Fifty Shades of Grey: Kein Bums im Soundtrack zum SM-Film

Daniel Schmidt 3

In wenigen Tagen feiert der mit Spannung erwartete Film „Fifty Shades of Grey“ auf der Berlinale seine Weltpremiere. Als Mainstream-Projekt soll die Verfilmung der erotischen Romane E.L. James Tabus brechen und die SM-Thematik salonfähig machen. Ob der Film an das globale Phänomen der Erfolgsromane heranreichen wird, wird sich noch zeigen. Den Soundtrack dazu haben wir uns schon mal für euch angehört und für etwas schnarchig befunden. 

Musik und Sado-Maso sind zwei Themen, die sich schon seit längerem gut verstehen. Manche mögen sich an die längst vergangenen Zeiten erinnern, als die damals noch relevante Künstlerin Madonna mit ihrem Album „Erotica“ reihenweise Tabus brach. Obwohl derartige Themen in den Neunzigern von Vielen noch ein Naserümpfen ernteten, muss doch anerkannt werden, dass es gelungen war, ein vermeindliches Randgebiet der Erotik mit Klasse und Ästhetik ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. R’nB Star Rihanna hatte es da fast 20 Jahre später wesentlich einfacher und feierte mit ihrem Gesang über Stöcker und Peitschen im Dancefloorfüller „SM“ einen Riesenhit.

Bei solchen Vorbildern steigen die Erwartungen an den Sountrack zu einem Film, der mit der Materie einen Kassenschlager hinlegen will, natürlich ins unermessliche. Was dem gespannten Zuhörer der Filmmusik aus den Lautsprechern entgegen dudelt, muss allerdings eher als musikalischer Blümchensex beschrieben werden.

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Gleich zu Beginn steht die Annie Lennox Version des Fünfziger Jahre Klassikers „I put a Spell on You“, den schon Bette Midler im Film „Hokus Pokus“ covern durfte. Obwohl hier sofort die Machtverhältnisse geklärt werden (I put a spell on you, because you are mine - Ich habe dich verzaubert, weil du mir gehörst), ist da mit Anspielungen auf alternatives Paarungsverhalten aber schon ziemlich Schluss. Zwar lesen sich die Titel auf den ersten Blick mit einiger Fantasie ausreichend verrucht, (Laura Welsh - „Undiscovered“=Unentdeckt, Sia - „Salted Wound“ = Salzige Wunde), klanglich bewegt man sich allerdings eher irgendwo zwischen Flanelbettwäsche und Kuschelrock auf Minidisc. Weder die Neugierde, noch die Lust der Anastasia Stelle (Dakota Johnson), noch die verruchte Persönlichkeit des Sadisten Christian Grey (Jamie Dornan) scheinen großartig durch. Ohne zu wissen, zu welchem Film der Soundtrack zusammengetragen wurde, würde man eher an eine traurige Herzschmerzschmonzette denken, als an Lust und Begierde.

Fifty Shades of Grey - TV-Trailer Englisch.

Unterm Strich ist die Mucke durchaus sexy. Sexy, wie wenn die Geliebte mit regennassen Haaren nach Hause kommt, oder einem gleich nach dem Aufwachen entgegenlächelt. Von erotischer Experimentierfreudigkeit fehlt ziemlich jede Spur. Sogar die Granate Beyoncé und ihr Hit „Crazy in Love“ wurden weich gespült. Zwar wird hier und da immer wieder gehaucht und gesäuselt, damit ist die sexuelle Energie dann aber auch verpufft. Wer mal wieder ausgiebig bei Kerzenschein auf dem heimischen Sofa schmusen möchte, dem sei die Scheibe wärmstens und kuschelig ans Herz gelegt. Alle Neugierigen, die hoffen in einem Soundtrack die subtilen Machtspiele aus ihren erotischen Fantasien zu entdecken, möchte ich hiermit an die grandiose Filmmusik zu „Eiskalte Engel“ erinnern.

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