Nicht nur Honig im Kopf: Zum 80. Geburtstag von Dieter Hallervorden

Marek Bang

„Honig im Kopf“ hat über sieben Millionen Menschen in die Kinos gelockt und ist DER Sensationserfolg des bisherigen Kinojahres 2015. Dabei erzählt Til Schweigers Tragikomödie die eigentlich recht sperrige Geschichte eines an Alzheimer erkrankten alten Mannes. Der wird brillant verkörpert von Dieter Hallervorden und so ist es höchste Zeit, den Komiker und Schauspieler einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Erfahrt mehr über den rüstigen Entertainer, der am heutigen Samstag 80 Jahre alt wird! Wir gratulieren mit unserer News der Woche. 

Nicht nur Honig im Kopf: Zum 80. Geburtstag von Dieter Hallervorden
Bildquelle: © Warner.

Berlin-Steglitz an einem Mittwoch Abend im Winter 2015: Das Schlossparktheater in der Nähe des Steglitzer Rathauses ist hell beleuchtet und eine Schar an Silberlocken, pardon: Hallervorden-Followern der ersten Stunde, bahnt sich ihren Weg in den Aufführungssaal. Schnell ist der altehrwürdige Raum bis auf den letzten Platz gefüllt und die Vorstellung „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ kann beginnen. Dieter Hallervorden betritt die Bühne und setzt zu einer 90-minütigen Comedy-Performance an, die so pointiert und bissig die Absurditäten des deutschen Strafgesetzbuchs und anderer Beispiele typisch deutscher Verwaltungs-Wut auf die Schippe nimmt, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Da können sich alle Kaya Yanars, Bülent Ceylans oder Mario Barths dieser Republik eine gehörige Scheibe von abschneiden, denn für das, was der 80 Jahre alte Dieter Hallervorden an Spielfreude und Niveau mitbringt, müssen besagte Herren noch viele Jahre üben, ausverkauftes Olympiastadion hin oder her.

Die Leichtigkeit und Souveränität des Kabarettisten kommt natürlich nicht von ungefähr, denn bereits 1960 gründete Dieter Hallervorden in Berlin das Kabarett-Theater Die Wühlmäuse und fungiert bis heute als dessen Direktor. Im Jahr 2008 kam dann noch das Schlosspark-Theater hinzu und der Tausendsassa Hallervorden wurde mit über 70 Jahren zum Sanierer, Innovator und Theaterdirektor in Personalunion. Glücklicherweise hat er auch immer noch Freude daran, selbst auf der Bühne zu stehen, was während jeder Minute der  Vorstellung deutlich spürbar war. Und so lernen wir, warum Lehrer Amok-Demokraten sind, was ein Ohnbeiner ist und wann Frauen nachgeladen werden können. Und selbst hinter letzterem Beispiel verbirgt sich keine zotige Schlüpfrigkeit, sondern eine Passage aus einer gerichtlichen Vorladung, die vom fidelen Zeremonienmeister genüsslich-süffisant zitiert wurde.

Allen, die bei Dieter Hallervorden immer noch ausschließlich an den so lustigen wie dämlichen Palim Palim-Sketch aus „Nonstop Nonsens“ denken oder denen die Blödel-Komödien aus den 1980er Jahren als erstes in den Sinn kommen, sei mit einem Zitat aus „Didi – Der Doppelgänger“ geantwortet: Sie brauchen mehr Details! 

Der gebürtige Dessauer Hallervorden wurde keineswegs von Til Schweiger aus der Versenkung geholt und „Honig im Kopf“ ist auch nicht die Neuerfindung von Didi als Charakterdarsteller. Bereits in den 1970er Jahren konnte der Komiker im Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ sein schauspielerisches Talent in einer ernsten Rolle als Killer unter Beweis stellen. Spätestens mit  „Hallervordens Spott-Light“ präsentierte er in der ARD gemeinsam mit dem Ensemble der Wühlmäuse zwischen 1994 und 2003 ein politisches Kabarett, das weit von der slapstickhaften Komik der „Didi-Show“ und ähnlichem Klamauk entfernt war.

Die grandiose Tragikomödie „Sein letztes Rennen“ sorgte dann 2013 für ein fulminantes Comeback auf der großen Kinoleinwand. Als ehemaliger Profi-Läufer Paul Averhoff auf dem Abstellgleis eines trostlosen Altersheims lieferte  Dieter Hallervorden die Vorstellung seines Lebens und wurde völlig zu Recht mit dem deutschen Filmpreis für seine zutiefst berührende Darstellung ausgezeichnet. Allen Widerständen und Schicksalsschlägen zum Trotz entscheidet sich Paul Averhoff in Kilian Riedhoffs sensiblem Film, im hohen Alter noch einmal am Berlin-Marathon teilzunehmen und sich so seine Würde zu bewahren. Hallervorden spielt so zurückhaltend wie wahrhaftig und Til Schweiger spendete nicht nur Applaus, sondern auch die Titelrolle zu „Honig im Kopf“. Wer nicht zu den über sieben (!) Millionen Menschen gehört, die den Blockbuster bereits im Kino gesehen haben, der kann sich unsere ausführliche Kritik zu „Honig im Kopf“ durchlesen oder hier noch einmal einen Blick auf den Trailer werfen:

Honig im Kopf - Trailer deutsch.

Bleibt also zu hoffen, dass Herr Hallervorden seinen 80. Geburtstag, zu dem wir ihm an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche senden, nicht zum Anlass nimmt, doch noch in Rente zu gehen und uns auf der Bühne und im Kino noch einige Zeit erhalten bleibt. Wer vor kurzem in den Genuss einer seiner Theater-Vorstellungen kam, der braucht sich was das anbelangt aber keine Sorgen zu machen, denn bei all der gezeigten Frische und Spielfreude sind im Moment keinerlei Anzeichen eines Abschieds zu erkennen. Und so sei an dieser Stelle noch abschließend und mit gutem Gewissen jeder Leserin und jedem Leser ein Besuch im Schlossparktheater wärmstens empfohlen.

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