Veto der Woche: Fifty Shades of Grey – Amerika scheitert an sich selbst

Philipp Schleinig 4

In der vergangenen Woche gab es den zweiten Trailer zur Romanverfilmung „Fifty Shades of Grey“ zu sehen. Viele Fans sahen „noch mehr Erotik“ und versprechen sich vom Film nur Gutes. Dabei kann der Film dank der amerikanischen Prüderie nur scheitern.

Pünktlich zum Valentinstag 2015 wird die Fantasie von tausenden frustrierten Sex-Besessenen endlich wieder angeregt, das Feuer neu entfacht, die Leidenschaft erneut entfesselt: Die langersehnte Verfilmung der SM-Romanreihe „Shades of Grey – Geheimes Verlangen“ kommt in die Kinos. Der Bestseller faszinierte Millionen Leser, sodass es der Film nicht sonderlich schwer haben dürfte, eben auch diese in die Kinos zu locken. „Fifty Shades of Grey“ wird ein sehr erfolgreicher Film an den Kinokassen werden, ohne Frage! Doch der Film wird in seiner Intention großartig scheitern! Warum? Das ist einfach.

Hollywood dreht diesen Film. Natürlich dreht Hollywood diesen Film, schließlich verwertet man dort alles, was irgendwie Geld bringen könnte. Das Problem ist nicht einmal „Fifty Shades of Grey“ an sich – abgesehen davon, dass sich an dieser Stelle über die Daseinsberechtigung der literarischen Vorlage streiten ließe. Dass Fans endlich auch in Bildern erleben dürfen, wie Christian Grey (Jamie Dornan) und Anastasia Steele (Dakota Johnson) ihre Körper aneinander reiben, sei jedem vergönnt! Allerdings werden sie das kaum tun, zumindest nicht für den Zuschauer ersichtlich. Ihr glaubt doch nicht allen Ernstes, dass „Fifty Shades of Grey“ die doch sehr eindringlichen Sätze der Vorlage so exakt in Bildern wiedergeben wird?

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Wir haben es hier mit der US-amerikanischen Film-Industrie zu tun, einfacher gesagt: mit den USA. Waffen? Kein Problem. Ein großes und florierendes Porno-Business? Wächst und gedeiht. Aber das Wort „fuck“ in Sendungen sowie BDSM-Praktiken und Sex in regulären Filmen? An dieser Stelle darf gelacht werden. (Ich füge zur besseren Beschreibung das passende Gif unter diesen Abschnitt.) Gerade die USA ist doch für ihre prüden Einstellungen, was Körperpraktiken betrifft, bekannt. Da gibt es also nur zwei Möglichkeiten: Entweder erscheint „Fifty Shades of Grey“ mit NC-17, der amerikanischen Freigabe ab 18 Jahren, oder aber die Sex- und Auspeitsch-Szenen sind harmlos, sprich: kaum vorhanden.

Serious

Und jetzt ratet mal, wofür sich die Verantwortlichen rund um Regisseurin Sam Taylor-Johnson entschieden haben? Mit einer Freigabe ab 12 Jahren lässt sich ein größeres Publikum in die Lichtspielhäuser bringen und somit natürlich noch mehr Geld einnehmen (wir beschwerten uns bereits). Warum sollten die Produzenten also auf die Einnahmen verzichten? Um den Roman getreu der Zeilen umzusetzen? Um den Fans den Film zu bieten, den sie sich erhoffen? Um ein schonungsloses BDSM-Werk zu schaffen? (An dieser Stelle könnt ihr noch einmal einen Blick auf die Gif-Datei oben werfen.) Natürlich nicht! Die Reihe wird ausgeschlachtet und so vermarktet, dass der größtmögliche Nutzen, also der größte Goldhaufen, am Ende dabei herauskommt.

BDSM, kompromisslosen Sex und Dominanz werden sich auch weiterhin in den Köpfen der Zuschauer abspielen müssen. In den USA kommen solche Themen nämlich niemals ungefiltert in die Kinos. Und so wird der Valentinstagsausflug keine Inspiration für das anstehende Bett-Abenteuer, sondern „Fifty Shades of Grey“ nur eine weitere Hollywood-Romanze mit einem etwas anderen Ton.

Fifty Shade of Grey - Trailer 2 Englisch.

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