die amourösen Probleme zwischen Kadniss, Peeta und Gale.

Für wen wird sich unsere tapfere Heldin am Ende wohl entscheiden? Diese Frage baut der Film in zehrender Ausführlichkeit auf, ohne dabei jedoch wirklich voranzukommen oder gar zu berühren. Zu distanziert und schematisch arbeitet sich „Mockingjay Teil 2“ an diesem dreieckigen Beziehungsgeflecht ab. Peeta ringt Szene für Szene an den Folgen seiner Gefangenschaft und Gale stellt sich gleich mehrfach den dunklen Seiten der militärischen Führung. Katniss steht dazwischen. Eine berührende Liebesgeschichte kommt dabei leider nicht heraus. Dafür Sätze wie „Es sind Primeln. Ich habe sie am Waldrand gepflückt“.

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Jennifer Lawrence & Co: Diese Stars wären beim Dreh fast gestorben!

Reden , Leiden, Laufen: Mockingjay II ist kein Actionfeuerwerk

Die Devise der Drehbuchautoren scheint klar. Was schon in „Twilight“ funktioniert hat, soll nun offenbar auch in „Mockingjay Teil 2“ die jungen Herzen schneller schlagen lassen. Im Grunde ist gegen die gefährlichen Liebschaften der Katniss Everdeen auch wenig einzuwenden, immerhin bildet der Film damit die Lebenswelt der Zielgruppe ab. Doch Liam Hemsworth (Gale) und Josh Hutcherson (Peeta) liefern eine derartig lasche Show ab, dass es wirklich schwer fällt, sich auf diesen Aspekt des Films einzulassen.

Wer sich aufgrund der Action in die „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“ verirren sollte, kann dagegen gleich ganz zuhause bleiben. Eine einzige nennenswerte Sequenz hat der Film in dieser Hinsicht zu bieten. Der Rest besteht aus Reden, Leiden und Laufen. Die besagte Sequenz ist dafür aber recht spannend geraten, auch wenn sie in ihren schwächeren Momenten an die legendär unsäglichen CGI-Momente aus „I Am Legend“ erinnert. Und das kommt nicht von ungefähr. Der Regisseur war nämlich derselbe.

Die Tribute von Panem Mockingjay Teil 2 - Für Primrose-Trailer.

Fazit

Etwas zähflüssig aber letztlich schön rund ist das Ende der „Tribute von Panem“ geworden. Entgegen der aktuellen Vermarktung des Films ist hier kein furioses, action-getriebenes Blockbuster-Spektakel zu erwarten, sondern ein eher besonnener Schlussakkord, der die zentralen Themen der Reihe noch einmal schlüssig aufbereitet. Katniss‘ Kampf um ein selbstbestimmtes Leben, die Hoheit über ihre Identität und die Suche nach dem Mann fürs Leben – alles bekommt seinen gebührenden Platz. Große Fragen bleiben keine offen.

Das lässt „Die Tribute von Panem: Mockingjay Teil 2“ trotz seiner strapazierenden Längen, seiner dumpfen Dialoge und seiner bisweilen arg konstruierten Struktur insgesamt als einen befriedigenden Abschluss durchgehen. Die fragwürdige Zweiteilung des Finales hätte man sich – wer hätte das gedacht – aber dennoch sparen können.

rating7

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