Veto der Woche: Deutsche Filmtitel – Absolutes Unverständnis

Philipp Schleinig 5

Die Überschrift besagt eigentlich alles und ihr wisst sicherlich sehr gut, was ich meine. Dennoch ist es einmal an der Zeit, sich über dieses merkwürdige Phänomen zu beschweren. Erst kürzlich gab es nämlich wieder einen Anlass.

Veto der Woche: Deutsche Filmtitel – Absolutes Unverständnis

Die Filme von Paul Thomas Anderson sind durch die Bank weg ausgezeichnete Werke, die durch einen beeindruckenden Stil auffallen. Und so fiebere ich natürlich jedem neuen Streifen des Regisseurs entgegen. „Inherent Vice“ soll sein nächster Streich werden und ich freue mich wie ein kleines Schulkind darauf. Vor wenigen Tagen wurde der deutsche Titel des Films bekannt gegeben und schon der erste Blick verwundert dann doch: „Inherent Vice – Natürliche Mängel“. Fernab ob „Natürliche Mängel“ sich möglicherweise perfekt in den Film fügt und tatsächlich als Ausdruck der Filmhandlung verwendet werden kann, stellt sich mir die Frage: Was zum Henker?

Nun sehe ich persönlich meine Oma vor mir, die mich, wie ich es an ihr schätze, anruft, bevor sie ins Kino geht, um Tipps zu bekommen. „Inhärent Wiesche?“ – „Nein, Oma, Inherent Vice… Natürliche Mängel. Sag: Natürliche Mängel. Dann wird die Person an der Kinokasse sicherlich verstehen, welchen Film du dir ansehen willst.“ Abgesehen davon, dass sich meine Oma das neue Werk von „The Master“ Paul Thomas Anderson gar nicht ansehen wird, ist diese Zusatzbeschreibung auch kaum hilfreich, denn nur selten weiß der Student an der Kinokasse, wie der deutsche Zusatztitel eines Films ist. Und so befinden wir uns wieder am Anfang: „Inhärent Wiesche?“

Die Logik deutscher Zusatztitel erschließt sich mir in den seltensten Fällen. Schlimmer wird es aber noch, wenn gleich der komplette Titel ersetzt wird: „Big Hero 6“, das könnte selbst meine Oma sagen, wenn sie denn die Zahl auf deutsch ausspricht. Aber nein, mit einem Geniestreich wird daraus: „Baymax – Riesiges Robowablababbelbobudu…“. Was? Klar, lese ich mir den Titel „Baymax – Riesiges Robowabohu“ einmal ganz langsam durch, vergesse ich ihn auch so schnell nicht wieder. Aber wer nimmt sich denn die Zeit? Und was ist ein Robowabohu? Eine Erleichterung im Filmtitel sehe ich darin bei Weitem nicht.

Dabei ist der deutsche Kinogänger doch eigentlich strohdumm! Könnte man zumindest meinen, wenn man einige Filmtitel betrachtet, die hierzulande darauf ausgerichtet sind, vom Zuschauer wiedererkannt zu werden. In den USA ist das einfach: „Taken“ war der erste Ausflug von Liam Neeson als gebeutelter Vater, 2015 erscheint „Taken 3“. In Deutschland reicht das nicht, der Zuschauer muss (!) wissen, wie viele Stunden Neeson unterwegs ist: „96 Hours – Taken“, „96 Hours – Taken 2“ und „96 Hours – Taken 3“. Damit wir gar nicht vergessen, dass es sich um dieselbe Filmreihe handelt, haben die Verantwortlichen freundlicherweise die Zeitangabe hinzugefügt. Puh.

Ihr kennt sicher das Science-Fiction-Meisterwerk „Alien“? Obacht: In Deutschland wird ein Bußgeld verhängt, wenn man nicht jedes Mal den korrekten Filmtitel erwähnt: „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. Habt ihr schon „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ gesehen? „Alien – Das unheimliche Wesen  aus einer fremden Welt“ ist ein sehr spannender Film! Ihr müsst euch unbedingt „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ ansehen. Damit wir ja alle ENDLICH verstehen, was denn eigentlich ein „Alien“ ist. Soll ich es wiederholen? Nein? Gut.

Es ist natürlich auch nicht alles schlecht: Am 11. Dezember startet das neue Drama von Regisseur Jason Reitman mit dem Titel „Men, Women & Children“ in den Kinos. In Deutschland erscheint der Film als „#Zeitgeist“ – eine Bezeichnung, die hervorragend zum Thema des Films, der sozialkritischen Betrachtung unserer heutigen Social-Media-Vernetzung, passt. Dann kommt mir aber wieder „Dumm und Dümmehr“ in den Sinn – was ist mit „Dumm und Dümmer 2“? – und die Aufregung beginnt erneut.

Taken 3 - Trailer 1 Englisch.

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