Das Ende von Game of Thrones: Warum HBO dringend einen neuen Serien-Hit braucht

Tobias Heidemann 1

Das Ende naht. Die sagenhafte Erfolgsgeschichte von „Game of Thrones“ wird zwar noch etwas weitergeschrieben, doch das Ende einer Ära ist in greifbare Nähe gerückt. Was dann? Was hat der amerikanische Pay-TV Sender HBO nach dem Aus seiner weltberühmten Fantasy-Saga noch zu bieten? Nicht gerade viel mäkeln derzeit immer mehr TV-Experten. Denn: Seit „Game of Thrones“ hat der Sender keinen einzigen Hit mehr produziert. Im Gegenteil, teure Prestigemodelle wie „Vinyl“ oder die zweite Staffel „True Detective“ blieben sogar weit hinter den kommerziellen und künstlerischen Erwartungen zurück. Ist der einstige Spitzenreiter wirklich in der Krise? Kaschiert die wohl erfolgreichste Serie der Welt den heimlichen Abstieg seines Senders?  

10 Dinge, die ihr über Game of Thrones wissen solltet:

10 kuriose Fakten über Game of Thrones.

Die Zahlen sagen es ja. Aufsteiger Netflix hat HBO bereits vom Thron gestoßen. Zumindest wenn es nach den Zuschauern selbst geht. Laut einer großen Studie von Morgan Stanley gab die Mehrheit der amerikanischen Zuschauer zum ersten Mal an, dass Netflix den „besten hauseigenen Content“ produziere.

Game of Thrones - Trailer 3 Englisch Staffel 6.

Ein historisches Novum, da diese Umfrage HBO volle sechs Jahre in Folge an der Spitze sah. Doch die Pay TV-Zeiten ändern sich. 2016 gaben 29% der Befragten an, dass Netflix ihnen mit Serien wie „House of Cards“, „Daredevil“ oder „Orange is the New Black“ die besseren Eigenproduktionen bietet. HBO landete mit 18% indes auf Platz zwei. Im Vorjahr waren es noch 31% gewesen. Ein alarmierender Abstieg.

Bilderstrecke starten(21 Bilder)
20 Game-of-Thrones-Schauplätze und wie sie in echt aussehen

Was hat HBO nach dem Ende von Game of Thrones?

Die Studie belegt, was viele Analysten bereits vermutet hatten. HBO verliert trotz Platzhirsch „Game of Thrones“ massiv an Boden. Der phänomenale Erfolg der mit Stars und üppigem Budget veredelten Fantasyserie verstellt den Blick auf das restliche, schwächelnde Portfolio des Pay-TV-Riesen, so die Analyse.

Für den Sender eine besorgniserregende Entwicklung, die sich in diesem Jahr eher noch verschlimmern dürfte. Immerhin wird Netflix 2016 auch erstmals mehr Geld in neue Serien und Filme investieren als HBO. Unglaubliche 2,5 Milliarden Dollar wird das Unternehmen in seine aufwendigen Eigenproduktionen investieren. Time Warner stellt dem Sender HBO laut Morgan Stanleys dagegen 700 Millionen weniger zur Verfügung. Gerade jetzt im Abstiegskampf ein entscheidender Nachteil. Dass Neflix mit einer klaren Kampfansage gegen HBO ins Feld gezogen ist, war allgemein bekannt – dass man so schnell eine Schlacht für sich entscheiden würde, ist hingegen eine Überraschung.

Orange Is the New Black - Staffel 4 Teaser-Trailer.

Der Krieg ist jedoch noch längst nicht gewonnen. Zwar sieht sich HBO durch attraktive Angebote von Netflix, Amazon, FX und Showtime einer wachsenden Konkurrenz ausgesetzt und auch das Free-TV investiert dank Mega-Erfolgen wie etwa „The Walking Dead“ mehr denn je - das sich anbahnende Ende von „Game of Thrones“ und die aktuelle Serien-Flaute sollten dennoch nicht überbewertet werden. Und zwar aus mehreren Gründen.

HBO vs Netflix

In puncto Qualität muss sich HBO schon mal gar keine Sorgen machen. Serien und Mini-Serien wie “Show Me A Hero“, “The Leftovers“, “Veep“ oder “Olive Kitteridge“ gehören weiterhin zum absolut Besten, was der Markt zu bieten hat. Dass sich diese Produktionen nicht als krasse Publikumsmagnete erwiesen haben, ist Teil des quer finanzierenden Konzeptes, das HBO über die Jahre entwickelt hat.

Ein weiterer, wesentlicher Punkt bei der jüngsten Niederlage des Branchenprimus, ist die mangelnde Transparenz des Herausforderers. Die Töpfe von Netflix scheinen bodenlos, der guten PR-Arbeit und dem verschleierten Investorengeflecht sei Dank. Wie lange Netflix dieses schwindelerregende Tempo halten kann, ist aber vollkommen offen. Zudem gibt der Emporkömmling keine Zuschauerzahlen bekannt. Wenn Netflix behauptet, dass „Jessica Jones“ ein großer Hit war, dann ist das eben genau das: Eine Behauptung. Die Kriegserklärung von Netflix könnte sich also letztlich als Bluff erweisen.

 

Bleibt das klaffende Loch, das „Game of Thrones“ mit der Ausstrahlung des Finales in die Senderlandschaft reißen wird. Sicherlich ein herber Verlust, doch es wäre nicht das erst Mal, dass der Sender sich solchen Herausforderungen stellen musste. So konnte HBO zum Beispiel auch das Ende der „Sopranos“ verkraften. Auch damals wurden vielerorts nach dem Ende des wichtigsten Zugpferdes schon die Schwanengesänge auf HBO angestimmt. Und damals war es die schwülstige Vampirserie „True Blood“, die dem Sender letztlich aus der Patsche half.

Mit anderen Worten: Was HBO jetzt braucht, ist mal wieder ein Hit. Gleich zwei neue Serien bieten sich dafür in naher Zukunft an. Mit der seriellen Michael Crichton-Adaption „Westworld“ hat man immerhin die Produktionsfirma von J.J. Abrams und den Namen Nolan an Bord. Allerdings sorgte die heiß erwartete TV-Serie unlängst mit ihrer unbestimmten Verschiebung in die zweite Jahreshälfte für hoch gezogene Augenbrauen. Bleibt das neue Geschöpf „The Deuce“ von „The Wire“-Macher David Simon. Auch diese Serie könnte sich durchaus als potent erweisen, immerhin geht es um die Porno-Industrie der 70er und 80er Jahre.

Westworld Staffel 1 - Teaser Englisch.

Sollten diese Projekte allerdings floppen, dürfte HBO tatsächlich unter Zugzwang geraten. Dann muss der Sender schnellstmöglichst beweisen, dass er auch 2016 nicht nur Qualität, sondern auch Hits produzieren kann.

Zu welchem Game of Thrones-Haus gehörst du? (Quiz)

Zu welchem adeligen Haus in der Welt von Game of Thrones gehört ihr? Stark, Baratheon, Lannister oder doch Targaryen? Mit diesem ausführlichen Quiz-Test könnt ihr es herausfinden.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung