Veto der Woche: Die Zweiteilung eines Filmreihen-Finales

Philipp Schleinig 2

Man nehme eine beliebte Filmreihe, bausche alles zum großen Finale auf und… teile das Ganze dann in zwei Werke. Hollywoods Geldwahnsinn schlägt einen neuen Trend ein. Für uns ist das ganz klar das Veto der Woche.

Erst letzte Woche habe ich mich über die zwanghafte FSK-12-Freigabe der großen Filmstudios geärgert, nun geht es wieder um eine Masche, mit der Hollywood das Boxoffice steigern will. Gemeint ist die Zweiteilung des großen Finales einer Filmreihe. Dass das Phänomen jüngster Natur ist, zeigt ein genauerer Blick: 2010 war es als erstes großes Franchise der „Harry Potter“-Reihe beschieden, ein zweiteiliges Ende zu bekommen. Mit dem bombastischen Erfolg von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1&2“ sahen sich die Produzenten bestätigt und auch die Konkurrenz war beeindruckt.

Nein, das Thema ist nicht neu, der zunehmende Trend aber ist erschreckend. Nach „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 1“ und „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2“ erreicht uns schon im nächsten Monat mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ das nächste Opfer. Währenddessen wurde verkündet, dass auch die „Divergent“-Reihe ein zweiteiliges Finale bekommt: „Allegiant – Teil 1“ erscheint im März 2016 und „Allegiant – Teil 2“ im März 2017. Es ist nicht nur zu erkennen, dass die Tendenz steigt, sondern ist auch zu befürchten, dass viele Filmstudios diesen Weg als Vorbild ansehen.

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So darf es aber nicht weiter gehen! Es ist eine Sache, einem Franchise mehr Raum für die kreative Entfaltung zu geben. Es ist aber eine andere Sache, diese schöpferische Darstellung für sich zu beanspruchen, ohne sie in Wirklichkeit umzusetzen. Ich verstehe, dass „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ sich Zeit für das Charakter-Trio nahm. Das zog sich aber dermaßen in die Länge, dass die eigentlich spannenden Dinge in dem ersten Teil, wie auch in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ wiederum fehlten. Auf einmal – Spoiler! – waren Remus Lupin (David Thewlis) und Nymphadora Tonks (Natalia Tena) tot und ich saß im Kinosessel und ärgerte mich noch über die Waldszene des ersten Finalteils.

Vor allem frage ich mich, warum dann nicht schon früher Filme, die eindeutig das Potenzial dazu besessen hätten, aufgesplittet wurden? „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs – Teil 1&2“ zum Beispiel. Ja, das hätte mich nicht minder geärgert, denn schauen wir einmal auf die Realität: Peter Jackson zauberte mit dem letzten Film seiner „Herr der Ringe“-Trilogie ein Meisterwerk, welches mit 11 Oscars ausgezeichnet wurde. Meint ihr, die Rezeption des Films wäre auch nur annähernd so großartig gewesen, wenn wir kurz vor der Schlacht von Mina Tirith ein Jahr hätten warten müssen?

Ein letztes Argument, welches mir in dieser Diskussion oftmals entgegenschlägt, stellt zwei interessante Dinge heraus: „Wenn es die Buchvorlage halt hergibt…“. Nicht nur ist dieses leidliche Phänomen bisher vor allem bei Romanverfilmungen zu finden, sondern scheint es dann auf einmal auch gerechtfertigt, wenn die Buchvorlage weiter ausgebeutet wird. „Deren Fans freuen sich eh über jeden Film zu ihrem Lieblingswerk und der ahnungslose Kinozuschauer will, auch ohne das Buch gelesen zu haben, wissen, wie das Spektakel ausgeht“. Da klingelt etwas in meinen Ohren, nämlich der Geldbeutel der Hollywood-Studios. In diesem Punkt zeigt sich, warum die Produzenten ungehindert mit ihrer Masche fortfahren können: Der Fan, der als einzige Zuschauergruppe die Chance hätte, sich gegen das System aufzulehnen, möchte es nicht. Denn so lebt sein Franchise fort und fort.

So appelliere ich als Kinozuschauer, der die literarischen Vorlagen nur in den seltensten Fällen gelesen hat, an die Studios: Hört auf, uns zu quälen, wenn wir ein Jahr auf die Fortsetzung eines spannenden Finales warten müssen! Hört auf, uns Redakteure so undankbar lange Filmtitel vorzusetzen, mit deren Aufzählung schon der halbe Text geschrieben ist! Hört auf, Geschichten – auch wenn sie vielleicht das Potenzial dazu haben – in die Länge zu ziehen und beschränkt euch auf das Wichtigste und Wesentlichste! David Yates hat es doch auch geschafft, das 1000 Seiten dicke Buch „Harry Potter und der Orden des Phönix“ in einen Film zu bannen. Lang lebe die Film-Trilogie!

Vor Kurzem hielt sogar die Comic-Welt den Atem an, als Daily Marvelite das Gerücht in Umlauf brachte, auch „The Avengers 3“ solle zweigeteilt werden. An diesem Punkt kann ich kopfschüttelnd nur noch resignieren.

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