Sci-Fi-Romanze par excellence: Kritik zu Spike Jonzes „Her“

Timo Löhndorf 4

Hey! Du! Hör sofort auf zu scrollen, klicke auf diesen Artikel und finde heraus, warum du eigentlich schon längst im Kino sitzen und dir „Her“ ansehen solltest.

Sci-Fi-Romanze par excellence: Kritik zu Spike Jonzes „Her“

Deutschland, Litauen, Japan. Was haben diese drei Länder gemeinsam?

Genau! Wir sind die weltweit Letzten, die Spike Jonzes neues Meisterstück „Her“ sehen können. Nachdem der Film bereits im Oktober 2013 auf den ersten Festivals aufgeführt wurde und im Januar in den meisten Regionen des Planeten anlief, folgte am 27. März 2014 endlich der deutsche Kinostart.

Warum wir so lange auf dieses erstklassige Stück warten mussten, wissen nur der deutsche Verleih und Gott selber. Allerdings kann ich euch sagen, warum der Film vor allem für unsere Generation die wohl besten und relevantesten zwei Stunden darstellt, die es geben kann.

HER_Poster

„Worum geht es?“

Im Zentrum des Films steht Theodore Twombly (Joaquin Phoenix), ein freundlicher aber melancholischer Außenseiter und Einzelgänger. Wenn er nicht verträumt durch ein futuristisches Los Angeles stolpert, geht er seinem Beruf nach und produziert handgeschriebene Briefe für fremde Menschen. Seine Freizeit verbringt er hauptsächlich mit Videospielen und Passivität.

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Der Stein gerät ins Rollen, als er sich ein neues Betriebssystem kauft. Laut Werbung ist es das Erste mit einer künstlichen Intelligenz (einem „Bewusstsein“). Schon kurz nach der Installation fühlt er sich zum System, das sich selbst Samantha tauft und von Scarlett Johannsons einmaliger Stimme ver“körpert“ wird, hingezogen.

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Nach anfänglicher Irritation beginnen die Beiden eine romantische Beziehung, die trotz ihrer künstlichen Natur eine der besten und interessantesten Romanzen ist, die je auf Film gebannt wurde.

„Das hört sich ja schon etwas lahm an..“

Zugegeben, nach einem kurzen Blick auf die Oberfläche bietet der Film keine bahnbrechenden Innovationen. Wer aber die vorherige Arbeit des Regisseurs Spike Jonze (Filme wie „Wo die wilden Kerle wohnen“ oder „Being John Malkovich“) kennt, der weiß, dass hier nicht bloß eine langweilige Geschichte von A nach B erzählt wird.

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„Aha, was ist denn so besonders am Film?“

Um mit dem Einfachsten zu beginnen, der Stil. Jonze kreiert eine dezente und trotzdem unheimlich detaillierte Welt, die sich bereits in den ersten Momenten des Films real anfühlt. Ohne sich groß das Gehirn zu verknoten wird man in eine nahe Zukunft verfrachtet, die zum Teil glaubwürdiger ist, als die Gegenwart.

Perfekte Begleiter für die hypnotisierenden Bilder sind die Musik und das Sounddesign. Wie eine warme Decke legt es sich um die Ohren und tut ihr Übriges, um den Zuschauer komplett in den Film zu involvieren.

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„Also nur was Hübsches zum Gucken und Hören?“

Mitnichten, zynische, imaginäre Stimme! Der makellose und kreative Stil des Films ist nur die Leinwand, auf der Schauspieler und Regisseur eine Story erzählen, die mehr Ebenen hat als das Empire State Building selbst.

Joaquin Phoenix gelingt es perfekt, die zunehmende Isolation zu symbolisieren, die sich in unserer unfassbar schnellen und immer anonymer werdenden Welt langsam aber sicher ausbreitet. Er ist ein verwirrter und gelegentlich trauriger Mann, der planlos durchs Leben stolpert und in erster Linie versucht, sich und seine eigenen Gedanken besser zu verstehen.

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Sein Gegenstück ist Scarlett Johannson als Samantha, eine neu „geborene“ künstliche Intelligenz, die die Grenzen von Realität, Fantasie, Emotionen und Rationalität konstant herausfordert.

Wie Theodore mit Samantha und den anderen Frauen in seinem Leben umgeht ist der interessanteste und beste Aspekt des Films. Die Fragen, die „Her“ in Bezug auf Identität, Liebe und Zuneigung stellt sind so zahlreich und tiefgreifend wie in keinem anderen Film.

In einer Zeit, in der immer mehr Kommunikation via Facebook, Skype, SMS etc. abläuft, spricht Spike Jonze vor allem unsere Generation der „Digital Natives“ an und pflanzt etliche Gedankenansätze, die die eigene Aussicht auf das Leben und die Beziehungen zu anderen Menschen noch Tage, Wochen und Monate später beeinflussen und bereichern werden.

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„War zu lang, hab ich nicht gelesen, gib mir ein Fazit.“

„Her“ hat mich trotz der zahlreichen Lobgesänge und meinen hohen Erwartungen noch überrascht. Es ist eines der seltenen Beispiele die zeigen, was man aus dem Medium Film machen kann. In keiner Disziplin weist er Schwächen auf. Es ist eine witzige, romantische und fundamental interessante Diskussion über Liebe und den Zustand der Menschlichkeit. Einer der besten Filme des Jahres, eines der besten Drehbücher aller Zeiten und pure Magie.

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„Immer noch zu lang.“

10/10

„Oh, dann sollte ich wohl schnell ins Kino gehen.“

Ja.

 

Als zusätzliche Motivation hier noch Roberts Meinung zu „Her“:

"HER" | Trailer & Kritik Review Deutsch German [HD].

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