Es gab einmal Zeiten, in denen wir über den Sequel- und Prequel-Wahn von Hollywood meckerten. Der neue Trend, was die filmischen Superhelden zumindest betrifft, heißt allerdings: Spin-off.

Ich beschwere mich nicht über Superhelden-Filme. Das Sichten der Comic-Verfilmungen macht zumeist selbst Comic-Laien großen Spaß. Von liebloser Aufmachung kann hierbei nämlich kaum die Rede sein. Die Produktionsstudios und ihre Superhelden-Verantwortlichen klemmen sich hinter die Projekte, planen, entwickeln und produzieren, was das Zeug hält. In diesem Zusammenhang gibt es aber seit einiger Zeit einen Trend, von dem ich mich wenig begeistert zeige: die Vermarktung jedes Superhelden in einzelnen Filmen, den Spin-offs.

Dabei muss unterschieden werden: Die Rückkehr des Batman in Christopher Nolans „The Dark Knight“-Trilogie ist davon ebenso abzuheben, wie Marvels (bisheriger!) Plan der Avengers-Vereinigung. Ich beziehe mich in diesem Text mal nur auf Marvel und konkretisiere daher: Superhelden eigenständige Filme zu geben und sie anschließend zu vereinen, ist eine spannende Idee und hat ja bei „Marvel’s The Avengers“ super funktioniert. Doch der Erfolg spornt an, bringt Nachahmer mit sich, schlachtet die Idee aus und bringt uns einen Overload an Superhelden.

So lautet der Plan, möglichst viele Marvel-Superhelden eigenständig auf die Leinwand zu bringen, um die Lücken zwischen den großen Zusammenkünften zu füllen. Wenn „The Avengers 2: The Age of Ultron“ in die Kinos kommt, endet Marvels Phase 2. Die Zukunft ist bisher halb mit „Captain America 3“ und „Thor 3“ besetzt, doch ein erneuter Auftritt von Robert Downey Jr. als „Iron Man“ steht eventuell noch aus, andere Helden sollen in dessen Fußstapfen treten. So initiiert Marvel-Boss Kevin Feige das Aufkommen von Quicksilver (Aaron Taylor-Johnson), Scarlett Witch (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany), die möglicherweise ebenfalls Spin-offs bekommen sollen. So ist es zumindest bei den Kollegen von Indiewire zu lesen.

Die Rechtinhaber anderer Marvel-Figuren ziehen ebenfalls nach: Sony Pictures will nach „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ und der direkten Fortsetzung, „The Amazing Spider-Man 3“ die Bösewichte mit einem eigenständigen „Venom“- und „Sinister Six“-Film etablieren. 20th Century Fox plant weiterhin groß für die Mutanten-Vereinigung der X-Men, welche mit „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im Mai in die nächste Runde geht. Die Figur der Mystique (Jennifer Lawrence) ist nur eine der Charaktere, die ebenfalls in einem eigenständigen Film auftreten soll. Disney, Hauptanteilseigner an Marvel, will den möglichen Erfolg der „Guardians of the Galaxy“ nutzen und jeden der Charakter um Star Lord, Rocket Raccon und Gamora ebenfalls einen alleinigen Auftritt bescheren.

Nichts gegen die X-Men, gegen Spidey, gegen Iron Man und Co.: Superhelden-Filme bringen Abwechslung in den Kino-Alltag und ersetzen langweilige 08/15-Actionfilme. Doch mir schwant nichts Gutes bei einer Flut von Superhelden, wenn jeder Protagonist ein Spin-off bekommen soll. Eigenständige Comics bieten viel Raum für Charaktere und deren Wesensentfaltung. Eine alleinige Daseinsberechtigung würden dagegen ihre filmischen Adaptionen nicht verdienen, wenn sie nur Wege für neue Vereinigungen ebnen sollen. Dann bleibt die Frage, ob eine Serienvermarktung nicht sinnvoller wäre.

Superheldencomic-Verfilmungen mögen bitte beibehalten werden! Aber Spin-offs zu jedem Guardian der Galaxie, zu einigen anderen Mutanten der X-Men, zu Spider-Mans Gegenspielern?

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