Elysium-Filmkritik: District Desaster

David Hain 1

Was ist da nur passiert? Neill Blomkamp war für ganz kurze Zeit das große Wunderkind Hollywoods. Aus dem Nichts kam er, wurde von Peter Jackson gefördert, drehte „District 9“ und Boom – Welterfolg. „District 9“ war zwar phasenweise arg plakativ, aber dennoch clever, überraschend frisch und unterhaltsam. „Elysium“ ist im direkten Vergleich ganz schlicht und ergreifend einfach nur dumm.

Aber der Reihe nach, zunächst die guten Aspekte:

So, da wir das hinter uns hätten, kommen wir zu der imminentesten Frage, nach dem zweifelhaften Genuss dieses Machwerkes: Was muss eigentlich passieren, damit ein vormals respektabler Regisseur mit klar erkennbaren Visionen und frech-ironischem Auge einen derart nach allen Regeln der Studiokunst glattgebügelten Langweiler produziert? Einen, der vermuten lässt, dass „District 9“ nicht mehr als ein Glückstreffer gewesen sein kann?

Ein ganz grundsätzliches Problem ist sicherlich, dass Elysium gefühlte 50 Jahre Filmgeschichte zu spät kommt. Die Story von arm und reich, von unterdrückt und herrschend, die ist so alt wie das Geschichtenerzählen selbst. Natürlich ist gegen ein neuerliches Aufkochen nichts auszusetzen, aber Blomkamp fällt zu seiner Prämisse so überhaupt nichts ein. Er verlagert lediglich den Handlungsort. Hier ist nun eben „Elysium“ das blühende Paradies, das es zu erreichen gilt.

Dass es dazu ganz unweigerlich kommen wird, ist bereits nach rund 20 Minuten klar. Länger benötigt Blomkamp nicht, um seinen Film als furchtbar geradliniges Abfilmen der Sci-Fi-Checkliste zu enttarnen. Überraschungen sind hier ebenso rar gesät wie eigene Ideen. Aktuell zeigt „Pacific Rim“ im Kino, dass auch eine Kanonade aus Genrezitaten unterhaltsam sein kann, doch für diese Klasse fehlt es „Elysium“ an…nun, praktisch allem.

Die Dialoge sind weitestgehend hanebüchen, die Situationen abwegig, unlogisch, das Drehbuch wirr und unfokussiert und die Charaktere blasser als die gesamte „Twillight“-Riege zusammen. Das geht so weit, dass man sich im Falle von Matt Damon sogar fragen muss, ob er überhaupt der Hauptdarsteller ist. Die wenige Screentime die man ihm zugesteht, verbringt Damon mit Schmerzensschreien und unverständlichen Grunzern, viel zu sagen hat er nicht, als Sympathieträger versagt seine Figur vollends.

Elysium

Jodie Foster und der als Bösewicht Kruger komplett fehlbesetzte Sharlto Copley trifft es sogar noch schlimmer, aber wie soll man auch gegen eine Handlung anspielen, die gern tiefgründig und gesellschaftskritisch wäre, dabei doch letztlich nur verlogen wirkt. Da werden ein paar Storyknöpfe gedrückt, ganz nach Hollywood-Einmaleins – irgendwann wird die emotionale Achterbahn schon einen Gang hochfahren.

Macht sie aber nicht. Bis das Tamtam endlich zu Ende ist, schleppt sich „Elysium“ fast ausschließlich durch Tiefen, vorbei an moralinsaurer Schwafelei, mittelprächtigen Effekte und zwei ganzen Actionszenen, die dann obendrein noch unspektakulär inszeniert sind und mit völlig chaotischer Kameraführung nerven. Für ein Spektakel, das eigentlich unterhalten sollte, eine katastrophale Bilanz.

Elysium

Natürlich ist es nicht durchweg ganz so drastisch, wie hier dargestellt. „Elysium“ hat seine zwei, drei Momente, wo das verschenkte Potential der Geschichte aufblitzt – was dann eigentlich nur noch mehr verärgert. Es sind die visuellen Einfälle, die Neill Blomkamp auszeichnen. Hin und wieder flackern hier Bilder über die Leinwand, die den immensen Einfallsreichtum vermuten lassen, der sich scheinbar dem Druck des millionenschweren Budgets ergeben musste.

Elysium: Filmkritik-Fazit

Es ist immer ein schöner Ausgangspunkt, wenn der vorangegangene Erfolg derart groß war, dass man für den Nachfolger praktisch die Carte Blanche ausgehändigt bekommt. Sprich: Größeres Budget, größere Stars, größerer Kinostart. Nach „District 9“ konnte man ja auch hoffen. Im Falle von „Elysium“ jedoch völlig unbegründet. Neill Blomkamps Zweitwerk ist nicht weniger als ein Desaster, das soweit neben die Erwartungen schießt, dass es förmlich erschreckt.

Nichts stimmt hier: Tempo, Timing, Action. Die Drehbuchautoren bringen das Kunststück zu Stande, gleichzeitig komplett vorhersehbar zu schreiben, dabei aber doch so wirr und unlogisch zu bleiben, dass man im Sumpf der Plotholes zu ersticken droht. Das größte Problem jedoch sind die Figuren, denen ich keine Sekunde folgen möchte. Unsympathisch, schablonenhaft und unnahbar, allesamt. Noch viel weiter weg von seinem tollen Erstling könnte Blomkamp gar nicht sein.

Wertung: 2/10


Mehr auf der offiziellen Filmseite, der vielversprechende Trailer vom Juni

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