Hört endlich auf zu spoilern: 7 einfache Tipps für bessere Kino-Trailer

Tobias Heidemann 1

Was braucht ein guter Trailer? Welche Mittel sollte er einsetzen, um unser Interesse zu wecken? Wie kriegt man uns heute überhaupt noch ins Kino? Die Filmwelt hat erstaunlich schlichte Antworten auf diese komplexen Fragen gefunden. Wer sich so wie wir regelmäßig Trailer ansieht, der kommt nicht umhin, ihnen in puncto Technik und Konventionen eine ernüchternde Ähnlichkeit zu attestieren. Hollywood will uns seit Jahren mit den immer gleichen Mitteln verführen und tritt dabei vor allem den Filmfans nicht selten gehörig auf den Schlips. Muss das sein? Ist es wirklich so schwer, einen effektiven Trailer basteln? Ich glaube nicht. Hier sind 7 einfache Tipps für eine bessere Trailer-Welt.

ichbincool

1. Tipp: Hört auf den kompletten Film zu spoilern!

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Die derzeit wohl am weitesten verbreitete Seuche im Trailer-Geschäft. Trailer wie jene zu „Terminator: Genisys“ , zu „Batman V Superman“ oder zum „Poltergeist“-Remake führen uns schmerzlich vor Augen, wie respektlos Hollywood mit seinen eigenen Werken umgeht. Nicht selten wird uns der gesamte Verlauf des Films schon im Trailer komplett verraten. Lasst es einfach!

Ich weiß, liebe Hollywood-Menschen, ihr glaubt jeder Trailer müsse erst alle Charaktere und Schauplätze einführen, dann die etwaigen Hindernisse etablieren, um schließlich den Konflikt mit einer spannenden/lustigen Montage zu intensivieren. Vielleicht steht das irgendwo im „Handbuch für langweile Trailer“, aber sehen will ich das verdammt nochmal nicht. Was ist denn eigentlich ein Trailer? Welches Ziel verfolgt er? Er soll mich neugierig machen! Er soll mich ins Kino locken, mich verführen, mich anfüttern. Also NICHT gleich alles auflösen, sondern einfach mal Fragen stellen! Zeigt mir nicht, was ich sehen werde, stellt mir die gottverdammte Frage: Was werde ich sehen? Nistet euch in mein Gehirn ein. Mit Geheimnissen, mit Eventualitäten, mit Unklarheiten. Es heißt doch nicht ohne Grund „Teaser“, maaaan! Wie man`s richtig macht, zeigt zum Beispiel der sieben Jahre alte Trailer zu „Cloverfield“.

Cloverfield - Trailer 1 Englisch.

2. Tipp: Musik ist keine Nebensache!

Gute Trailer sind erst einmal nichts anderes als effektiv hervorgerufene Gefühle. Angst, Aufregung, Melancholie - ein erfolgreicher Trailer versetzt seine Zuschauer aus dem Stand in die zentrale Stimmung des zu vermarktenden Films. Nichts transportiert die gewünschte Emotion dabei so gut wie Musik.

Der richtige Track vermag uns unmittelbar mit dem Geist des Streifens zu infizieren. Warum also greifen die Studios bei der Herstellung eines Trailers immer wieder in die gleiche Mottenkiste abgegriffener Tracks? Häufig wurde die Musik eines Trailers bereits etliche Male in anderen Trailern verwendet. Der Soundtrack zu „Bram Stoker’s Dracula“ mag zum Beispiel für sich genommen ein kleines Meisterwerk sein, er ist aber auch für immer an Coppolas Film gebunden und weckt deshalb auch die entsprechenden Assoziationen. Seine nochmalige Verwendung an anderer Stelle irritiert demnach in erster Linie und wirkt im schlimmsten Fall wie eine schlechte Kopie. Was man mit Musik in einem Trailer alles erreichen kann, das zeigen die beiden folgenden (sehr unterschiedlichen) Beispiele „Where The Wild Things Are“ und „Guardians Of The Galaxy„.

Where The Wild Things Are - Trailer Englisch HD.

 

Guardians of the Galaxy Trailer #1.

3. Tipp: Konventionen sind langweilig!

Action, Science-Fiction, Comedy, Drama, Horror – das Genre des Films gibt auch dem Trailer in der Regel ein klares Set von Konventionen vor. Erklingt zum Beispiel ein „freches“ Banjo, handelt es sich garantiert um eine Komödie. Sehen wir indes einer Gruppe von Teenagern dabei zu, wie sie zu fröhlicher Up-Tempo Synthie-Emo-Mucke ihr Reisegepäck versorgen, während sie Dinge wie „Everybody ready“ rufen, werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit sogleich mit dem „Bad-Badum-Effekt“ daran erinnert, dass das hier ein Trailer zu einem Horrorfilm ist.

Konventionen müssen dabei nicht unbedingt schlecht sein. Immerhin macht es wenig Sinn, „Transformers 5“ mit den Gepflogenheiten eines Woody Allen-Trailers zu verbreiten (wenngleich auch das einen gewissen Reiz hätte). ABER! Es ist selbstverständlich immer erlaubt, mit Konventionen zu spielen oder – man mag es kaum laut aussprechen - sie gar zu ignorieren. Konventionen vermitteln nämlich in erster Linie eine Botschaft: Das hier ist einfach nur mehr vom Gleichen. Dementsprechend sinkt auch die Erwartungshaltung gegenüber dem Film. Dass es sich lohnen kann, auch nur ein kleines bisschen an den Stellschrauben der Trailer-Konventionen zu drehen, das zeigt zum Beispiel dieser Trailer zum „Evil Dead„-Remake.

The Evil Dead - Trailer Englisch.

4. Tipp: Virale Kampagnen sind cool!

Ok, zugegeben, nicht jede Viral-Kampagne funktioniert. Wenn wir es genau nehmen, funktionieren tatsächlich die wenigsten. Doch der Versuch ist es meiner Meinung nach eindeutig wert. Virals gehen im Gegensatz zu den meisten Trailer-Konventionen mit der Zeit und sind per Definition erst einmal etwas Ungewöhnliches. Sie sollen unsere Neugierde wecken. Eine Mission an welcher konventionelle Trailer leider viel zu oft scheitern. Egal, ob sich fiktive Charaktere heimlich in unsere Mitte mogeln, wir über gefakte Websites stolpern oder wir reale Reaktionen eines Test-Publikums zu sehen bekommen – Virals wecken oft meine Aufmerksamkeit und damit die Lust auf den dazugehörigen Film. Ruhig mehr davon! Wie weit eine ungewöhnliche Werbekampagne einen Film tragen kann, dass konnte man 1999 schon an „The Blair Witch Project“ ablesen.

The Blair Witch Project (1999) - Trailer.

5. Tipp: Bitte, bitte keine Erzählerstimmen mehr!

“In einer Welt, in der…“, “In einer Zeit, in der…“, “Diesen Sommer…“ - vielleicht hatten die reißerischen Off-Stimmen irgendwann einmal ihre Berechtigung. Aber selbst wenn, diese Zeit ist lange, lange, laaaange vorbei, liebe Trailermacher. Warum sie uns dennoch immer wieder untergejubelt werden? Keine Ahnung. Die Technik ist derartig angestaubt, dass sie nur noch unfreiwillig komisch wirkt und dem Trailer mehr schadet, als dass sie ihm nutzen würde. Und bitte auch keine komplette Synopsis des Films mehr. Uns einfach zu erzählen, worum es im Film geht, ist die schlechteste aller möglichen Techniken. Bilder und Dialoge dürfen ruhig für sich sprechen. Das mag zwar etwas mehr Aufwand bedeuten, aber wenn die Macher selbst schon nicht an ihren Film glauben, wie sollen wir es dann erst?

Comedian Movie Trailer.

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