Gefährten – Videokritik – zwischen Schmalz und Wendy-Abo: Steven Spielberg geht der Gaul durch

Martin Beck 9

Aber natürlich wurde „Gefährten“ für etliche Oscars nominiert und „Tim und Struppi“ ging komplett leer aus. Man kann von der Academy einfach nicht erwarten, wahre Qualität von banalem Baukastenkino zu unterscheiden. Und um Krieg geht es doch auch noch, bei „Gefährten“, genauso wie die Beschwörung klassischer Hollywood-Tugenden. Steven Spielberg goes Retro…und alle kleinen Mädchen mit Wendy-Schultaschen werden ihm dafür ewig dankbar sein.

„Gefährten“ erzählt über 2 ½ Stunden von der Freunschaft zwischen einem jungen Mann und seinem Pferd. Zuerst sollte das Pferd nur als Ackergaul eingesetzt werden, doch entgegen aller Widrigkeiten darf es sich als großartiges Kriegspferd beweisen. Schon bald bricht nämlich der Erste Weltkrieg über diese Freundschaft herein und öffnet damit zahllose Schmalztöpfe, die am Ende in ein jubilierendes „green screen“-Finale münden. Das Leben kann eben DOCH ein Ponyhof sein.

„Gefährten“ ist zuallerst einmal ein satter Lacherfolg, weil sich der Film verdammt nahe an Verblödungsuntiefen heranwagt. Steven Spielberg würfelt hier einfach klassische Hollywood-Zutaten zusammen und meint tatsächlich, dass die Kombination aus schwelgerischen Geigen, schönen Bildern und bewährten Epos-Inhalten (wie z.B. Freundschaft, Krieg, Treue, etc.) automatisch einen neuen Hollywoodschinken von zeitloser Qualität erzeugt. Ob das nun naiv oder einfach nur faul ist, darf jeder für sich selbst auswürfeln.

Die bloße Berufung auf Retro-Kino ist im Grunde genauso schlimm wie die Begründung eines Films mit 3D-Effekten. Bei „Gefährten“ geht Steven Spielberg gehörig der erzählerische Gaul durch und erzeugt einen mutlosen Langeweiler, der nicht mal in den braven Schlachtenszenen seine rosarote Wendy-Aura ablegen kann. 2 ½ Stunden plakativer Breitwand-Sülz, dessen uninspirierte Standard-Emotionen selbst erklärte Spielberg-Fans wie Martin und David zu saftigem Geläster hinreissen lassen. Eine Videokritik zwischen Lachen und Weinen, Bangen und Zetern: Wer seine Lebenszeit nicht mit einem Kinobesuch verkürzen möchte, sollte weiter oben mal besser auf „Play“ drücken.

Wertung: 3/10

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Emily Watson, David Thewlis, Peter Mullan
USA/2011
Start: 16.2.2012

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