HERCULES - Kritik

Philipp Schleinig

Erfahrt in unserer Filmkritik zu „Hercules“, wie sich Dwayne Johnson als Halbgott schlägt, ob der Film seinen Konkurrenten „The Legend of Hercules“ schlägt und wie es allgemein um den Film bestellt ist.

"HERCULES" Kritik & Trailer Deutsch German Review | Dwayne Johnson 2014 [HD].
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Knapp fünf Millionen Follower auf Instagram, circa acht Millionen auf Twitter und satte 40 Millionen Fans auf Facebook – die Reichweite von Dwayne Johnson in den sozialen Netzwerken dieser Welt ist enorm. Seine Fans scharen sich um den Hünen, nehmen seine Diät-Tipps beim Wort, messen sich mit ihm und seinen Trainingsgewichten und rennen scharenweise in die Kinos, wenn The Rock zu seinen Kinofilmen ruft. Er gibt den cool guy und trifft damit den Sympathienerv von Millionen Zuschauern. Doch was haben seine Filme davon? Inwieweit kann ein „Hercules“ von seinem Hauptdarsteller profitieren? Ist es einzig und allein Dwayne Johnson, der „Hercules“ zum Erfolg verhilft?

„Hercules“ dürfte die wohl passendste Rolle für Dwayne Johnson in seiner bisherigen Karriere sein, gehen wir nur einmal von der körperlichen Statur von – bezeichnend – The Rock aus. Ein Halbgott, der sich Göttern widersetzt, den Sterblichen hilft und von nichts und niemanden zu schlagen ist. Ja, Dwayne Johnson ist Herkules! Dies schrie er uns bereits im Trailer entgegen und auch das Endprodukt darf gut und gerne mit diesem Prädikat besiegelt werden. Damit besitzt Brett Ratners Version von „Hercules“ bereits einen entscheidenden Vorteil gegenüber der vorherigen, wenn auch handlungstechnisch-anderen Version in „The Legend of Hercules“: Dwayne Johnson ist EIN Herkules, Kellan Lutz dagegen nicht.

Und so erfüllt The Rock im Film seine Aufgabe mit dem ihm gegebenen, größtmöglichen Talent. Dies beinhaltet zwar keine emotionalen Charakterstudien oder gar Method-Acting, doch ein ordentliches Hau-drauf in die Gesichter der Gegner. Trotzdem ist es nicht allein Dwayne Johnson, der den Film zu stemmen vermag. Die zweite Stärke, über die Regisseur Brett Ratner verfügt, ist ein beeindruckender Cast aus Nebendarstellern, als da Ingrid Bolsø Berdal (Atalanta), Ian McShane (Amphiaraus), Rufus Sewell (Autolycus), Aksel Hennie (Tydeus) und Reece Ritchie (Iolaus) zu nennen wären. Diesen Cast weiß Ratner auch zu nutzen und offenbart damit für „Hercules“ einen interessanten Handlungsbogen.

Von Chancen-Verwertungen und Potenzialverlust

Denn nicht der einzelne Held, demnach Herkules, sondern das Team aus seinen Söldnern bildet die wahre Speerspitze des Films. Um nicht zu viel vorwegzunehmen, sei nur auf den pathetischen Satz von Atalanta hingewiesen: We will fight for you, and we will die for you. Zusammenhalt wird in „Hercules“ großgeschrieben und zieht sich sogar in den Beginn des Abspanns, der großartig, aber für für Herkules-Fans sicherlich auch frustrierend inszeniert ist. Darüber hinaus wartet die Handlung, so geradlinig und absehbar sie auch erscheinen mag, mit einem kleinen Twist auf, der – entgegen einer sich fortsetzenden Tradition von alles enthüllenden Trailern – in den bisherigen Promos nicht in Aussicht gestellt wurde. In all diesen Punkten entwickelt sich „Hercules“ zu einem annehmbaren Blockbuster, der weitaus gehaltvoller ist, als es „Transformers 4: Ära des Untergangs“ jemals sein wird.

Und dennoch mangelt es dem Film an einer der wohl wichtigsten Grundzutat der heutigen Produktionen. In einer (Film-)Welt, in der unzählige Geschichten bereits erzählt wurden, ist Innovation unabdingbar. Besonders der Stoff über den Halbgott, dessen Geschichten schon hunderte Male erzählt wurden, ist prädestiniert dafür, mit neuen Ansätzen zu glänzen. Diesen Schritt geht Brett Ratner mit seiner Fokusverschiebung auf das gesamte Team anfangs mit großer Sicherheit, stolpert im Verlauf des Films aber über konventionelle Stereotypen, die im Hollywood-Film einst zum Standardhandwerk gehörten, heute jedoch vor allem ein Augenrollen provozieren. Gemeint sind Handlungsmuster, wie etwa der gebeutelte Held mit einer bislang nicht verarbeiteten Vergangenheit, der wie ein Phönix aus der Asche zum rechten Zeitpunkt seine Freunde rettet, die auch ein „Hercules“ nicht ausspart.

So besitzt „Hercules“ eigentlich den richtigen Ansatz, in dem er uns einen Helden präsentiert, dessen Legende weit über seinen Kopf hinaus geht und der es ohne seine Gefährten weitaus schwieriger hätte. Doch statt dies in eine ebenso innovative Story zu verpacken, verbleiben lediglich unübersichtliche Kampfgemenge, leicht zu durchschauende Vergangenheitsbewältigung, der Schwung mit der Moralkeule und natürlich eine Klimax mit dem Bösen im finalen Akt des Films. Damit bleibt „Hercules“ ein ordentlicher Film, der allerdings nur durchschnittliche Handelsware darstellt. Es ist ein Film, den die Filmindustrie schon oft hervorgebracht hat und der sich der Sympathie der Mehrheit des Kinopublikums erfreuen darf. Eben wie sein Hauptdarsteller.

Fazit:

Dwayne Johnson macht in seiner Darstellung des Halbgottes Herkules alles richtig. Dass der Film dennoch dem Zuschauer kaum im Gedächtnis bleiben wird, ist der mangelnden Ideenauswertung geschuldet. „Hercules“ weist richtige Wege auf, beschreitet sie allerdings nicht konsequent genug. Und so bleibt ein vergnüglicher, kurzweiliger Blockbuster.

rating6

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