HERZ AUS STAHL - Kritik

Marek Bang 1

HERZ AUS STAHL Trailer & Kritik Review | Brad Pitt 2015 [HD].
Brad Pitt kämpft nach „Inglorious Basterds“ zum zweiten Mal gegen die Nazis und spielt die Hauptrolle in David Ayers knallhartem Kriegsfilm „Fury: Herz aus Stahl“. Im Mittelpunkt steht die Besatzung des US-Panzers Fury, der in den letzten Weltkriegstagen des Jahres 1945 auf erbitterten deutschen Widerstand trifft. Ob der Film überzeugen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik zu „Herz aus Stahl“.

HERZ AUS STAHL Trailer & Kritik Review | Brad Pitt 2015 [HD].
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David Ayer hat seinen Platz in Hollywood gefunden, ebenso wie sein immer wiederkehrendes Thema: Die Eliteeinheit. Verschworene Männergemeinschaften in knallharten Actionfilmen dominieren das bisherige Werk des gebürtigen Mannes aus Illinois, ob als Drehbuchautor („S.W.A.T. - Die Spezialeinheit“) oder als Regisseur („End of Watch“). Dabei ist es ihm besonders in letzterem Film meisterhaft gelungen, den Zuschauer förmlich in die aufreibenden Ermittlungsarbeiten der beiden Cops Jake Gyllenhaal und Michael Pena hineinzusaugen und so war die Erwartungshaltung beim Nachfolger „Sabotage“ natürlich hoch. Doch der eher plumpe Baller-Film mit Arnold Schwarzenegger war in allen Belangen leider eine Enttäuschung.

Nun hat sich David Ayer erneut seinem Lieblingsthema gewidmet und lediglich Ort und Zeit verändert. In „Fury: Herz aus Stahl“ spielt Brad Pitt den erfahrenen Staff Sergeant Don Collier, genannt Wardaddy und damit den Anführer einer  fünfköpfigen Panzerbesatzung der US-amerikanischen 2nd Armored Division, die in dem Kriegsfilm die gewohnt berüchtigte Männergemeinschaft bildet. Zum Team gehören bekannte Gesichter wie der „End Of Watch“-Star Michael Pena als Mexikaner Trini Garcia, Shia LaBeouf als bibelfester Kämpfer Boyd sowie Jon Bernthal als unangenehmer Prolet Grady Travis. 

Dieser Gruppe von alten, vom Krieg gezeichneten und brutal abgehärteten Elitekämpfern wird der junge und unerfahrene Soldat Norman (Logan Lerman) zugeteilt, der nun die schlimmsten Tage seines Lebens vor sich hat, denn die Besatzung des mit dem Kampfnamen Fury ausgestatteten Panzers befindet sich kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges mitten im deutschen Feindgebiet und wird permanent von Hitlers letzten, fanatisierten Mannen angegriffen. Die US-amerikanischen Panzer sind den verbliebenen deutschen Kettenfahrzeugen unterlegen und die am Wegesrand an Laternen und Masten hängenden Leichen deutscher Kriegsverweigerer zeugen davon, dass das Nazi-Regime in keinster Weise gewillt ist, kampflos zu kapitulieren.

David Ayers „Fury: Herz aus Stahl“ mit Brad Pitt überzeugt als schonungslose Studie über die Verrohung des Menschen im Krieg

Wie in seinem bislang besten Film „End of Watch“ ist der Zuschauer in David Ayers „Fury: Herz aus Stahl“ sofort mitten im Geschehen und wird in die letzten Tage und Wochen eines Krieges hineingezogen, der eigentlich für die US-Amerikaner und die Alliierten bereits kurz vor dem Sieg steht, der aber zeitgleich noch mit all seinen grausigen Facetten wütet, die einen jeden Zuschauer fassungslos zurücklassen. Die Story von „Fury: Herz aus Stahl“ ist simpel, aber effektiv. Meter für Meter rückt die Fury durch deutsches Feindgebiet vor, hilft bei der Befreiung eingekesselter Soldaten und unterstützt einen anderen Kompanie-Verbund bei der Einnahme einer Kleinstadt irgendwo in Bayern.

Wie der Zweite Weltkrieg am Ende ausgegangen ist, weiß natürlich jeder und so konzentriert sich David Ayer auch auf die Gefühlswelt seiner Männergemeinschaft und ihre ganz persönlichen Strategien, mit dem Grauen des Krieges umzugehen. Als Symbol einer gewissen Form von Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten dient ihm dabei die Figur des jungen Soldaten Norman, der zunächst von der Brutalität seiner neuen Kameraden erschüttert ist, später aber auch in einen Rausch des Tötens gerät, ohne den eine solche Form von direktem Kampf Mensch gegen Mensch wohl nicht zu ertragen wäre.

„Fury: Herz aus Stahl“ funktioniert beinahe wie ein Episodenfilm, in dem die einzelnen Schlachten eine jeweils in sich abgeschlossene Geschichte bilden. Inmitten irritiert eine etwas lang geratene Passage in einer von den US-Amerikanern eingenommenen Stadt, in der Brad Pitt und Logan Lerman einer deutschen Hausfrau in ihrer Wohnung einen Besuch abstatten und sich dort mithilfe ihrer militärischen Ausrüstung Zugang zu Nahrung und weiteren Freuden des Lebens verschaffen. Danach geht es nahtlos weiter in die immer gleichen Schlachten, die den Zuschauer jedoch aufgrund ihrer erbarmungslosen Härte bis zum krachenden Finale weiterhin sowohl in ihren Bann ziehen, als auch abstoßen.

Fazit:

David Ayer ist zurück auf der Erfolgsspur und erreicht mit „Fury: Herz aus Stahl“ fast wieder die Brillanz seines Polizeifilm-Thrillers „End of Watch“. Natürlich ist beim ersten Auftritt von Brad Pitt der Gedanke an „Inglorious Basterds“ sofort präsent, doch schnell wird klar, dass „Fury: Herz aus Stahl“ trotz einiger etwas aufgesetzt wirkender, makaberer Schock-Momente mit Quentin Tarantinos wildem Kunstritt durch das dritte Reich wenig gemein hat und vielmehr durch eine authentische Zeichnung grausamer Schlachten zu punkten vermag, zumindest so authentisch, wie das Grauen des zweiten Weltkrieges siebzig Jahre später vorstellbar ist. Das gesamte Ensemble überzeugt auf schauspielerisch hohem Niveau und Brad Pitt kann sich mit seiner Darstellung des raubeinigen Kriegers nahtlos einreihen.

Trotz einiger Längen im mittleren Abschnitt des Films ist „Fury: Herz aus Stahl“ eine überzeugende Studie über eine Gruppe abgehärteter Männer, die ihrem Ziel zu überleben alles unterordnen. Zugleich schockieren die effektiv eingestreuten Bilder des alltäglichen Grauens, welches von den Nazis und ihren Schergen über Jahre verbreitet wurde, nachhaltig und erinnert uns daran, wie froh wir sein können, nach dem Film aus unserem bequemen Kinosessel aufzustehen und angstfrei nach Hause gehen zu dürfen.

8 von 10 punkten für evil dead 2013

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